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Studie: Mangelndes Wissen hält viele vom Bio-Gärtnern ab

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Viele Hobbygärtner möchten biologisch anbauen – wissen aber nicht wie. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖLN). Auf Grundlage eines Projekts namens „Kleine Biogärten – große Wirkungen“ entstanden daher unter anderem praxisnahe Broschüren und Anleitungen für Schnupperkurse.

Es kann viele Gründe haben, weshalb Kleingärtner nicht auf ökologische Bewirtschaftung umstellen. Foto: andreas160578/Pixabay

Kleingärtner und Gemeinschaftsgärtner für die Studie befragt

Ausführender der Studie war das Forschungsinstitut für biologischen Landbau Deutschland (FiBL). Befragt wurden 500 Kleingärtner und 60 Gärtner aus Gemeinschaftsgärten in den Städten Berlin, Freiburg, Frankfurt und Hamburg. Erhoben wurden hierbei Kenntnisse und Wissensbedarf zum biologischen Gärtnern sowie die Einstellungen gegenüber dem Öko-Landbau und zum Kaufverhalten von Bio-Produkten. Die Befragungen ergaben unter anderem:

  • dass die Mehrheit der Klein- (74 Prozent) und Gemeinschaftsgärtner (77 Prozent) die Methoden des biologischen Gärtnerns für nützlich hält. Höhere Preise von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln oder eventuelle Kostenersparnisse durch biologisches Gärtnern spielen bei der Entscheidung umzustellen für den Großteil der Hobbygärtner keine Rolle.
  • Unter den Kleingärtnern mit nichtdeutscher Muttersprache ist der Anteil derjenigen, welche die Umstellung für erstrebenswert halten und/oder bereits ökologisch gärtnern, höher als bei den Kleingärtnern ohne Migrationshintergrund.
  • Gemeinschaftsgärtner schätzen den Arbeitsaufwand durch das ökologische Gärtnern im Durchschnitt geringer ein als dies die Kleingärtner tun.
  • Nur rund sechs Prozent der Kleingärtner und rund acht Prozent der Gemeinschaftsgärtner denken, dass biologisches Gärtnern zu einem verwilderten Garten führt.
  • Gründe, warum es Kleingärtner nicht für erstrebenswert halten, auf ökologische Bewirtschaftung umzustellen, sind fehlendes Wissen, höherer Arbeitsaufwand, höhere Kosten, Zeitmangel, weniger Ertrag bis Totalausfall, schlechte Bodenqualität und Nachbarn, die nicht ökologisch düngen.

„Biogärtner“ halten nicht alle Prinzipien des ökologischen Gärtnerns ein

  • Interviews in den Kleingartenvereinen zeigen, dass Hobbygärtner, die sich selbst als Biogärtner bezeichnen, nicht alle Prinzipien des ökologischen Gärtnerns einhalten. Der Gebrauch von Blaukorn, handelsüblichem Schneckenkorn und anderes findet teilweise statt. Gründe hierfür sind mögliche Ernteverluste, Zeitmangel und auch mangelndes Wissen über ökologische Alternativen.
  • Für Kleingärtner sind Fachzeitschriften und Fachbücher sowie die Zeitschriften der Kleingartenverbände die wichtigsten Informationsquellen, erst danach folgen elektronische Medien wie das Internet. Letzteres wird von 18 Prozent der Befragten sogar als unwichtig eingestuft. Demgegenüber sind die Gemeinschaftsgärtner deutlich affiner für das Internet: Digitale Medien und Internet (wie YouTube-Links) spielen in den Garteninitiativen eine wichtige bis sehr wichtige Rolle, gefolgt von Büchern und Fachzeitschriften.
  • Es besteht ein Zusammenhang zwischen biologischer Gartenpraxis und dem Konsum von Bio-Lebensmitteln: Die statistische Auswertung der Befragungsergebnisse belegt, dass Hobbygärtner, die biologisch gärtnern, eher Bio-Produkte kaufen.

Vorgeschlagene Maßnahmen, um Bio-Gärtnern zu fördern

Fazit der Studie: Fehlendes Wissen kristallisierte sich in der Befragung als ein wichtiger Faktor heraus, der Hobbygärtner davon abhält, biologisch zu gärtnern. Das Projektteam entwickelte deshalb gemeinsam mit Multiplikatoren aus Kleingartenvereinen und Garteninitiativen Maßnahmenvorschläge zur Förderung des biologischen Gärtnerns. Davon wurden vier Maßnahmen in die Praxis umgesetzt: Biogarten-Schnupperkurse, Alte-Sorten-Workshops, Biogarten-News(letter) und ein Biogarten-Selbstcheck (online). Insbesondere die Biogarten-Checkliste wurde von den Experten als sehr gutes Instrument eingestuft und ist demnächst auch online verfügbar. Sie bietet eine gute Hilfestellung, um die eigene Gartenpraxis bewerten zu können. Darüber hinaus wurden Hobbygärtner mit Migrationshintergrund als Zielgruppe näher untersucht. Aus den Ergebnissen entstand der Leitfaden „Biologisches Gärtnern mit Migranten – Empfehlungen für gemeinsame Bildungsprojekte“.

► Info-Materialien stehen kostenfrei auf der Website „biologisch gärtnern“ zur Verfügung.

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