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Streit um Glyphosat geht weiter

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Während die EU-Kommission Glyphosat für zehn weitere Jahre zulassen will, hat die Organisation Campact im Rahmen einer Bürgerinitiative in ganz Europa eine Million Unterschriften für ein Verbot des Herbizids gesammelt.

In der EU herrscht weiterhin Uneinigkeit über eine längerfristige Zulassung des Pestizids Glyphosat. Foto: Dusan Kostic / Fotolia

EU-Gesundheitskommissar verteidigt Zulassung von Glyphosat

Am vergangenen Dienstag verteidigte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis die geplante Neuzulassung von Glyphosat. Immerhin hätten weltweit 27 Agenturen zu Protokoll gegeben, der Wirkstoff sei wissenschaftlich erwiesenermaßen nicht krebserregend.

Im Juni 2016 war das Herbizid durch die EU-Kommission für eine Frist von 18 Monaten, die Ende 2017 ausläuft, nur vorübergehend zugelassen worden. Während dieser Zeit sollte das Gefahrenpotenzial besser von den Labors analysiert werden. Auf der Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse will die EU-Kommission nun die Entscheidung hinsichtlich einer weiteren längerfristigen Zulassung treffen.

Ursprünglich hatte das Gremium eine Verlängerung der Zulassung über 15 Jahre hinweg ins Auge gefasst. Angesichts der Vorbehalte in der Bevölkerung habe die EU-Kommission den vorgeschlagenen Zeitraum nun reduziert, so der EU-Gesundheitskommissar. Dennoch bestehe eine „Konvergenz wissenschaftlicher Meinungen“, nach der sich die grundsätzliche Entscheidung für eine weitere Zulassung von Glyphosat richten müsse. 

Europäische Bürgerinitiative: Eine Million Unterschriften gegen Glyphosat

Befürchtungen hinsichtlich des Krebsrisikos bestehen in der Bevölkerung offensichtlich immer noch. Denn heute meldete die Organisation Campact, europaweit eine Million Unterschriften für ein Verbot von Glyphosat gesammelt zu haben. Alleine in Deutschland unterschrieben 270.000 Bürger die Petition.

Wie Campact meldet, hätte keine Europäische Bürgerinitiative (EBI) bisher einen ähnlich schnellen Erfolg erzielt. „Jetzt bloß nicht vor den Lobbyisten von Monsanto und Co. einknicken. Die Landwirtschaftspolitik der EU muss giftfrei werden und sich nach Mensch und Natur richten, nicht nach Konzernen. Ein Verbot von Glyphosat ist der erste Schritt“, sagt Maria Lohbeck von Campact.

Dabei verweist Lohbeck noch einmal auf das Urteil der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört, Glyphosat sei „wahrscheinlich krebserregend“.

Glyphosat-Gegner: Anhörung vor der EU-Kommission

Die Regeln einer EBI sehen vor, dass insgesamt eine Million Unterschriften erreicht und Länderquoren (Mindestzahlen im Verhältnis zur Bevölkerung) in sieben Ländern erfüllt werden müssen. Das Länderquorum wurde in diesem Fall in elf Ländern erreicht. Neben dem Verbot von Glyphosat fordert die Initiative eine wissenschaftlich unabhängige Bewertung von Herbiziden und Pestiziden.

Durch den Erfolg der Unterschriftenaktion, die online und offline erfolgte, dürfen die Organisatoren ihre Anliegen nun offiziell in einer Anhörung vor der EU-Kommission vorbringen. Das Entscheidungsgremium ist zu einer schriftlichen Stellungnahme verpflichtet.

Glyphosat: Uneinigkeit in der EU

Sollte es zu einer längerfristigen Verlängerung der Zulassung von Glyphosat kommen, bleibt den EU-Mitgliedsstaaten die Entscheidungsgewalt, ob sie den Wirkstoff in ihrem Staatsgebiet verbieten wollen. Die Schweiz hatte bereits vor einiger Zeit angekündigt, sich gegen ein Verbot des Herbizids zu positionieren.

In der EU scheidet das Thema immer noch die Geister. Schon nachdem Vytenis Andriukaitis im Plenum eine weitere Zulassung verteidigt hatte, empörten sich einige EU-Abgeordnete über dieses Statement, wie Spiegel Online berichtet.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hätten in ihrer Bewertung des Gesundheitsrisikos, das durch Glyphosat ausgehen könnte, die Ergebnisse der IARC einfach unter den Tisch fallen lassen. Mehrere Abgeordete mutmaßten, dass der US-Konzern Monsanto die Bewertungen beeinflusst hätte.