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Topfstauden sind neue Frühjahrsprodukte

Dr. Dirk Ludolph, Versuchsleiter der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Hannover Ahlem eröffnete am 7. März das von der LVG Hannover-Ahlem und dem Gartenbauberatungsring Hannover veranstaltete Seminar Frühlingserwachen. Primula und Viola bilden immer noch das Fundament bei den Frühjahrsblühern, aber neue Produkte wie Erysimum, Aquilegia und viele andere erweitern den Gestaltungsspielraum von Produktion und Handel. Beate ter Hell von der LVG Hannover Ahlem stellte konkrete Kulturverfahren für verschiedene neue Frühjahrsblüher vor. Sie sensibilisierte in der Einleitung ihres Vortrags die Seminarteilnehmer, für die Notwendigkeit sich mit alternativen Frühjahrsblühern zu befassen. Da die Preise für Primeln und Violen zum Teil nicht befriedigend sind, sei es sinnvoll, einen Teil der Fläche mit Alternativprodukten zu belegen.

Die Topfstauden sind neue Frühjahrsprodukte und können laut ter Hell Kaufimpulse schaffen. Sie wählte einige Neuheiten aus dem in Ahlem getesteten Sortiment aus, um diese genauer vorzustellen.

® Lithodora diffusa hat mit sieben bis acht Monaten eine verhältnismäßig lange Kulturzeit, daher sollte spätestens Ende August getopft werden, um in Kalenderwoche (KW) 12 blühende Ware zu haben. Der kriechende, immergrüne Strauch blüht nur nach einer Kühlphase zufriedenstellend. pH Werte über 5,5 führen bei Lithodora zu starken Eisenmangelchlorosen und unbefriedigendem Wachstum.

® Für Bergenia 'Harzkristall' empfiehlt ter Hell einen Topftermin im Juli. Bei Treibtemperaturen von zehn Grad Celsius ab KW 2 blüht die Pflanze ohne weitere Verfrühungsmaßnahmen Ende Februar. Bergenien gelten als kühlebedürftig. Sie zeigten nach einer Kühlphase im ungeheizten Folienhaus, verglichen mit der frostfreien Kultur unter Glas, eine deutlich frühere und gleichmäßigere Blüte, was wahrscheinlich auf ein abgesättigtes Kühlebedürfnis zurück zu führen ist. Das Laub zeigte trotz Temperaturen um minus neun grad Celsius weder Schäden noch eine starke Rotfärbung.

® Androsacae 'Star Dust' stellte sich als unkompliziert in der Kultur heraus. Die in Kalenderwoche 36 getopften Jungpflanzen benötigen nach dem Antreibtermin etwa sechs Wochen bis zur Verkaufsreife. Bei dauerhaft kühlen Temperaturen neigt 'Star Dust' zu Rotfärbungen und zum Einrollen der Blätter, was beim Antreiben wieder verschwindet.

® Für Euphorbia 'Thalia' schlägt ter Hell eine durchgängige Kultur im Gewächshaus vor, da die Pflanze bei dauerhaft kühlen Temperaturen neben Rotfärbungen zu Blattschäden neigt. Zu späte Topftermine (nach Kalenderwoche 31) können zu Problemen bei der Induktion führen.

® Von Doronicum orientale stellte Beate ter Hell mit 'Leonardo Compact' und 'Little Leo' zwei Sorten vor. Doronicum benötigt eine moderate Kühlphase, damit sich die Blütenstiele strecken und die Pflanzen nicht unter dem Laub blühen. Bei einem Treibtermin ab KW 4 blühte 'Leonardo Compact' ab Ende Februar und war damit etwa drei Wochen früher in Blüte als 'Little Leo'. Ter Hell merkte jedoch an, dass die Kultur durch das Vergilben des alten Laubes einen relativ hohen Putzaufwand hat.

® Abschließend stellte die Referentin einige Sorten Erysimum vor, die in der Kultur verhältnismäßig problemlos sind. Sortenabhängig blühen die Pflanzen bei Treibtermin ab KW 1 dann in KW 7 bis 10. Mit Versuchsergebnissen belegte ter Hell, dass bestimmte Sorten wie zum Beispiel 'Zwerg' zwingend eine kühle Periode benötigen, um zu blühen. Andere blühen auch ohne eine Kühlphase, dann allerdings deutlich verzögert.

Ter Hell riet dazu, die Kulturen durch gezielte Treibtermine ab Mitte März, nach Ende der Starkfrostperiode zu vermarkten.

Abschließend gab sie den Tipp, die Jungpflanzen zeitig bis Mitte/Ende März zu bestellen, da einige Artikel sonst bereits ausverkauft sein könnten. Weitere Details der Veranstaltung lesen Sie in der TASPO 13/07