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Stadtbäume gezielt und effektiv bewässern

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Viele Schäden an Gehölzen sind auf Wassermangel zurückzuführen. Damit Stadtbäume extreme Hitze und lange Trockenphasen – so wie in diesem Sommer – überstehen, setzen immer mehr Städte und Gemeinden sowie Privatleute spezielle Wassersäcke zur Bewässerung von Bäumen ein.

In Frankfurt leisten Wassersäcke ebenfalls gute Dienste bei der Bewässerung von Stadtbäumen. Foto: Matthias Hinkelammert

Lübeck: wiederverwendbare Gießringe im Einsatz

Bereits Anfang Juli 2015 ließ die Hansestadt Lübeck (Fachbereich Planen und Bauen und der Bereich Stadtgrün und Verkehr) versuchsweise Bewässerungssäcke an frisch gepflanzten Bäumen im Stadtgebiet aufstellen. An den Neupflanzungen kamen unterschiedliche Modelle von Bewässerungssäcken zum Einsatz. Die Testphase haben die Wassersäcke erfolgreich überstanden.

Inzwischen hat sich die Stadt für Wassersäcke mit einem Volumen von 100 Litern entschieden. Sie werden um die Bäume gelegt und mit einem Reißverschluss geschlossen. Das eingefüllte Wasser sickert über einen Zeitraum von fünf bis neun Stunden langsam in den Boden. Dadurch erhält das Wurzelsystem kontinuierlich Feuchtigkeit und kann mehr aufnehmen als bei der herkömmlichen kurzzeitigen Bewässerung.

Der Vorteil ist, so die Stadt Lübeck, dass sich die Wassersäcke nach der Saison abnehmen lassen. Sie sind wiederverwendbar, sehr mobil und leicht einzubauen. Nachteil der Säcke ist, nach den Lübecker Erfahrungen, die etwas aufwändige Befüllung mit einem Schlauch. Aus diesem Grund versorgt die Stadt die Straßenbäume mittlerweile über Gießringe aus grünem Kunststoff, die zügig mit großer Technik befüllt werden können und ebenfalls wiederverwendbar sind.

Kenzingen: durch gezieltes Befüllen Zeit und Wasser sparen

„Wir verwenden bei der Stadt Kenzingen das System der Firma Treegator“, erläutert Betriebshofleiter Thomas Meier. Auf das System wurde die Stadt im Frühjahr 2015 durch die Baumschule Brossmer aufmerksam, die diese bei einem Fachseminar vorstellte.

„Durch die hohe Anzahl an Jungbäumen und die anhaltende Trockenheit 2015 haben wir dann einen Versuch mit 20 Wassersäcken gestartet“, so der Betriebshofleiter weiter. „Es zeigte sich schnell, dass durch das gezielte Befüllen der Wassersäcke Zeit und Wasser gespart werden.“ Und das Wasser kommt dort an, wo es gebraucht wird – ohne, dass wie beim normalen Wässern viel Wasser abläuft.

Da sich der Einsatz der Wassersäcke auch in Kenzingen schnell als vorteilhaft herausstellte, beschaffte die Stadt nach und nach mehr. „Wir konnten somit ohne erhöhten Personalaufwand und Maschineneinsatz alle Jungbäume ohne Trockenschäden durch den Sommer 2015 bringen“, berichtet Thomas Meier. „Die Wassersäcke haben wir seitdem regelmäßig an Neupflanzungen und Jungbäumen im Einsatz. Auch beim Einschlagen oder Zwischenlagern der Bäume haben sich die Wassersäcke als gute Bewässerungsmethode bewährt.“

Probleme mit Müll in den Säcken gab es in Kenzingen bisher keine, da die Öffnung der Treegator-Wassersäcke unter einer Lasche versteckt ist. „Einziges Problem, das wir bisher hatten, war, dass zwei Säcke von Nagetieren angefressen wurden und ein Sack zerstochen wurde“, berichtet Meier.

Montabaur: Säcke nicht zur Bewässerung genutzt

Die Stadt Montabaur setzt bei Bedarf ebenfalls Wassersäcke zur Versorgung der Bäume ein – insbesondere im Frühjahr je nach Wetterlage und zumindest an besonders alten, stark zurückgeschnittenen oder sehr jungen Bäumen, die den größten Anteil ausmachen.

Allerdings werden die insgesamt 30 Säcke nicht nur zur Bewässerung, sondern auch zur Gabe von Huminsäure eingesetzt, die in Pulverform beigemischt wird. „Würde man den Baum einfach nur gießen, könnte dieser die Flüssigkeit gar nicht so schnell aufnehmen“, erläutert Landschaftsgärtner und -architekt Markus Kuch von der Grünflächenverwaltung der Verbandsgemeinde Montabaur.

„Huminsäure ist ein natürlicher Stoff, der in jedem Kompost zu finden ist. Die Säure versorgt den Baum mit wichtigen Nährstoffen, bindet überschüssiges Salz und sorgt für einen fruchtbaren Boden.“ Die Mischung kann langsam über kleine Löcher im Sackboden in die Erde sickern und an die Baumwurzeln gelangen.

Jeweils zwei grüne Säcke, die auf Initiative von Bauhofleiter Christoph Kuhl angeschafft wurden, werden morgens um den Stamm gebunden. In den Wassersäcken befinden sich jeweils rund 80 Liter Wasser, das in rund acht Stunden abläuft.

Landau: Wassersäcke seit mehreren Jahren bewährt

Die Stadt Landau hat die Wassersäcke (Treegator) seit mehreren Jahren in Verwendung – und sie haben sich bewährt. „Wir sind mit dem System und den Ergebnissen sehr zufrieden“, sagt Hans Schönemann von der städtischen Grünflächenabteilung. „Vor allem an jungen Bäumen an extremen Standorten sind deutliche Verbesserungen zur herkömmlichen Wässerung festzustellen, sodass sich die Vitalitätssteigerung an diesen Bäumen besonders zeigt“, so der Arborist.

Der Vorteil ist eindeutig, dass durch die tröpfchenweise Abgabe des Wassers dieses genau dort hinkommt, wo es gebraucht wird. „In der Regel wässern wir zunächst direkt die Erde, dann wird zusätzlich der Wassersack befüllt, sodass möglichst viel Wasser bei einem Wässergang auf die Fläche aufgebracht werden kann“, erklärt Schönemann.

Bisher entdeckte der Experte keine Nachteile der Sackwässerung. „Vereinzelt ging ein Reißverschluss kaputt. Bisher wurde aber kaum ein Wassersack entwendet oder bewusst zerstört. Eher wurden die Säcke hin und wieder vom Mäher oder Freischneider erwischt. Auch Hunde beißen gelegentlich gern hinein. Wir werden die Wassersäcke aber auf jeden Fall weiter einsetzen.“

Dieser Beitrag aus TASPO 29/2017 gehört zu einer ganzen Reihe von Artikeln, die sich dem Thema Bewässerung widmen:

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