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Trauben-Eiche zum Baum des Jahres 2014 gewählt

Die Trauben-Eiche (Quercus petraea) wurde heute in Berlin von Dr. Silvius Wodarz, Präsident der Stiftung Baum des Jahres, zum Baum des Jahres 2014 ausgerufen. Damit wurde nicht nur eine für die Forstwirtschaft sehr attraktive Baumart gewält – die Trauben-Eiche ist auch für die Stadt und freie Landschaft bestens geeignet. 

Die Trauben-Eiche ist Baum des Jahres 2014. Foto: BdJ/A. Roloff

Miriam Symalla, die neue Deutsche Baumkönigin 2014, stellte die Trauben-Eiche bei der Feier im Berliner Zoo offiziell vor. Die Schirmherrschaft der Feierlichkeiten hat Carsten Wilke, Präsident des Deutschen Forstvereins, übernommen.

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Trauben-Eiche erstreckt sich über fast ganz Europa außer Spanien, Nordskandinavien und Nordosteuropa. Es reicht nicht so weit nach Osteuropa wie das der Stiel-Eiche. Die Standorte der Trauben-Eiche sind tendenziell trockener und nährstoffärmer als die der Stiel-Eiche. Die vorhergesagte Klimaveränderung macht der Trauben-Eiche wenig aus.

Bei der Nutzung steht das Holz im Vordergrund. Im Kern sind fäulnishemmende Stoffe eingelagert, die das harte Holz sehr dauerhaft machen. Daher war es früher beispielsweise für Schiffsbau und Fachwerkhäuser begehrt. Eichenholz wird zudem für Kübel und Fässer (Whiskey, Sherry, Wein) genutzt, in Fachwerkhäusern, als Möbelholz („Eiche rustikal“) sowie für Vertäfelungen, Türen, Fenster, Treppen und Fußböden. Der Spitzenpreis kann bei Furnierstämmen bis über 3.000 Euro pro Quadratmeter erreichen.

Trauben-Eichen haben sich auch als Stadtbäume bewährt, da sie immissions- und salztolerant sind. Als Solitär und in städtischen Alleen können sie ihre Wirkung besonders gut entfalten. Von der Verwendung von Eichen als Straßenbäume außerhalb der Stadt ist Vorsicht geboten, da im Herbst mit den Eicheln das Wild an die Straße gelockt wird und dies zu Wildunfällen führen kann.

Eine Besonderheit der Trauben-Eiche ist ihre hohe Lebenserwartung: Sie kann über 1.000 Jahre alt werden. Im Gegensatz zur Stiel-Eiche, die 1989 zum ersten „Baum des Jahres“ ausgerufen wurde, sind bei der Trauben-Eiche die Früchte fast ungestielt, eben „traubig“. Weitere Unterschiede zeigen die Blätter, Ausbuchtung und Stiellänge sind anders.

In der Wuchsform unterscheiden sich alte Stiel- und Trauben-Eichen jedoch kaum. Beide beeindrucken im Alter durch eine mächtige breite Krone mit knickigen dicken Ästen. Die Trauben-Eiche neigt eher zum geraden Stamm, weshalb ihr Holz oft höhere Preise erzielt (Furnier-Eiche). In der Wissenschaft wird inzwischen sogar darüber diskutiert, ob Stiel- und Trauben-Eiche überhaupt verschiedene Arten sind.

Erst im Alter von 20 bis 40 Jahren erscheinen die unauffälligen Blüten. Die Früchte, die Eicheln, sind dagegen sehr markant. Sie fallen ab Oktober und sind für viele Tierarten ein wichtiges Nahrungsmittel. Eichhörnchen und Vögel verbreiten sie durch die Anlage von Wintervorräten, von Wildschweinen werden sie untergewühlt. Haustiere fütterte man früher, indem man sie in den Wald trieb. Die wertvollen und schmackhaften Ibericoschweine in Spanien ernähren sich heute noch von Eicheln.

In der Jugend sind Eichen wenige Jahre schattentolerant, dann nimmt ihr Lichtbedarf aber schnell zu, sodass sie in dichteren Beständen bald eingehen. Daher ist in der Forstwirtschaft waldbauliches Können erforderlich, wenn die Eichen im Mischbestand mit anderen Baumarten über Jahrhunderte erhalten bleiben sollen. Die Kronen sind relativ lichtdurchlässig, was vielen anderen Pflanzen am Waldboden unter Eichen das Überleben erleichtert. Häufig kommen Efeu oder Geißblatt am Stamm von Eichen vor; auch sie profitieren von den lichten Kronen.

Wohl keine andere Baumart bietet für so viele Tierarten Lebensraum wie Eichen, alleine an Insekten sollen es über 500 Arten sein. Ein sehenswerter Bewohner ist etwa der Große Eichenbockkäfer. Einige Insektenarten – vor allem Raupen von Frostspanner, Eichenwickler und Schwammspinner – führen allerdings regelmäßig einen Kahlfraß durch, sodass die Eichen ein zweites Mal austreiben müssen. Dieser zweite Austrieb ist kein Problem, solange er nicht regelmäßig jedes Jahr erfolgen muss und gleichzeitig noch mit anderen Schadereignissen wie Spätfrost oder Wurzelschäden einhergeht.

Auch Pilze lieben Eichen, darunter Sommer-Steinpilz, Kaiserling und Eichen-Rotkappe. In Süddeutschland kann man an Trauben-Eichen echte Trüffel finden oder sogar züchten. (bdj)

Mehr Informationen zum Baum des Jahres 2014, der Trauben-Eiche unter: www.baum-des-jahres.de