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Trotz Gaza-Konflikt: deutsch-israelisch-palästinensisches Tomaten-Projekt startet

Obwohl der Gaza-Konflikt immer weiter zu eskalieren droht, startet jetzt ein schon länger vorbereitetes Forschungsprojekt, in dem israelische, palästinensische und deutsche Biologen Hand in Hand zusammenarbeiten, um den Ablauf sogenannter Stressreaktionen in Tomatenpflanzen zu untersuchen. Wie die an dem Projekt beteiligte Westfälische Wilhelms-Universität Münster mitteilt, könnte diese Forschung helfen, hitzeresistentere Tomaten zu züchten. 

Prof. Dr. Jörg Kudla leitet das trilaterale Forschungsprojekt. Foto: WWU/Peter Grewer

Das Projekt auf die Beine zu stellen, war jedoch für alle Beteiligten eine große Herausforderung. „Es fängt schon damit an, dass die palästinensischen Kollegen nicht einfach nach Israel einreisen können und umgekehrt“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Jörg Kudla vom Institut für Biologie und Biotechnologie der Pflanzen (IBBP) der Universität Münster, der die derzeitige Eskalation im Nahen Osten mit Sorge betrachtet. Beteiligt an dem Forschungsprojekt sind neben den Biotechnologen aus Münster Forscher der Universitäten Tel Aviv (Israel) und Bethlehem (Westjordanland/Palästinensisches Autonomiegebiet).

Die Biologen arbeiten Hand in Hand, um zu untersuchen, wie sogenannte Stressreaktionen beispielsweise bei Hitze in Tomatenpflanzen ablaufen. Denn gerade in trockenen, heißen Gebieten sei es schwierig, Tomaten im Sommer erfolgreich anzubauen – viele herkömmliche Tomatenpflanzen kapitulieren bei Temperaturen über 35 Grad Celsius und bilden keine Früchte mehr aus. Sorten zu finden, die in einem solchen Klima gedeihen und stabile Erträge liefern, sei daher für viele Pflanzenzüchter ein wichtiges Ziel. Seien die entsprechenden physiologischen Abläufe und Mechanismen in der Pflanze bekannt, gebe es Ansatzpunkte für ein gezieltes Zuchtprogramm, so die Universität Münster.

„In Palästina sind wir auf eine alte Sorte gestoßen, an der noch bei 45 Grad Tomaten wachsen – sie ist bestens an die extremen Wetterbedingungen in dieser Region angepasst“, erklärt Kudla. In dem Projekt wollen die Forscher herausfinden, welche genetischen Grundlagen diese enorme Temperaturtoleranz ermöglichen. Dann könnten gezielte Zuchtprogramme durchgeführt werden, bei denen die palästinensische Tomate, die im Rest der Welt unbekannt ist, mit ertragreichen Handelssorten gekreuzt würde. „Wenn wir die Temperaturresistenz durch Zucht übertragen könnten, wäre das beispielsweise auch für spanische Tomatenzüchter hochinteressant, deren Gewächshäuser für herkömmliche Tomaten im Sommer zu heiß werden“, so Kudla.

Ein anderes Problem sei trockener Boden, der zur Tomatenzucht regelmäßig gewässert werden muss. Auf die mit dem Wasser in die Erde gelangenden Salze würden Tomaten empfindlich reagieren, so die Universität Münster. Bei der bereits gut untersuchten Ackerschmalwand würden die Forscher die Mechanismen kennen, denen die Pflanze ihre Salztoleranz verdankt. Der Universität Münster zufolge wollen die Forscher nun untersuchen, ob es bei Tomaten vergleichbare Mechanismen gibt. Wären die bekannt, könnte man wiederum gezielte Zuchtprogramme für robustere Tomaten starten, so die Universität.

Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund 512.000 Euro für zwei Jahre unterstützt. In einem speziellen Programm fördert die DFG die trilaterale Zusammenarbeit deutscher Wissenschaftler mit Israel und seinen Nachbarländern. (ts)