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Unterschätzte Gefahr: Dacharbeiten in Eigenregie

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2020 verzeichnete die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft etwa 70 Abstürze durch Dacheindeckungen, drei davon endeten tödlich. Überlebende Verletzte leiden oft zeitlebens unter ihren Körperschäden. Überwiegend führen die eigene Selbstüberschätzung und gleichzeitige Unterschätzung der Gefahr zu solchen Unfällen, erklärt die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG).

Bei Dacharbeiten gilt es, bestimmte Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten, zum Beispiel Laufbohlen zu verwenden und unter der Dachhaut sowie an den Absturzkanten Auffangnetze zu spannen. Foto: SVLFG

Arbeiten auf dem Dach oft ohne große Bedenken durchgeführt

Während die meisten Menschen wissen, dass zum Beispiel die Arbeit mit einer Motorsäge sehr gefährlich ist und sie deshalb unter anderem eine geeignete Schutzausrüstung tragen oder entsprechende Technik wie Harvester einsetzen, werden Arbeiten auf den Wellfaserzementplatten oder dem Trapezblech oft ohne große Bedenken in Eigenregie durchgeführt, so die Erfahrung von Gerhard Westendorf von der SVLFG. Dabei sei das Risiko, bei einem Dachdurchsturz tödlich zu verunglücken, etwa sechsmal größer als bei einem Forstunfall, erklärt Westendorf.

Unfälle immer folgenschwer – auch für Angehörige

Wie der Experte weiter ausführt, sind Unfälle bei Dacharbeiten immer folgenschwer. „Die Unfallermittlungen der LBG über die Jahrzehnte zeigen, dass die Betroffenen oftmals aus großer Höhe auf Stalleinrichtungen, den Spaltenboden oder in der Halle abgestellte Maschinen fallen. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich die schlimmen Unfallfolgen vorzustellen“, so Westendorf. Davon betroffen seien aber nicht nur die Verletzten, sondern auch die Partner, Kinder und andere Angehörige. Vielfach stehe sogar der Fortbestand des Betriebs auf der Kippe.

Sicherheitsmaßnahmen bei Dacharbeiten einhalten

Angesichts der Risiken ist es dem SVLFG-Fachmann zufolge mehr als angebracht, sich bei Dacharbeiten die Sicherheitsmaßnahmen bewusst zu machen und diese auch einzuhalten:

  • Es muss ein sicherer Aufstieg aufs Dach vorhanden sein – die Leiter darf nicht einsinken, nicht seitlich wegrutschen und muss mindestens einen Meter über den Überstieg hinausragen.
  • Auf nicht tragfähigen Dächern (Wellplatten) müssen 50 Zentimeter breite und 30 Millimeter starke Laufbohlen bis zum Arbeitsplatz ausgelegt werden.
  • Lichtplatten im Arbeitsbereich müssen abgedeckt werden.
  • Als Schutz gegen Abstürze müssen unter der Dachhaut Fangnetze angebracht werden.
  • Wird an der Dachaußenkante gearbeitet, müssen dort beispielsweise Dachfanggerüste aufgestellt werden.

„In Anbetracht dieser Vorgaben kommt man nicht umhin, den Experten – das heißt den Dachdecker – hinzuzuziehen. Er hat die Routine, das Know-how und notwendige Equipment wie Hubarbeitsbühne, Gerüste, Fangnetze und Laufbohlen, um Dacharbeiten schnell und sicher durchzuführen“, wie Westendorf betont.

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