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Stuttgart: vertikaler Fassadengarten mit waagrechten Bäumen

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Einen Garten, in dem die Bäume nicht in den Himmel wachsen, sondern waagerecht aus der Wand zu sprießen scheinen, installiert ein Start-up der Universität Hohenheim derzeit in der Stuttgarter Innenstadt. Der vertikale Fassadengarten am VHS-Gebäude auf dem Rotebühlplatz soll beispielhaft zeigen, wie sich Großstädte mit wenig Raum begrünen lassen. Das Besondere: Die Ligusterbäumchen darin sind ständig in Bewegung.

Der vertikale Fassadengarten mit den drei rotierenden Ligusterbäumchen soll künftig Stuttgarts Innenstadt begrünen. Foto: Universität Hohenheim/Corinna Schmid

Fassadengarten soll dauerhaft Stuttgarter Innenstadt begrünen

8,50 Meter lang und 3,50 Meter breit ist die Garteninstallation, die vom 4. bis 6. Mai am sogenannten Treffpunkt Rotebühlplatz auf zehn Meter Höhe freihängend installiert wird. Gekauft wurde sie von der Stadt Stuttgart und soll von nun an dauerhaft für mehr Grün im Herzen von Baden-Württembergs Landeshauptstadt sorgen. Zuvor stand die Pflanzenfassade auf dem Campus der Stuttgarter Universität Hohenheim und zog anlässlich des 200. Jubiläums der Hochschule die Blicke auf sich.

Besonderer Hingucker in dem vertikalen Fassadengarten sind die drei darin gepflanzten, waagrecht rotierenden Ligusterbäumchen. 0,1 bis 1,6 Umdrehungen pro Minute sorgen den Angaben zufolge dafür, dass sich die Schwerkraft- und Lichtwahrnehmung der Pflanzen ändert und diese konstant horizontal wachsen. Darüber hinaus bleiben die Bäume dadurch klein und entwickeln mehr grüne Blätter als bei einer herkömmlichen Pflanzung.

Visioverdis-Gründerin forscht seit 2011 an waagrecht wachsenden Pflanzen

Das dahinterstehende Prinzip nennt sich GraviPlant und stammt von Visioverdis, einem Start-up der Uni Hohenheim. Bereits seit 2011 forscht Dr. Alina Schick, Gründerin und Geschäftsführerin von Visioverdis, an den waagrecht wachsenden Pflanzen für die Begrünung von Großstädten mit wenig Raum. Das von ihr hierfür entwickelte Technologie-Konzept beinhaltet, dass die Fassaden mit LAN, Wasser- und Stromleitung verbunden sind und so die Pflanzen im Fassadengarten automatisch versorgt werden. Bewässerung, Rotation und LED-Beleuchtung werden dabei von Sensoren gesteuert.

„Das Bedürfnis, Großstädte begrünen zu wollen, wächst stetig. Nicht nur die Stadt Stuttgart, sondern auch Firmen aus anderen Städten und aus dem Ausland kontaktieren uns“, berichtet Dr. Alina Schick. Die von ihr entwickelten waagrecht wachsenden GraviPlants bieten sich der promovierten Agrarwissenschaftlerin und Gravitationsbiologin zufolge unter anderem für die Mega-Citys im asiatischen Raum an, um dort für eine Verbesserung der Luftqualität zu sorgen – denn mehr Pflanzen filtern mehr Schadstoff und produzieren zusätzlichen Sauerstoff.

GraviPlants: grüne Klimaanlagen mit niedrigem Energiebedarf

Schick, die sich bereits 2009 mit der Schwerkraft-Wahrnehmung von Pflanzen auseinandergesetzt hatte und diese mit Hilfe von Waschmaschinen-Motoren drehte, bezeichnet ihre GraviPlants als echte Allrounder. „Im Vergleich zu Klimaanlagen, benötigen sie weniger Energiekosten, bezwecken neben der Fassadenkühlung aber auch Luftreinigung, fungieren als Feinstaubfilter und haben einen ästhetischen Anblick.“ Darüber hinaus wirken die Pflanzenwände – die überall dort zum Einsatz kommen können, wo der Platz für Parks fehlt – als Lärmdämpfer.

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