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TASPO extra Weihnachtsbaum: Anhörung zum neuen Gesetzesentwurf

Die rot-grüne Landesregierung Nordrhein-Westfalen hält fest an ihrem Plan, den Anbau von Weihnachtsbäumen innerhalb des Waldes zu reglementieren. In den Reihen der Waldbauern im Sauerland und der dortigen Weihnachtsbaumanbauer regt sich dennoch heftiger Protest gegen die vom grünen Landes-Umweltminister Johannes Remmel geplante Gesetzesänderung.

Am 6. Mai fand dazu im Landtag eine Anhörung statt, zu der eine Expertenrunde der Nutzer und Schützer sowie auch Vertreter unabhängiger Einrichtungen wie Prof. Dr. Matthias Dieter vom Thünen Institut in Hamburg eingeladen waren.

Es geht speziell um 4.080 Hektar Nordmanntannen-Anbauflächen (Stand 1. Januar 2012) innerhalb des Waldes. Auf diese Größe hatte sich die ursprünglich 2.000 Hektar umfassende Waldanbaufläche nach dem Sturm Kyrill 2007 ausgeweitet, was von Kritikern als „unkontrollierter Wildwuchs“ bezeichnet wird.

Diese Fläche entspricht 0,5 Prozent der Waldflächen in ganz NRW. Zu viel, findet das Umweltministerium, will aber nach einer Überarbeitung des Gesetzentwurfes einen Bestandsschutz bis 2028 geben sowie Kulturen unter Strommasten und Flächen unter zwei Hektar weiterhin genehmigungsfrei zulassen. Über größere Kulturflächen auf Waldböden soll nach 2028 die Forstbehörde entscheiden.

Zu kurz sei diese Zeitspanne bis 2028, monieren die Waldbauern, die es gewohnt sind, in ganz anderen Zeiträumen zu denken. Die getätigten Investitionen seien immer auf mehrere Generationen Bewirtschaftung ausgerichtet. Ein Wegfall der Anbauflächen bedrohe die Existenz etlicher Betriebe im Sauerland. Beim Anbau von Weihnachtsbäumen auf Ackerflächen gebe es beispielsweise die Konkurrenz zu den Energiemais-Erzeugern, die höhere Pachtpreise zahlen können als Weihnachtsbaumanbauer.

Wenn nach 2028 die Anbauflächen erheblich reduziert werden sollten, drohten auch Lieferengpässe, argumentierten die Waldbauern. Immerhin sei das Sauerland das wichtigste deutsche Anbaugebiet. Jeder dritte deutschlandweit verkaufte Baum kommt aus NRW.

Umweltverbände und Bürgerinitiativen kritisieren seit geraumer Zeit die Belastung der Kulturflächen mit Dünge- und Pflanzenschutzmitteln und die Kulturausweitung bis an die Wohnbebauung, wie mehrfach in der TASPO berichtet. Sie begrüßen dementsprechend die geplante Regelung.

Die betroffenen Weihnachtsbaumanbauer hingegen argumentieren mit Gutachten, die belegen, dass die Umweltbelastungen durch die Kulturführung keineswegs so hoch seien wie angenommen, sondern im Gegenteil bestimmten Tieren gute Lebensräume bieten. Die Fachgruppe der Weihnachtsbaumproduzenten setzt auf eine neu ausgearbeitete Selbstverpflichtung mit zwölf Punkten, die die Betriebe einhalten werden, wenn der Bestandsschutz über das Jahr 2028 hinaus gewährt werde.

Diese Selbstverpflichtung habe einen zusätzlichen Vorteil: Sie beziehe sich nicht nur auf alle Flächen im Wald, sondern auf alle Weihnachtsbaumplantagen auch außerhalb des Waldes. Zum Zeitpunkt der Anhörung hatten bereits 160, bis kurz vor Redaktionsschluss der TASPO sogar 185 Anbauer unterschrieben.

Diese stehen für 9.500 Hektar von insgesamt 12.500 Hektar im Sauerland (inklusive der 4.080 Hektar Anbaufläche im Wald). Um auch die letzten, vor allem einen größeren Anbauer von der Dringlichkeit dieser Selbstverpflichtung zu überzeugen, bedarf es nun noch interner Arbeit.

Anfang bis Mitte Juni, so ist es zumindest geplant, soll ein Protokoll der Sitzung auch im Internet veröffentlicht werden. Der Umweltausschuss der Landesregierung werde dann eine Stellungnahme erarbeiten, woraufhin die Landesregierung intern über den Gesetzesentwurf entscheiden wird. (jen)