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Ungewisse Zukunft: Landwirtschaftskammer Hannover verkauft Versuchsflächen in Ahlem

Nun ist geschehen, was jahrelang wie ein Damoklesschwert über der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) in Hannover-Ahlem schwebte: Ein großer Teil der Versuchsgewächshaus- und Freilandflächen, insgesamt rund 80.000 Quadratmeter - wurden von der Eigentümerin, der Landwirtschaftskammer in Hannover, als Bauland veräußert. Und zwar an die Hannover Region Grundstücksgesellschaft (HRG), eine Tochtergesellschaft von Region und Sparkasse, die diese Flächen für die Bebauung mit Wohnungen, Einfamilien- und Stadthäusern erworben hat. Ein entsprechender Notarvertrag wurde am vergangenen Freitag unterzeichnet.

"Wir sind sehr traurig, dass es so gekommen ist", macht sich Versuchsleiter Dr. Dirk Ludolph Luft. Denn übrig für die Versuchsarbeit bleiben zuerst einmal nur noch drei Gewächshäuser neben dem Verwaltungsgebäude der LVG. Der Abrissbirne zum Opfer fallen 2.000 Quadratmeter Versuchsfläche für den Zierpflanzenbau. Besonders schmerzt hier der Verlust der vier Tageslichtkammern und vier Kunstlichtkammern. Im Zuge der Wohnbebauung wird auch der Ahlemer Reiserschnittgarten umziehen müssen. Bisher ist für die Versuchsgewächhäuser zwar kein Ersatz geplant, im Prinzip aber theoretisch möglich, da die Kammer nach wie vor über insgesamt rund acht Hektar im Norden und Osten angrenzende Freiflächen verfügt. "Unsere Hoffnung ist, dass hier mittelfristig neue Versuchsanlagen - Venloblöcke, Klimakammern - entstehen können, die einen weitere Versuchsbetrieb möglich machen", blickt Ludolph in eine noch ungewisse Zukunft. Denkbar erscheint dies vor allem vor dem Hintergrund, dass der Standort Ahlem ein von der Landwirtschaftskammer im Rahmen der norddeutschen Kooperation vertraglich zugesicherter Versuchsstandort für den Zierpflanzenbau ist. Es ist zu erwarten, dass die Partner dieser Kooperation und die Verbände sich gegen den drohenden beträchtlichen Einschnitt wehren werden.

Trotz des Flächenverkaufs wird in Ahlem auf jeden Fall das geplante und bewilligte, neue Forschungs-Gewächshaus, Teil des bundesweiten Projektes "Zukunftsinitiative Niedrigenergie Gewächshaus (ZINEG)", entstehen (siehe TASPO 36/08), das dazu dienen soll, neue und energieeinsparende Gewächshaustechnik zu testen. "Aber das ist nur ein Modellbetrieb, quasi ist das Gewächshaus selbst ein Versuch", erläutert der Versuchsleiter. Es werde nur aus zwei großen Abteilungen bestehen und keinesfalls die Anforderungen, die ein Versuchsbetrieb stellt, erfüllen.

Was geschieht nun mit den vielfältigen, praxisnahen Versuchen, für die die LVG Ahlem bekannt ist? "Wir werden erst einmal versuchen, uns auf andere Schwerpunkte zu konzentrieren, für die wir nicht auf große, eigene Gewächshausflächen angewiesen sind", macht Ludolph deutlich. Denkbar ist beispielsweise eine Ausweitung des Versuchsanbaus in Praxisbetrieben, das Aufstellen von noch vorhandenen Foliengewächshäusern und eine intensivere Zusammenarbeit mit dem Bund deutscher Friedhofsgärtner, um gemeinsam neue Pflanzen und modernere Kombinationen für die Grabbepflanzung zu entwickeln. Auf einen Teil der Versuche zu Kulturstrategien und zu neuen Sorten wird man wohl erst einmal verzichten müssen, wenn spätestens im Laufe des kommenden Jahres der Abriss erfolgt. Die von der Praxis begehrten "Ahlemer Balkonpflanzenkombinationen" wird es aber weiter geben, wenn auch vielleicht nicht in vollem Umfang.