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Torf: erste RPP-zertifizierte Substrate

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Einen wichtigen Schritt meldet Responsibly Produced Peat (RPP): Vier Substrat-Unternehmen stellen erstmals RPP-zertifizierte Kultursubstrate her und wollen sie in Kürze auf den Markt bringen.

Die Substratbranche kämpft in Deutschland um Torfabbauflächen und möchte mit RPP nun auch den Verbraucher von einem umweltgerechten Abbau überzeugen. Foto: Pixabay

Compo und Euflor aus Deutschland dabei

Es sind die Unternehmen Lentse & Slingerland Potgrond aus den Niederlanden, Greenyard Horticulture aus Belgien sowie Compo und Euflor aus Deutschland, die diesen Weg gehen. Alle vier erfüllen alle Standards, RPP-zertifizierte Torf- und Kultursubstrate zu verkaufen und das RPP-Label auf der Verpackung dieser Produkte verwenden zu dürfen. Damit lassen diese Firmen erstmals nicht nur Abbauflächen, sondern auch Produkte RPP-zertifizieren.

Warum dieser Schritt, fragte die TASPO Alexander Workert, Geschäftsleitung Euflor/Stender AG (Schermbeck). Das Unternehmen gibt bereits seit Längerem Torfabbauflächen nach Abbauende in die Renaturierung und begleitet diese weiter.

Endverbraucher über Torfgewinnung aufklären

„Mit dem Schritt über RPP für Produkte möchten wir die Aufklärung um das Thema Torfgewinnung an den Endverbraucher steuern. Er kann sich somit ein eigenes Bild über unser positives Tun machen und sich etwas aus der politischen, in Teilen einseitigen, Diskussion lösen“, so Workert.

Die Herausforderung werde vor allem darin bestehen, über den Handel und die direkte Ansprache des Endkunden das Wissen zu verbreiten. In der Kommunikation stimme sich Euflor sehr eng mit RPP und anderen Verbänden ab. Hier werden möglichst alle Kanäle genutzt: Die Verpackungen der Produkte wurden angepasst, Kommunikation im Web ist geplant, ebenso auf Veranstaltungen wie Messen. „Es wird dauern, den Kunden davon zu überzeugen, dass wir Gutes tun und nun auch darüber reden“, sagt Workert.

Flächenverfügbarkeit als limitierender Faktor

Um den für die Produktzertifizierung nun erforderlichen Dokumentationspflichten und strengen Auflagen nachzukommen, hat Stender die Produktionsabläufe von der Torfgewinnung bis zur Abfüllung aufgearbeitet. „Es ist unter anderem der Nachweis zu führen, dass keine Vermischung von zertifiziertem Material mit nicht zertifizierten Rohstoffen erfolgen kann“, erläutert Workert eine große Schwierigkeit.

Limitierender Faktor ist seiner Erklärung nach die Flächenverfügbarkeit. Aktuell seien rund 150 Hektar unternehmenseigene Flächen RPP-zertifiziert, alle weiteren angestrebten Abbaugenehmigungen sollen ebenfalls in die RPP-Zertifizierung kommen. „Wir sind im ständigen Dialog mit der Landespolitik und den Genehmigungsbehörden. Nur mit entsprechender Unterstützung von den Gremien können wir eine weitere Entwicklung gestalten. Hier stehen wir oft in direkter Flächenkonkurrenz zur Landwirtschaft“, erläutert Workert.

Einschränkung in der Produktion

Zudem setze auch die Einschränkung in der Produktion Grenzen: „Aktuell liefern wir aus dem Werk Aschhorn. In unserem Profiwerk Papenburg können wir diesen Prozess noch nicht vollständig abbilden – aber wir arbeiten daran.“

Nicht alle Flächen eigneten sich für die RPP-Zertifizierung unter den strengen Auflagen, weiß er. „Das Prozedere ist obendrein investiv und ein Return nicht garantiert. Hier müssen alle Marktteilnehmer ihre Motivation hinterfragen, in dieses nachhaltige Thema einzuzahlen.“

Was darf Natur kosten?

Schlägt sich ein solches Engagement auch im Preis nieder? Um wieviel höher der Preis von RPP-Erden gegenüber den Erden aus nicht zertifizierten Gebieten sein wird, vermag der Geschäftsführer nicht zu beantworten: Man werde die RPP-zertifizierten Produkte mit Bedacht wählen, vorrangig aus dem Bereich der Top-Produkte.

„Eine Diskussion um den Preis ist daher aktuell nicht zu führen. Was darf Natur kosten? Können wir nicht beantworten – sie ist in jedem Fall erhaltenswert. Und das ist das Ziel.“ Gestartet ist das Unternehmen mit den Premiumerden von Euflor für den Konsumentenbereich, Stender-Substrate für den Erwerbsgartenbau sollen folgen.

RPP wird weiter wachsen

Laut Aussagen der Stiftung RPP sind mittlerweile 11.641 Hektar in insgesamt sieben Ländern RPP-zertifiziert. RPP-Geschäftsführerin Maureen Kuenen erwartet im nächsten Jahr mindestens 50 weitere Zertifizierungen, allerdings nicht in der Bundesrepublik, „da in Deutschland geplant ist, die Torfproduktion auslaufen zu lassen“, begründet sie.

Die Handelssubstrat-Zertifizierung, genannt RPP Chain of Custody, hat laut Kuenen dagegen gerade erst begonnen. Im Moment gebe es zwei weitere Unternehmen, die diese Zertifizierung anstreben, ein anderes hat sich gerade beworben.

„RPP öffnet Tür für weitere Torfnutzung“

Der Industrieverband Garten (IVG) misst dem Thema RPP auch in der Argumentation für Torf eine große Bedeutung bei. Als Basis für einen möglichen Ausstieg aus dem Torfabbau führe die Politik in erster Linie die CO2-Emissionen aus dem Torf an.

Aber durch die Wiedervernässung und die damit verbundene Umwandlung von vormals landwirtschaftlich genutzten Flächen in Moorschutzflächen komme es auf lange Sicht sogar zu einer CO2-Reduktion, erläutert Dr. Arne Hückstädt, IVG-Referent Gartenbau und Umwelt. „Dies könnten ausschlaggebende Argumente in der Diskussion für die weitere Nutzung von Torf sein, sofern es sich um RPP-zertifizierte Produkte handelt.“

Die Ausweitung von RPP auf den Endverbraucher ermögliche es nun auch Unternehmen ohne eigenen Abbau, das Logo unter bestimmten Voraussetzungen zu verwenden. Dies werde wahrscheinlich auf lange Sicht die Nachfrage beim Verbraucher steigern und weitere Hersteller dazu bewegen, Produkte mit RPP-zertifiziertem Torf anzubieten, hofft Hückstädt.