Veiling Rhein-Maas: erfolgreiche Saison trotz Corona-Krise

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Cees Hoekstra (l.) und Günther Esser haben zum Jahresbeginn die Geschäftsführung der Veiling Rhein-Maas übernommen. Foto: Gabriele Friedrich

Sie waren gerade Geschäftsführer der Veiling Rhein-Maas geworden, als auch schon die Corona-Pandemie ausbrach. Im Interview mit der TASPO blicken Günther Esser und Cees Hoekstra auf ihre ersten 200 Tage als Geschäftsführer der in Straelen-Herongen ansässigen Blumen- und Pflanzenversteigerung zurück.

Wie haben Sie den Ausbruch der Corona-Pandemie erlebt und wie sind Sie damit umgegangen?

Esser: Direkt mit einer solchen Krise zu starten bietet die Möglichkeit, einander, Mitarbeiter und Arbeitsweisen gut kennenzulernen. Ab Kalenderwoche 12 ging eigentlich nichts mehr, die Uhren drohten durchzudrehen, Ware floss nicht mehr ab. Wir haben sofort einen 14-köpfigen Krisenstab gebildet.

Hoekstra: Woche 13 war nicht viel besser, wir haben sehr schnell A2-Anlieferungen unterbunden und den Vermarktungsprozess im Uhrvorverkauf angepasst, nicht angemeldete Übermengen konsequent abgelehnt, um das Durchdrehen der Uhr und Vernichten der Ware zu verhindern. Sogar einen Versteigerungstag haben wir gestrichen.

Aber dann ab Mitte Woche 14 änderte sich die Situation und stellte Sie vor wieder andere Herausforderungen?

Hoekstra: Wir haben da entschieden, keine weiteren Versteigerungstage zu streichen, und ab dem Zeitpunkt hat das Geschäft nur so gebrummt.

Esser: Sehr schnell mussten wir handeln und haben quasi über Nacht die Plexiglasscheiben an den Tribünenplätzen montiert sowie Desinfizier-Einheiten eingerichtet. Einige Plätze bleiben frei, es stehen so 300 weniger zur Verfügung. Nach der 1,50-Meter-Abstandsregel können wir auch jetzt noch maximal 300 Kunden im Versteigerungssaal unterbringen. Gleichzeitig haben wir die Fernkaufleitungen von 400 auf 600 Plätze erhöht. Und auch der Webshop konnte ordentlich zulegen.

Wie war dann der Saisonverlauf?

Esser: Vor allem geprägt durch die sehr guten Preise, besonders im Topfpflanzen-Bereich. Die Mengenanlieferung ist unter der des Vorjahrs geblieben.

Hoekstra: Daher rührt auch das unterschiedliche Ergebnis zur Royal FloraHolland. Dort machen Schnittblumen drei Viertel des Geschäfts aus und der Export ist stark, daher kommen die starken Einbrüche. Bei uns sind Schnittblumen nur zu 40 Prozent beteiligt und wir haben ein sehr großes Inlandsgeschäft. 80 Prozent von unserem Umsatz bleiben in Deutschland.

Wann konnten die Hauptumsätze getätigt werden?

Esser: April und Mai waren sehr stark mit dem Hauptanteil Beet- und Balkonware. Rekorde gab es auch in der Muttertagswoche, alles in allem bis Ende Juni etwa zehn Prozent über den Umsätzen des Vorjahres.

In welchen Bereichen machte sich die Anlieferung durch Corona-Maßnahmen bemerkbar oder war die Ware knapp?

Hoekstra: Insbesondere bei Schnittblumen aus Übersee fehlten zeitweise Luftfracht-Kapazitäten. Und die besondere Situation in Äthiopien und Kenia hat sich auf die Mengen ausgewirkt. Schnittgrün aus Mittelamerika kommt per Seefracht, da fällt die Anlieferung normal aus.
Wer waren die Treiber dieser Frühjahrs- und sogar Sommersaison?

Esser: Vor allem über Gartencenter und Baumärkte ist die Ware abgeflossen. Und auch die höheren Preise sind hier durchgegangen, die Verbraucher waren bereit zu zahlen.

Sie hatten mehr Umsatz, aber gleichzeitig auch einen höheren Aufwand?

Esser: Einen deutlich höheren Aufwand, durch 48 Desinfektionsstellen, 15.000 Masken, Plexiglasscheiben, mehr Kommunikation mit Mitarbeitern, Anlieferern und Kunden.

Haben die Maßnahmen gewirkt, hatten Sie Corona-Fälle im Betrieb?

Hoekstra: Ein Mitarbeiter kam aus Ischgl in Österreich zurück, aber blieb direkt konsequent zu Hause in Quarantäne. Andere verschnupfte Mitarbeiter blieben vorsorglich zuhause, manche gingen ins Homeoffice.

Esser: Insgesamt haben wir Glück gehabt, wir hatten keine aktiven Corona-Fälle.

Das komplette Interview mit Günther Esser und Cees Hoekstra zu ihren ersten 200 Tagen als Geschäftsführer der Veiling Rhein-Maas und den Zukunftsplänen für das Unternehmen lesen Sie in der TASPO 29/2020.

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