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Torfminderung: Runder Tisch bei Klasmann-Deilmann

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Zu einem Runden Tisch zur Torfminderung luden Klasmann-Deilmann und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Vertreter von Verbänden, Politik und Industrie ein. Bei der Online-Konferenz wurden die verschiedenen Standpunkte vorgestellt und die aktuelle Sachlage teils kontrovers diskutiert.

In einer Online-Konferenz tauschten sich die Beteiligten zum Thema Torfminderung aus. Foto: bernswaelz/ Pixabay

Online-Konferenz zur Torfminderungsstrategie

Mehr alternative Ausgangsstoffe und weniger Torf, das fordert die Torfminderungsstrategie des BMEL und die darauf aufbauende Selbstverpflichtung der deutschen Substrathersteller. Die Zielvorstellungen beider Seiten zur Reduktion der Torfanteile in Substraten gehe dabei aber nach wie vor auseinander und war Thema der Online-Konferenz, dessen Gastgeber Klasmann-Deilmann und das BMEL waren. Dabei kamen Fachleute von Klasmann-Deilmann, dem BMEL, dem Zentralverband Gartenbau (ZVG) und dem Industrieverband Garten (IVG) sowie dem Branchenverband Growing Media Europe (GME), dem Thünen-Institut und der Politik zu Wort.

„Substrate legen weltweit die sichere Grundlage für eine gesunde Ernährung"

Gastgeber Moritz Böcking, Geschäftsführer der Klasmann-Deilmann-Gruppe erinnerte daran, dass die Substratbranche in langfristigen Rohstoff- und Produkt-Zyklen arbeitet und in einem geschlossenen Wertschöpfungskreis wirtschaftet. Zudem sei man weitgehend unabhängig von außereuropäischen Importen ist und sei somit ein zuverlässiger Partner in allen Gartenbausegmenten. „Unsere Substrate legen weltweit die sichere Grundlage für eine gesunde Ernährung. Unsere Branche ist einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren der europäischen Farm-to-Fork-Strategie“, so Böcking. Dr. Thomas Schmidt, Ministerialrat des BMEL zählte die Substratbranche zur „kritischen Infrastruktur“ in Europa. Betonte aber ebenso, dass sie wie jeder Wirtschaftszweig den Bestrebungen der EU und der Bundesrepublik Deutschland, Emissionen zu senken unterliege. Hier seien vor allem die Torfgewinnung und -nutzung betroffen.

Kontroverse Diskussionen zu Emissionen und alternativen Ausgangsstoffen

Anschließend wurden Fachbeiträge vorgetragen, in denen die Entwicklungen im Natur- und Klimaschutz, der zunehmende Einsatz von alternativen Ausgangsstoffen und die Akzeptanz torfreduzierter Substrate im Produktionsgartenbau aufgezeigt wurden. Nicht einig war man sich bei den Emissionen aus der Torfgewinnung und -nutzung. Unterschiedliche Berechnungsansätze und Quellen lägen hierbei zu weit auseinander. Auch beim Thema alternative Ausgangsstoffe wie Holzrohstoffe und Grünkompost gingen die Meinungen auseinander, besonders deren Verfügbarkeit in ausreichender Menge und Qualität. „Die politische Debatte scheint zu ignorieren, dass Kultursubstrate - torfbasiert oder nicht – aktiv zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen, indem sie den Einsatz von Ressourcen wie Wasser, Dünger und chemischem Pflanzenschutz im Gartenbau verringern, großflächige Aufforstung ermöglichen und unsere Städte und Lebensräume grüner machen“, betonte Cecilia Luetgebrune, Geschäftsführerin der GME in Brüssel. Ihr zufolge spielen Kultursubstrate eine Schlüsselrolle bei der europaweiten Transformation zu einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion.

ZVG fordert Gesamteuropäischen Ansatz

Von Seiten des ZVG wurde im Laufe der Diskussion ein gesamteuropäischer Ansatz gefordert, da man bei nationalen Alleingängen Wettbewerbsverzerrungen befürchte. „Der deutsche Produktionsgartenbau unterliegt einem scharfen europäischen und internationalen Wettbewerb. Gemüse, Obst, Speisepilze sowie Zier- und Baumschulpflanzen zählen zu den besonders preissensitiven Produkten, die dem Diktat des Handels unter­liegen. Erhöhte Herstellungskosten durch teure torfreduzierte Substrate gehen zu Lasten der Gartenbau­betriebe. Wichtig ist es, stufenweise und unter Beachtung der Marktbedingungen Torfanteile zu mindern“, so Dr. Hans Joachim Brinkjans, stellvertretender Generalsekretär des ZVG.

Torfminderung echte Herausforderung für alle Beteiligten

Als Fazit der Veranstaltung konnte schließlich festgehalten werden, dass Torfminderung eine echte Herausforderung für alle Beteiligten sei. „Die Substratindustrie muss heute beginnen, die Rohstoffbasis für ihren Absatz in zehn Jahren aufzubauen. Wir sollten diese Chance für den Klimaschutz nicht verpassen“, so Schmidt. „Substratbranche und Politik stehen gleichermaßen in der Pflicht. Statt einer Torfminderungsstrategie brauchen wir einen verbindlichen Maßnahmenkatalog, um den Zugriff der Substratindustrie auf alternative Rohstoffe zu sichern und die Versorgung der Gartenbaubetriebe mit zuverlässigen Produkten zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang muss die Nutzung von einheimischem und importiertem Torf auf dem jeweils notwendigen Niveau erhalten bleiben, um Funktionalität und Qualität der Kultursubstrate zu sichern“, erklärte Böcking. Alle Beteiligten waren sich trotz unterschiedlicher Ansichten einig, dass es einer gemeinsamen Anstrengung bedarf, um die Versorgung mit Kultursubstraten langfristig zu sichern. Um an diesen Themen weiter zu arbeiten soll es im kommenden Jahr eine Folgeveranstaltung geben.

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