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Spargelzucht in der Altmark

Zwölf Jahre braucht es von der Kreuzung bis zur fertigen Spargelsorte. Zuvor müssen Hunderte von Hybriden getestet werden - ein mühseliger Weg. In der Zuchtstation Möringen bei Stendal (Sachsen-Anhalt) gehört er seit Jahrzehnten zum Alltag.

Bereits zu DDR-Zeiten wurde hier Spargel züchterisch bearbeitet. Die letzte Sorte, 'Helios', erhielt 1987 die staatliche Zulassung. Neben Spargel standen auch Gurken im Neuzuchtprogramm. Dazu kamen auf den 42 Hektar Zuchtgartenfläche in Erhaltungszucht außerdem Sorten von Kohl-, Wurzel-, Blatt-, Zwiebel- und Fruchtgemüse. 1992 ging die Station an die Südwestdeutsche Saatzucht GmbH & Co. KG Rastatt, einen Betrieb, der mit der Sorte 'Schwetzinger Meisterschuss' ein gutes Stück deutscher Spargelgeschichte schrieb. Die langjährige Arbeit von Dr. Josef Gottwald in Möringen setzt sein Sohn Jörg fort - Diplomagraringenieur (FH) und Spargelzüchter mit Leib und Seele. Zu den Nachwende-Zuchterfolgen zählt 'Epos', ein Bleichspargel, der nicht nur wegen seiner Ertrags- und Qualitätseigenschaften von sich reden macht, sondern auch durch seine gute Anpassungsfähigkeit an extreme Klima- und Bodenverhältnisse. Dieses Plus erwuchs aus den Klimabedingungen, die vor allem von geringen Niederschlagsmengen in der Altmark geprägt werden und die recht leichten Böden. Apropos Bleichspargel: In der Verbrauchergunst liegt er mit 90 Prozent deutlich vor Grünspargel. Welche Eigenschaften muss eine neue Sorte haben, um auf dem Markt Fuß zu fassen? "Die Stangen sollen gerade sein, glatt und ohne Hohlräume", sagt Gottwald, "die Köpfe geschlossen und einheitlich, der Geschmack angenehm mild." Dazu kommen Resistenzen gegen Blatt- und Wurzelkrankheiten sowie ein hohes Regenerationsvermögen der Pflanzen und Vitalität. Ganz vorn stehe natürlich der Marktwareertrag. Stangen mit einem Durchmesser von weniger als zwölf Millimeter, betont der Zuchtleiter, sind kaum zu vermarkten. Auch sollte sich eine neue Sorte durch Frühzeitigkeit auszeichnen, denn wer zuerst auf den Markt kommt, erzielt die besten Preise. Das sei besonders im Hinblick auf die Konkurrenz aus Südosteuropa ein wesentlicher Punkt. Das Zuchtgeschehen und die Vermehrung bei dieser zweihäusigen Pflanze, also Kreuzungen, Selektionen, Saatguterzeugung und Produktion von Jungpflanzen, finden in kleinen und großen Gewächshäusern statt, auf dem Feld sowie im Labor. Denn aussichtsreiche Stämme werden bei einem Partner in vitro vermehrt, also quasi im Reagenzglas. Das sichert innerhalb kürzes-ter Zeit eine hohe Reproduktionsrate und, wenn der Stamm als Sorte zugelassen wird, einen schnellen Start in die Praxis. Trotz aller technischen Hilfs- und Prüfmittel in einem modernen Spargelzuchtbetrieb wie Möringen: Das A und O ist immer noch das Auge des Züchters und sein Gespür: Dieser Stamm könnte es schaffen! Und dieses Gespür ist vom Vater auf den Sohn übergegangen! Ergänzt wird das Zuchtgeschehen durch die Saatgutproduktion und die Erzeugung von Jungpflanzen. Letzte stehen momentan auf 16 Hektar. Dabei werden 188 888 Korn je Hektar ausgesät. Verkauft werden die Jungpflanzen mit einem Gewicht von etwa 100 Gramm an Groß- und Kleinanbauer, aber auch an den Versandhandel.