spoga+gafa: Zukunftsforscher sagt steigende Lust am Gärtnern voraus

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In seinem Vortrag im hochkarätigen Rahmenprogramm der spoga+gafa sprach Zukunfstforscher Andreas Steinle über Trends. Foto: Verena Groß

Mit einem hochkarätigen Rahmenprogramm ist die spoga+gafa in Köln gestartet. Mit Vorträgen, Interviews und TASPO Talks etabliert sich die Neuheiten-Messe immer mehr als Trend-, Kommunikations- und Themenplattform. So ging Andreas Steinle vom renommierten Zukunftsinstitut Workshop GmbH in Frankfurt in seinem Vortrag auf Konsumententrends und die Zukunft des Gartenhandels ein.

Zukunftsforscher Andreas Steinle stellte gleich zu Anfang seiner Ausführungen klar, dass es um die seelische Befindlichkeit der Konsumenten nicht einfach bestellt ist: Für 40 Prozent ist einkaufen eine lästige Pflicht, ein Drittel der Leute waschen lieber ab, als einkaufen zu gehen.

„Das sollte sich ändern – doch wie lässt sich Einkaufen genussvoller machen? Wie lassen sich Menschen begeistern und in den Handel locken?“, fragte Steinle. Viele Menschen wünschen sich beispielsweise eine Kooperation von lokalen Händlern mit Amazon oder Google, die dann eine Lieferung organisieren, weil keiner mehr Lust hat, Dinge durch die Gegend zu schleppen. 

Indoor Farming auf dem Vormarsch

Ein großes Bedürfnis nach frischer, gesunder Ernährung ebnet neuen Geschäftsideen den Weg. Junge Unternehmen bedienen dieses Verlangen, indem sie wie das Berliner Start-up Infarm auf hohem technischem Niveau Gemüse unter LED-Licht in geschlossenen Räumen anbauen, dem so genannten Indoor Farming. Das Geerntete direkt auf den Teller zu bringen, ist auch das Konzept des Berliner Restaurants „Good Bank“. Hier wird Salat vor den Augen der Gäste aus vertikalen Farmen geerntet und zubereitet.

„Das wollen die Menschen zuhause nachmachen“, ist Steinle überzeugt. Denn Menschen identifizieren sich immer mehr über die Art und Weise, wie sie sich ernähren. Indoor Farming zur Anzucht des eigenen Gemüses lasse sich zu einer Geschäftsidee weiterentwickeln, denn es braucht Zubehör.

Sehnsucht nach Natur stillen

Das finnische Unternehmen „Click and Grow“ vermittelt den Menschen, wie einfach es ist, selbst Gärtner zu sein. Es vertreibt intelligente Systeme, bei denen die Licht- und Wasserversorgung für eine Gemüsezucht auf der Fensterbank von Sensoren gesteuert wird. Die Auswahl reicht für ein Anfänger-Set für 29 Dollar bis zu einem Wandregal für mehr als 1.000 Dollar. Verkauft werden nicht nur Produkte, sondern ein Lebensgefühl. „Über das gemeinsame Gärtnern entsteht eine Gemeinschaft.“ Nicht als Arbeit, sondern als coole Beschäftigung, die Spaß machen muss.

Da hinein passt auch das Unternehmen Rankwerk aus Schleswig-Holstein, das seine Samentütchen mit witzigen Sprüchen bedruckt und eine Handschaufel im Sortiment hat, in die ein Flaschenöffner eingearbeitet ist. Mehr als 600 Gemeinschaftsgärten in Deutschland und zahlreiche Start-up-Unternehmen mit Angeboten für Indoor Gardening zeigten, dass es eine tiefe emotionale Sehnsucht nach Natur und Garten gibt, an die auch der Handel anknüpfen könne.

Rollender Einkaufsladen in Shanghai

Zu den wichtigen gesellschaftlichen Entwicklungen, die eine große Sogwirkung ausüben und langfristig zu Veränderungen weltweit führen, gehört die Urbanisierung. Dieser sogenannte Megatrend beeinflusst die Wünsche der Menschen, von denen inzwischen 60 Millionen im urbanen Raum leben. Drei Viertel der Menschen leben im städtischen Umfeld und wünschen sich neben bezahlbaren Wohnraum weniger Staus und mehr Grün.

Im immer schnelleren Tempo müssen sich die Menschen neuen Herausforderungen stellen, die die digitale Entwicklung mit sich bringt. Es müsse sich zeigen, ob wir bereit für eine hochtechnisierte Zukunft seien. Durch das Internet der Dinge und die zunehmende Vernetzung von Objekten werden viele Jobs wegfallen. „In Zukunft werden wir kaum noch Kassierer brauchen, keine Fahrer mehr für die Auslieferungen und vielleicht brauchen wir auch keine Läden in der heutigen Form mehr“, sagte Steinle.

Durch Shanghai fährt bereits ein rollender Einkaufsladen, der sogenannte Mobi Mart. Er ist 24 Stunden geöffnet, kann über das Smartphone gerufen werden, fährt autonom und hat eine Landefläche für Drohnen auf dem Dach. „Das ist ein Pilotprojekt und nicht etwa Science Fiction“, stellte Steinle klar.

Nichtstun als Workshop

„Es scheint, als komme die Menschheit mit der Entwicklung nicht mehr mit“, sagte Steinle. In unserem Horror sehen wir zu, wie Maschinen uns kopieren. Wir fühlen uns gefangen in einer Produkt-Spirale, sind selbst zu einem Produkt geworden. Es stelle sich die Frage, was uns als Mensch ausmacht, wenn Maschinen uns immer mehr ersetzen und überflüssig machen.

„Es kann sein, dass wir eine neue Spiritualität erleben werden“, sagt Steinle. Auf jeden Fall suchen die Menschen zunehmend nach Halt und nach Atempausen. Sie verorten sich in der Natur, begeben sich in digitale Detox-Camps, in denen sie keinerlei elektronische verarbeitete Informationen erreichen und suchen ihre Balance auch in Gärten.

In Offenbach bietet ein Ehepaar Nix-Tun-Workshops in seinem Garten an, für die sie 25 Euro verlangen. Sie stillen das Verlangen nach einem Erleben im hier und jetzt und auf das Fokussieren der Sinne. „Und sie sprechen damit vielen Menschen aus der Seele.“

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