Tarifglättung für Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft

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Produktionsbetriebe im Gartenbau, die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft erzielen, können endlich die Möglichkeit der Tarifglättung (§ 32c Einkommensteuergesetz) nutzen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Krise kann diese Regelung im Betrachtungszeitraum 2020 bis 2022 durchaus zu einer finanziellen Entlastung führen, die allerdings erst im Jahr 2023 eintritt.

Ende des Gesetzes bereits festgelegt

Die Einführung dieses Gesetzes hat eine relativ lange Vorgeschichte. Im Dezember 2016 wurde das Gesetz verabschiedet und der EU-Kommission zur Genehmigung vorgelegt. Nach gut drei Jahren ist am 30. Januar 2020 nach diversen Änderungen der Beschluss der EU-Kommission gefallen, dass die Regelungen zur Tarifermäßigung für Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft eine mit dem Binnenmarkt vereinbare Beihilfe darstellen und somit genehmigt werden kann. Allerdings ist das Ende dieses Gesetzes bereits festgelegt. Die Regelung gilt für die Veranlagungszeiträume 2014 bis 2022 und soll laut Gesetzesbegründung die Folgen des globalen Klimawandels für die Betriebe mildern.

Die Wirkungsweise dieses Gesetzes soll, ohne auf die relativ komplexen Detailregelungen einzugehen, kurz erläutert werden. Es gibt drei Betrachtungszeiträume – 2014 bis 2016, 2017 bis 2019, 2020 bis 2022. In jedem dieser Betrachtungszeiträume wird pro Jahr die „normale“ tarifliche Einkommensteuer, die auf die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft entfällt, ermittelt. Nach Ablauf eines Betrachtungszeitraumes wird eine „fiktive“ Einkommensteuer berechnet. Diese „fiktive“ Einkommensteuer unterstellt für jedes Jahr den Durchschnitt der drei Jahre der Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft als Berechnungsgrundlage für die Einkommensteuer.

Vereinfachtes Beispiel für die Berechnung

An einem vereinfachten Beispiel wird diese Berechnungsmethode verständlich: Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft im Jahr 2014 null Euro, 100.000 Euro im Jahr 2015, null Euro im Jahr 2016. Tarifliche Steuer (inklusive Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer, Zusammenveranlagung) für die Jahre 2014 und 2016 null Euro, 28.902 Euro für das Jahr 2015. Der Durchschnitt der Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft für die drei Jahre beträgt 33.333 Euro. Darauf entfällt eine Steuerbelastung von 3.334 Euro pro Jahr und für den Betrachtungszeitraum der drei Jahre 10.002 Euro. In diesem Fall ergibt sich ein Vorteil von 18.900 Euro (28.902 Euro minus 10.002 Euro) für den Steuerpflichtigen.

In der Praxis wird der Vorteil für den Steuerpflichtigen in der Regel deutlich geringer ausfallen, da die Gewinne aus Land- und Forstwirtschaft in den einzelnen Jahren nicht so extrem schwanken. Auch für Betriebe mit einem vom Kalenderjahr abweichenden Wirtschaftsjahr (1. Juli bis 30. Juni) wird die Wirkung geringer sein, da in diesen Fällen für die Berechnung der Einkommensteuer für einen Veranlagungszeitraum (= Kalenderjahr) zwei Wirtschaftsjahre anteilig herangezogen und damit Schwankungen zwischen zwei Jahren bereits ausgeglichen werden. Wenn die Möglichkeit der Verlustverrechnung zwischen den Jahren genutzt wird, darf die Tarifglättung nach § 32c Einkommensteuergesetz nicht angewendet werden.

Gesetz bringt finanzielle Vorteile für Gartenbau-Betriebe

Im Ergebnis ist damit zu rechnen, dass dieses neue Gesetz finanzielle Vorteile für die Betriebe bringt, die aber bei weitem nicht ausreichend sind, um die Folgen des Klimawandels auch noch annähernd ausgleichen zu können. Der Klimawandel ist mit dem Jahr 2022, wenn dieses Gesetz seine Gültigkeit verliert, sicherlich nicht zu Ende. Es bleibt zu hoffen, dass der Gesetzgeber den Gartenbau und die Landwirtschaft weiterhin unterstützt, um die Existenz der Betriebe zu sichern. Eine Risikoausgleichsrücklage, die auch vom Zentralverband Gartenbau gefordert wird, wäre eine echte Hilfe, um die Betriebe in die Lage zu versetzen, Krisen finanziell aus eigener Kraft besser bewältigen zu können.

Über den Autor

Jürgen Forster ist Geschäftsführer der Gartenbau-Unternehmens-Beratungsgesellschaft mbH (GUB) in Frankfurt am Main, die seit 1999 Gartenbau-Betriebe aller Sparten und in allen Regionen Deutschlands betreut.

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