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Studie: Hecken als CO2-Killer

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Am Thünen-Institut für Agrarklimaschutz in Braunschweig hat ein Forscher:innen-Team Berechnungen durchgeführt, die unter Beweis stellen, dass das Anpflanzen von neuen Hecken enorm positive Auswirkungen bei der Kompensation von Treibhausgasemissionen habe.  

Untersuchung einer Haselhecke bei Nienburg (Saale) in Sachsen-Anhalt im Rahmen der Studie des Thünen-Instituts. Foto: Sophie Drexler / Thünen-Institut

Hecken machen CO2 klimaunschädlich

Die Kompensation von Treibhausgasen steht immer wieder im Zentrum aktueller Diskussionen. Gerade auf landwirtschaftlich genutzten Böden ist ein Ausstoß von CO2 kaum zu vermeiden. Rund zwölf Prozent des gesamten Ausstoßes in Deutschland stammt demnach aus der Landwirtschaft. Klimaneutralität sei im landwirtschaftlichen daher nur durch Kompensationswirkungen zu erreichen. Am Thünen-Institut für Agrarklimaschutz in Braunschweig haben Forscher:innen das zum Anlass genommen und die Kompensationswirkungen von Hecken untersucht. Durch die Einlagerung von Kohlenstoff in der Biomasse der Hecke und als Humus im Boden haben neue Hecken demnach das Potential, Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufzunehmen und klimaunschädlich zu machen. Die Berechnungen zeigen, dass eine auf Ackerland neu angepflanzte 720 Meter lange Hecke langfristig die gesamten Treibhausgasemissionen, die ein Durchschnittsdeutscher innerhalb von 10 Jahren emittiert, kompensieren könne. „Für die Berechnungen haben wir alle verfügbaren Daten zu Humus und Biomasse in Hecken zusammengetragen – 13 Studien und eigene Daten mit insgesamt fast 150 untersuchten Hecken“, sagt Sophie Drexler, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Thünen-Institut.

Hohe Dichte an Ästen und Zweigen optimal bei Kohlenstoffbindung

Überraschendes Ergebnis der Berechnungen war, dass pro Hektar Hecke im langjährigen Mittel fast genauso viel Kohlenstoff gebunden werden könne, wie in Wäldern. Zurückzuführen sei das auf die hohe Dichte an Ästen und Zweigen in Hecken und den guten Wuchsbedingungen in der Agrarlandschaft. Auch in den Wurzelstöcken könne besonders viel Kohlenstoff gebunden werden, heißt es. Den größtmöglichen Nutzen haben Hecken allerdings, wenn sie auf Ackerböden angepflanzt werden. Hier werde Kohlenstoff nicht nur in der Biomasse, sondern auch im Boden als Humus gebunden. Wirksam seien allerding nur neu angepflanzte Hecken. Mit ihrer zunehmenden Biomasse erhöhen sie die Kohlenstoffspeicherung. Daneben schützen Hecken vor Winderosion und haben eine zusätzliche kühlende Wirkung. Einer heckenreichen Agrarlandschaft könne ein Dürresommer daher weniger anhaben. „Die vielfältigen Leistungen von Hecken machen diese zu attraktiven Strukturelementen in der Agrarlandschaft“, sagt Projektleiter Dr. Axel Don.

Strauchschnitt als erneuerbare Energie nutzen

Durch die neue Studie lasse sich der Klimaschutzleistung von Hecken Rückenwind verleihen. „Es gibt kaum eine Klimaschutzmaßnahme im Agrarbereich, mit der auf so wenig Fläche so viel Effekt erzielbar ist“, so Don. Ein weiterer Vorteil von Hecken sei zudem der anfallende Strauchschnitt bei der Pflege. Dieser könne beispielsweise als Holzhackschnitzel als erneuerbare Energie genutzt werden. Dadurch vergrößere sich der Klimaschutzeffekt von Hecken sogar nochmals, da Holzhackschnitzel nicht mehr aus aller Welt importiert werden müssen. Um die in den vergangenen 60 Jahren gerodeten Hecken wieder neu anzupflanzen, würden lediglich 0,3 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche benötigt geht aus den Berechnungen der Thünen-Studie hervor. Damit ließen sich die ausgeräumten Agrarlandschaften wieder einräumen und gleichzeitig 10 Millionen Tonnen CO2 binden und klimaunschädlich machen.
 

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