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Umfrage Saisonarbeit - Wirtschaftlicher Schaden durch fehlende Saisonkräfte und schlechte Witterung

Der Landesverband Gartenbau Westfalen-Lippe hat unter den westfälischen Spargel- und Gemüseanbauern eine betriebliche Dokumentation zur Eckpunkteregelung für Saisonarbeitskräfte durchgeführt. Im Rahmen dieser als Umfrage durchgeführten Bestandsaufnahme antworteten bisher 22 Betriebe. Deswegen könne man vorerst nur von einer Zwischenbilanz sprechen, so Anke Knaup vom Landesverband. Zum Saisonende erwartet der Verband aber weitere Antworten und möchte die Umfrage dann repräsentativ vervollständigen. Insgesamt wurden von den teilnehmenden Spargel- und Gemüseanbauern 916 Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa angefordert. Davon wurden 896 für die Arbeit in den Betrieben zugelassen. Leider hat fast ein Viertel (24 Prozent) der angeforderten Arbeitskräfte die Arbeit nicht angetreten. In Zahlen heißt das, dass insgesamt 215 Saisonarbeitskräfte nicht zur Arbeit erschienen. Betroffen davon waren zwölf der 22 Betriebe. Je nach Betriebsgröße und Mitarbeiterzahl hatte das verheerende Folgen: Beispielsweise erschienen von 150 angeforderten und genehmigten Saisonkräften 60 nicht zum vereinbarten Arbeitsbeginn, in einem anderen Betrieb waren es 37 von 105 Arbeitern, die nicht antraten. Als Gründe für das Nichterscheinen nannten die Spargel- und Gemüseanbauer, dass viele polnische Arbeiter aufgrund bürokratischer Hürden abgesprungen seien und in England oder Dänemark ihre Arbeit aufgenommen hätten. "Keine Lust" war auch ein häufig genannter Grund, ebenso wie eine doppelte Anmeldung in Betrieben oder dass keine Vermittlung erfolgt sei. Als Grund für eine vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses nannten die Betriebe eine schlechte körperliche Verfassung der Saisonarbeitskräfte. Den Zahlen nach zu urteilen ist es nicht überraschend, dass neun der 22 teilnehmenden Betriebe Ernteausfälle aufgrund fehlender Saisonarbeitskräfte hinnehmen mussten. In sieben Betrieben kam es wegen der schlechten Witterung zu Ernteeinbußen. Drei Betriebe sind doppelt betroffen: Sie hatten sowohl mit fehlenden Saison-AK als auch mit der Witterung zu kämpfen. Zwei dieser Betriebe gaben einen wirtschaftlichen Schaden von 100.000 Euro beziehungsweise 25.000 Euro an, der dritte machte keine Angabe. Insgesamt fünf Betriebe machten Angaben zur Höhe des wirtschaftlichen Schadens. Dieser lag durchschnittlich bei 27.800 Euro pro Betrieb. Ihr Gesamtschaden an Ernteausfällen beträgt 139.000 Euro durch Ernteeinbußen, so der Landesverband Westfalen-Lippe. Neben Saisonarbeitskräften aus Osteuropa haben auch zwei der an der Umfrage teilnehmenden Betriebe Arbeitslose vom deutschen Arbeitsmarkt angefordert. Durch die Bundesagentur für Arbeit wurden zwei von insgesamt acht angeforderten Arbeitskräften vorgeschlagen. Diese beiden waren es dann auch, die einen Arbeitsvertrag erhielten und ihre Arbeit auch angetreten haben. Vorzeitig beendet hat den Angaben zufolge keiner der beiden seine Beschäftigung. Allerdings gaben die Betriebe an, dass die deutschen Arbeiter weder das Tempo noch die Qualität der polnischen Saisonarbeitskräfte erbringen würden. Die Erfahrungen sowie die Ersatzvermittlung mit den zuständigen Arbeitsagenturen verliefen, so die Angaben, von sehr zufriedenstellend über schleppend bis sehr schlecht.