TASPO-Gründer Bernhard Thalacker: ein Leben für die Gärtner

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Ein Leben für die Gärtner und die Familie: Bernhard Thalacker, Gründer der TASPO. Foto: privat

In Ermangelung von Originalunterlagen aus der Anfangszeit der TASPO ist es schwer, sich ein Bild von ihrem Gründer Bernhard Thalacker zu machen. Deshalb möchten wir Ihnen einen der wenigen O-Töne, den wir vorliegen haben, nicht vorenthalten.

Thalackers Enkelin, Frau Dr. med. Hanna Zimmermann, hatte zum 100. Geburtstag der TASPO im Jahr 1967 ein sehr persönliches Porträt ihres Großvaters geschrieben. Aber lesen Sie selbst:

Beamtensohn Bernhard Thalacker wählt gärtnerische Laufbahn

„Bernhard Thalacker wurde 1827 in Erfurt als Sohn eines höheren Beamten geboren. Aus Liebe zur Natur wurde er Gärtner und ging mehrere Jahre zu seiner Ausbildung ins Ausland. Besonders lange war er in Ungarn. Vor den Toren der Stadt Erfurt, wo er mehrere Äcker besaß, legte er sich eine Rosenzucht zu und spezialisierte sich darauf.

Bereits 1866 gründete Bernhard Thalacker in Erfurt seinen gärtnerischen Verlag. Sein Leitgedanke war, den kleineren Gärtnereien auf allen Gebieten des Gartenbaues den Absatz und Umsatz zu erleichtern. Gerade diese kleinen Gärtnereien hatten vor hundert Jahren einen schweren wirtschaftlichen Stand und ihre mühsame Arbeit brachte wenig Gewinn.

Auflage von Thalackers gärtnerischem Fachblatt steigt schnell

So schickte Bernhard Thalacker sein gärtnerisches Fachblatt an alle Gärtnereien und Geschäfte umsonst, bezahlt wurden nur die Anzeigen. Er hielt schon damals den Satz „Nachfrage regelt Preis und Umsatz“ für richtig. Die Zeitung wurde überall begrüßt, und die Auflage ging schnell in die Höhe.

Damals gab es noch keine Massenauslieferungen bei der Post. Es wurden wöchentlich am Tage des Erscheinens die Zeitungen durch sein gesamtes Personal und die Familienangehörigen in die Postkästen gesteckt, weswegen sie von den abholenden Postbeamten als „die gelbe Pest“ bezeichnet wurden. Das Blatt wurde nämlich auf gelblichem Papier gedruckt, wie es wohl manchem älteren TASPO-Leser auch noch in Erinnerung sein wird.

Thalacker verlegt seinen Betrieb von Erfurt nach Leipzig

Anfang der siebziger Jahre entschloss sich Bernhard Thalacker, seinen Betrieb nach Leipzig zu verlegen. Bubenhände hatten ihm in einer Nacht auf seinen Äckern vor der Stadt Erfurt dreihundert Hochstämme aus seinen Rosenquartieren umgebrochen, worunter sich wertvolle Züchtungen befanden. Darüber war er so unglücklich, dass er in dieser Stadt nicht mehr leben wollte und trotz seiner großen Familie – er hatte schon vier Kinder – seinen Entschluss schnell durchführte.

In der Blumenstraße zu Leipzig-Gohlis fand Bernhard Thalacker eine Villa mit großem Gelände, wo er seinen Verlag mit unterbringen und seine Rosenzucht wieder aufbauen konnte, bis sein Sohn, Otto Thalacker, im Jahre 1888 nach seinem Tode sein Nachfolger wurde. Otto Thalacker verkaufte dann die Zeitschrift um die Jahrhundertwende.

Thalackers Zeitschrift für Gärtner in Deutschland führend

In Leipzig war Bernhard Thalacker durch seine Arbeit bald sehr angesehen: Seine Zeitschrift war in Deutschland führend und ihre Auflagen wurden immer größer. Anfangs wohnten seine weiblichen Büroangestellten zum Teil mit in seinem großen Haus und wurden auch mit verpflegt, denn es war damals schwierig, in einem Vorort von Leipzig ein Zimmer zu finden.

In seiner Großzügigkeit und Güte sorgte er auch sonntags für Abwechslung in seiner „großen Familie“. Man sprach scherzhafterweise von der „Pension Thalacker“. So fuhr er mit allen seinen Angestellten und Angehörigen in die Natur hinaus, teils mit der Bahn, teils mit einem Kremser (Gesellschaftspferdewagen). Verpflegung wurde mitgenommen, alle sollten den Sonntag draußen feiern.

Am Sonntagmorgen, wenn sich die Familie am Kaffeetisch versammelt hatte, hielt Bernhard Thalacker eine kleine Andacht, um den Sonntag feierlich zu beginnen. Er war auch ein großer Tierfreund und hatte meistens einen oder zwei Hunde. Wohl keiner, der ihm eine Bitte vortrug, ging ohne Hilfe von seiner Tür.

Familie Thalacker beschenkt bedürftige Familien zu Weihnachten

Vor Weihnachten schrieb er an die Pfarrer in den Notstandsgebieten des Thüringer Waldes und des Erzgebirges und bat um Vorschläge für Weihnachtsgaben an Kranke und Bedürftige, die er dann kistenweise hinschickte. Bevor am Heiligen Abend die Bescherung in seiner großen Familie stattfand, mussten seine vier Söhne und zwei Töchter in der Gemeinde Leipzig-Gohlis die vom Pfarrer vorgeschlagenen Familien beschenken.

Die Berufsausbildung war das Wichtigste, was Bernhard Thalacker seinen Kindern für ihr Fortkommen mit auf den Lebensweg geben konnte. Dabei war es selbstverständlich, dass seine Töchter auch einen Beruf erlernten, um in Notlagen der Familie irgendwie einspringen zu können.

Meine Mutter erlernte das Blumenbinden in der Schlossgärtnerei zu Dresden, während sie gleichzeitig dort die Tanzstunde besuchen durfte. Sie heiratete frühzeitig. Zeitweise waren vier Kinder auswärts zur Berufsausbildung. Der älteste Sohn studierte in Berlin-Charlottenburg Maschinenbau und baute später das Werk Siemens-Schuckert in Nürnberg als Direktor auf.

Liebe zum Gärtnerischen in ganzer Familie Thalacker lebendig

Zwei Söhne wurden Gärtner und studierten auf der Gartenbauschule in Stuttgart. Der jüngste Sohn Bernhard Thalacker jun. wurde Buchdrucker und gründete den Verlag Thalacker & Schöffen. Er hat dort viele Jahre die TASPO gedruckt und spezialisierte sich auf gärtnerische Kataloge.

Sein zweitältester Sohn, Gärtner Otto Thalacker, gründete vor dem ersten Weltkrieg eine eigene große Gärtnerei in Wahren bei Leipzig unter der Firma Otto Thalacker, in seinem Verlag führte er gärtnerische Schriften. Sein Sohn Paul Thalacker und dessen Tochter führen heute noch diese Gärtnerei in Leipzig.

In der ganzen Familie ist die Liebe zum Gärtnerischen lebendig geblieben und damit auch das Gedankengut des Gründers der TASPO, Bernhard Thalacker.“

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