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Substrate: Mengen-Abweichungen normal?

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Uns erreichte ein Leserbrief, der bei Substraten Abweichungen zwischen der Mengenangabe des Herstellers und der tatsächlichen Füllmenge im Produktionsbetrieb beschreibt. TASPO-Redakteurin Marie Dähn ging Sache auf den Grund.

Theoretisch ist jeder, der mit Substraten arbeitet und die entsprechende Apparatur besitzt, in der Lage, die Ausliterung nach DIN EN 12580 durchzuführen. Foto: Floragard

Substrate und Kultursubstrate: Füllmenge nach DIN EN 12580

Um herauszufinden, wie die Füllmengen gemessen werden und welche Abweichungen eventuell „normal“ sind, fragten wir unter einschlägigen Produzenten nach. Die Ergebnisse zeigen, dass alle Substrathersteller ihre Werte nach der europäischen Norm DIN EN 12580 „Bodenverbesserungsmittel und Kultursubstrate – Bestimmung der Menge“ ermitteln. Sie ist das von den Behörden vorgeschriebene Verfahren für die Bemessung der Füllmenge von Fertigpackungen (Sackware, Big Bales) und der Liefermenge von losen Substraten.

Substrate: Nach Einführung der Norm kaum Beschwerden

„Nach Einführung der Norm im Jahr 2000 gab es kaum noch Reklamationen“, sagt der Geschäftsführer vom Industrieverband Garten (IVG), Johannes Welsch, auf Nachfrage der TASPO, wie groß derzeit die Anzahl der Beanstandungen ist.

Die Aussage des IVG bestätigt auch Hans-Jürgen Luck, Verkaufsleiter Profi-Erden, Hawita (Vechta): „Die Zahl der Reklamationen über die Füllmenge ist, seitdem es die Norm gibt, sehr stark zurückgegangen.“ Er betont die Vorteile des einheitlichen Messsystems, das zu aussagekräftigen und nachvollziehbaren Ergebnissen führe. Bei dem Verfahren wird die Schüttdichte mittels eines 20-Liter-Zylinders plus Aufsatz, verschiedener Siebe und einem Stativ ermittelt (siehe Bilder).

Spezielles Messverfahren für schwer abfüllbare Güter

Luck weist darauf hin: „Das Messverfahren ist nicht vergleichbar mit einem Verfahren, das die Füllmenge wie bei einem Wasservolumen misst.“ Dies sei dem Umstand geschuldet, dass Substrate schwer abfüllbare Güter sind, die auf Grund der Zusammensetzung unterschiedliche Dichtefaktoren aufweisen. Auch ein Messsystem auf Gewichtsbasis ist bei Substraten nicht möglich, da der Wassergehalt die Liefermenge verändern würde.

Kann es trotzdem zu Abweichungen kommen?

Tobias Jäger, Vertriebsleitung Produktionsgartenbau, Stender (Schermbeck): „Bei Substraten und Blumenerden handelt es sich um Naturprodukte. Etwaige Schüttdichtenerhöhungen sind durch physikalische und biologische Einflüsse während der Lagerung im Handel nicht auszuschließen.“

Winfried Temming, Leiter Fachabteilung Gartenbau, Floragard (Oldenburg): „Durch eine lange Lagerdauer oder weite Transportwege kann es mitunter bei späteren Füllmengenbestimmungen beim Kunden zu Abweichungen kommen. Generell sollte dieses aber im Inlandsgeschäft kein Thema sein.“

Welche Abweichungen sind „normal“?

Tobias Jäger: „Dazu gibt es keine festen Werte, da hier die unterschiedlichsten Faktoren, die nicht vom Hersteller zu beeinflussen sind, zum Tragen kommen: Topfgrößen, Einstellung der Topfmaschine, welche Mengen eingefüllt werden (Verdichtungsfaktor), gleichmäßige Füllung bei groben Produkten.“

Wie werden die Füllmengen kontrolliert?

Jonas Rothenhöfer, Verantwortlicher Füllmengen, Einheitserde (Sinntal-Altengronau): „Die jährlichen, unabhängigen, externen Kontrollen, die immer wieder unangemeldet vom Eichamt durchgeführt werden, bestätigen, dass unsere Füllmengen der Füllung nach DIN EN 12580 entsprechen und somit auch unser System des Qualitätsmanagements in Bezug auf die Füllmengen.“

Dr. Horst Kupschus, Geschäftsführer Vertriebsgesellschaft, Klasmann-Deilmann Europe (Geeste): „Die zuständige Betriebsstelle des Mess- und Eichwesens Niedersachsen (MEN) führt an den Produktionsstandorten in regelmäßigen Abständen neutrale Prüfungen der Füllmengen durch. Darüber hinaus hat sich Klasmann-Deilmann der freiwilligen Füllmengen-Selbstkontrolle verpflichtet, die aus einer gemeinsamen Initiative des Industrieverbandes Garten mit deutschen Substratproduzenten resultiert.“

Der Einfluss von Torfersatzstoffen und Verdichtung

Jonas Rothenhöfer: „Sicherlich wirken sich diese Faktoren auf die Handhabung der Produkte aus. Allerdings ist die definierte Auflockerung des Materials, der Substratmischung, durch die Befüllung des Messgefäßes über einen Siebaufsatz, der auch je nach Struktur des Materials nach genauen Vorgaben angepasst wird, ein wesentlicher Bestandteil der Methode. Dadurch wird die Methode verschiedenen Strukturen und Verdichtungsgraden der Erden gerecht.“

Winfried Temming: „Durch den Einsatz des Volumensaugers können auch stark verdichtete Erden wieder aufgelockert werden, und die Füllmenge kann trotz der zuvor aufgetretenen Verdichtung nach der DIN EN 12580 ermittelt werden. So kann es bei stärker verdichteten Substraten Zweifel geben, ob die deklarierte Menge tatsächlich enthalten ist. Daher verweisen wir auf unseren Verpackungen auch auf die Darstellung der richtigen Methode, die auf unserer Internetseite dargestellt ist.“

Tobias Jäger: „Die vermehrte Verwendung von Torfersatzstoffen in Blumenerden und der Einsatz von stärker verdichteten Substraten haben aus unserer Sicht einen Einfluss auf die Ermittlung der Füllmengen nach längeren Lagerzeiten.“

Wie lässt sich die Füllmenge im Gartenbaubetrieb kontrollieren?

Wolfgang Bünker, Bereich Qualitätssicherung/Qualitätsmanagement, Gramoflor (Vechta): „Die Ausstattung und Arbeitsweise der Gartenbaubetriebe spielt eine große Rolle, wenn es darum geht; die Substratergiebigkeit zu bewerten. Hier hängt es davon ab, welche Auflockerung vor dem Topfen erreicht werden kann und wie die Einstellung der Topfmaschine ist. Theoretisch ist jeder, der mit Substraten arbeitet und die entsprechende Apparatur besitzt, in der Lage, die Ausliterung nach DIN EN 12580 durchzuführen.“

Substratfüllmenge: Abweichungen durch Lagerung und Transport

Die Substratfüllmenge wird von den Herstellern einheitlich nach der europäischen Norm DIN EN 12580 gemessen und von den Eichämtern kontrolliert. Abweichungen können durch Lagerung und Transport entstehen. Unter Einhaltung der EU-Norm können die Füllmengen im Betrieb nachgeprüft werden.