Studie: Mit Pflanzenextrakten gegen Kater-Symptome

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In einer klinischen Studie testeten Biologen, ob Pflanzenextrakte typische Kater-Symptome in Folge von Alkoholgenuss abmildern können. Symbolbild: Bill Oxford/Unsplash

Wer am Abend zu tief ins Glas schaut, hat am nächsten Tag oftmals einen „Kater“. Gegen die typischen Symptome wie Kopfschmerzen oder Übelkeit soll ein Cocktail aus Pflanzenextrakten helfen, den Forscher der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in einer klinischen Studie auf seine Wirksamkeit erprobt haben.

Können Pflanzenauszüge den „Katzenjammer“ abmildern?

Acerolakirsche, Kaktusfeige, Ginkgo, Silberweide und Ingwerwurzel – das sind die Bestandteile des Pflanzen-Cocktails, den die Biologen Prof. Dr. Bernhard Lieb und Patrick Schmitt von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) in einer klinischen Studie an 214 Teilnehmern zwischen 18 und 65 Jahren als „Anti-Kater-Mittel“ getestet haben. Zusätzlich wurden der Mixtur noch Mineralstoffe und Vitamine zugesetzt. Entwickelt wurde die Formulierung aus verschiedenen pflanzlichen Substanzen auf Basis von 600 Veröffentlichungen in Fachzeitschriften.

Um herauszufinden, ob die Einnahme von Pflanzenauszügen tatsächlich den sogenannten „Katzenjammer“ als Folge von Alkoholkonsum abmildern kann, wurden in der Studie zum Vergleich auch ein Placebo sowie eine Mischung, die nur auch Mineralstoffen und Vitaminen bestand, verabreicht. Zuvor durften die Versuchsteilnehmer im Schnitt rund 1,6 Gramm Alkohol pro Kilogramm Körpergewicht konsumieren – was den Forschern zufolge bei einem Gewicht von 60 Kilo etwa 2,5 Liter Bier entspricht.

Pflanzen-Cocktail reduziert Kopfschmerzen und Co. deutlich

Jeweils vor und nach dem Alkoholkonsum – die Studienteilnehmer konnten wahlweise Bier, Radler, Weißwein oder Weißweinschorle trinken – bekamen die Probanden zusätzlich den Pflanzen-Cocktails, die reine Mineralstoff-Vitamin-Mischung oder das Placebo. Dabei zeigte sich, dass die Teilnehmer, die den Pflanzen-Cocktail erhielten, im Vergleich zur Placebo-Gruppe deutlich weniger unter Kopfschmerzen (minus 34 Prozent) und Übelkeit (minus 42 Prozent) litten. Auch fielen ebenfalls nach Alkoholgenuss auftretende Symptome wie Apathie (minus 27 Prozent) oder Ruhelosigkeit (minus 41 Prozent) merklich geringer aus als in der Placebo-Gruppe.

Ebenfalls deutlich stärker unter alkoholbedingten Kater-Symptomen hatte der Studie zufolge die Kontrollgruppe zu leiden, die den reinen Mineralstoff-Vitamin-Mix verabreicht bekam. „Wir sehen also deutlich, dass die Pflanzenauszüge beim Alkoholabbau im Körper interagieren und damit bei der Vorbeugung oder Behandlung von Kater-Erscheinungen helfen beziehungsweise die Probleme lindern“, fasst Schmitt die Studienergebnisse zusammen. „Die Pflanzenextrakt-Mischung stellt nach gegenwärtigem Kenntnisstand die einzige wissenschaftlich belegte Möglichkeit dar, um gegen Kater-Beschwerden zu intervenieren.“

Anti-Kater-Cocktail bereits auf dem Markt

Für die Zukunft kann sich Schmitt – der die Studie im Rahmen seiner Masterarbeit an der JGU durchgeführt hat und nun über Naturstoffe aus Pflanzen gegen Antibiotika-resistente Keime promoviert – weitere Untersuchungen vorstellen, um aus den verschiedenen Pflanzenstoffen einen einzelnen Wirkstoff herauszufiltern, der für die positiven Effekte gegen Kater-Beschwerden hauptsächlich verantwortlich ist. „Dann könnte man aus einer Substanz eventuell auch ein Medikament herstellen.“

Bis es soweit ist, können feierwillige Konsumenten auf den in der Studie eingesetzten Pflanzen-Cocktail zurückgreifen, um den „Hangover“ am nächsten Tag abzumildern. Unter dem Produktnamen one:47 ist der von den Forschern klinisch erprobte Mix bereits als „After Party Drink“ erhältlich. Dieser enthält den Angaben zufolge neben natürlichen Extrakten aus Ingwer, Ginkgo, Weidenrinde, Kaktusfeige und Acerola die Vitamine C, B1, B2, B6 und Folsäure sowie die Mineralstoffe Zink, Magnesium und Natrium.

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