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Torffreie und torfreduzierte Baumschul-Substrate im Test

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Wie reagieren unterschiedliche Kulturen auf den Einsatz von Substraten, die deutlich torfreduziert oder torffrei sind? Genau das wird an der LVG Bad Zwischenahn erforscht. Seit 2014 laufen mit Förderung des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums entsprechende Versuche, ein Teil davon im Rahmen des Projekts „TeiGa“ (Torfersatzstoffe im Gartenbau), das Ende Februar zu Ende geht.

In einigen stark torfreduzierten oder torffreien Substraten traten unerwartete Probleme durch Stickstoffimmobilisierung auf, wie hier bei Spiraea in der zweiten Reihe von links. Foto: Heinrich Beltz

Wenig Probleme mit Standardsubstraten aus Torf

Mit den bisher üblichen Substraten, die ganz oder zumindest überwiegend aus Torf bestehen, gibt es wenig Probleme: Der pH-Wert wird durch Kalkung je nach Bedarf eingestellt, meist auf verhältnismäßig niedrige Werte zwischen 4,0 und 5,5. Durch die Kalkung wird auch der Pflanzenbedarf an Kalzium und Magnesium gedeckt.

Dünger versorgen die Pflanzen bedarfsgerecht mit Stickstoff, Phosphor, Kalium und Spurenelementen. Durch den nährstoffarmen Substratausgangsstoff Torf und bedarfsgerechte Düngung ist die Gefahr von Überversorgung und von Salzschäden gering.

Da sowohl Torf als auch Dünger kaum Chlorid und Natrium enthalten, sind auch die Risiken von Schäden durch diese beiden Stoffe gering. Die Baumschulen können also mit den bewährten, torfbasierten Substraten gut und relativ sicher kultivieren.

Versuchsreihe zum Torfersatz an LVG Bad Zwischenahn

2014 wurde in der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Bad Zwischenahn mit einer Versuchsreihe begonnen, in der stark torfreduzierte (maximal 50 Prozent Torfanteil) und torffreie Substrate getestet wurden. Kultiviert wurde in der Regel in Töpfen und Containern mit 0,5 bis fünf Litern Inhalt.

Über die Jahre wurde ein breites Spektrum unterschiedlichster Gehölze eingesetzt, und um mögliche Probleme und deren Lösungen zu suchen, waren auch sehr empfindliche dabei. So wurden etwa kalkempfindliche wie Calluna, Gaultheria und Rhododendron einbezogen, aber auch salzempfindliche wie Acer palmatum, Hypericum oder Thuja und Pflanzen, die empfindlich auf Staunässe reagieren, wie Skimmia und Taxus.

Testsubstrate mit einigen Vorteilen

In den Versuchen wurden einige Vorteile deutlich, die stark torfreduzierte oder torffreie Substrate bieten können, aber nicht müssen. Häufig besaßen sie eine sehr lockere Struktur mit hohem Luftporenvolumen, das sich günstig auf die Wurzelbildung etwa bei Taxus auswirkte.

Viele Testsubstrate waren sehr gut benetzbar, sodass sie das Gießwasser leichter annahmen als ein reines Torfsubstrat. In manchen der Testsubstrate keimten weniger Unkräuter und breiteten sich Moose schwächer aus als im reinen Torfsubstrat.

In einem Versuch brachte eine hohe Spurenelementversorgung durch ein torffreies Substrat Vorteile für Ligustrum. Außerdem schien eine Reduzierung der Phosphat- und Kaliumdüngung in Substraten möglich, die hohe Gehalte der genannten Nährstoffe, zum Beispiel durch Kompostanteile, besitzen.

Manche Testsubstrate schnitten besser, andere viel schlechter ab

In vielen der Versuche wurden mit stark torfreduzierten und selbst mit torffreien Substraten Kulturergebnisse erzielt, die genauso gut waren wie im Vergleichssubstrat aus reinem Torf, oder sogar noch etwas besser. Allerdings waren auch viele Varianten dabei, in denen die Pflanzenqualität deutlich schlechter war als im reinen Torfsubstrat.

Für die Praxis ist wichtig, den Anteil solcher Minderqualitäten sehr gering zu halten, denn schon ein kleiner Anteil unverkäuflicher Pflanzen kann für die Baumschule den finanziellen Ruin bedeuten.

Ein relativ häufig auftretendes Problem war Stickstoffmangel der Pflanzen. Vor allem Holzchips und Holzfasern (aber auch andere Substratausgangsstoffe) werden bekanntlich im Substrat schnell von Mikroorganismen besiedelt, die Stickstoff aus der Düngung immobilisieren können. Dieses Problem trat in den Versuchen unerwartet häufig auf, auch trotz einer vom Substrathersteller vorsorglich eingemischte Ausgleichsdüngung.

Höhere Auswaschung als im reinen Torfsubstrat

Außerdem zeigte sich, dass in manchem Testsubstrat erhebliche Mengen an Nährstoffen ausgewaschen wurden. Bei phosphat- und kaliumreichen Substraten war deren Auswaschung wesentlich höher als im reinen Torfsubstrat. In einigen Versuchen traten Salzschäden durch die in den Substraten vorhandenen Nährstoffe oder durch Natrium und Chlorid auf.

Kalkempfindliche Pflanzen reagierten häufig negativ auf pH-Werte, die entweder von Anfang an zu hoch oder aber zunächst in Ordnung waren, und später unerwartet stark anstiegen.

Shelflife-Tests: keine schlechtere Haltbarkeit als in Torfsubstraten

Die geringere Wasserhaltekraft vieler torffreier Substrate bereitete weniger Probleme als erwartet. In mehreren Versuchen zeigten die Pflanzen auch bei Shelflife-Tests, die die Situation später im Gartencenter nachahmen, keine schlechtere Haltbarkeit als die in Torfsubstraten.

Sackung und Verpilzung der Substrate im Topf waren ebenfalls nicht so schlimm wie erwartet und bereiteten im Versuch keine nennenswerten Probleme.

Mehr zu den Versuchen und Ergebnissen der LVG Bad Zwischenahn mit torfreduzierten und torffreien Baumschul-Substraten lesen Sie in der TASPO 51/2018 sowie der Ausgabe Januar 2019 der Deutschen Baumschule.