Alle News

Verkauf war als Konsolidierung der Marke Sperli geplant: „Sperling fliegt weiter“

Mit Sperling in Lüneburg war vor bereits über einem Jahr eines der größten Traditions- und das zugleich wohl älteste Familienunternehmen der Saatgutbranche verkauft worden. Seitdem kursierten in der Branche immer wieder Spekulationen über Untergang oder Fortbestand des Unternehmens Sperling und der Marke Sperli. Jetzt bezog die Geschäftsleitung auf dem Sperling-Sommerevent Stellung dazu. Schon zum 1. Januar 2004 war Sperling an Flora Frey in Solingen verkauft worden, welche hundertprozentige Tochter des französischen Unternehmens Vilmorin ist. Vilmorin gehört zum Konzern Groupe Limagrain, eigenen Angaben zufolge Weltmarktführer im Tütengeschäft, plus eigenem Züchtungsunternehmen im Hintergrund. Vilmorin ist in der Blumen-, Gemüse- und Rasensaatgutzüchtung beheimatet. „Für die Marke Sperli bedeutet das in Zukunft eine erstklassige Bezugsquelle und intensive Austauschmöglichkeiten mit den Züchtern im eigenen Haus. Zudem können Kundenanforderungen vor dem Züchterhintergrund jetzt noch besser umgesetzt werden. Tiefschürfendes Know-how, wie das von Vilmorin beziehungsweise der Groupe Limagrain, muss eine Premium-Marke wie Sperli im eigenen Unternehmen haben, das geht gar nicht anders“, so Dagmar Stehr, Geschäftsführerin Sperli und Flora Frey. Flora Frey hat die juristische Firma Sperling gekauft, nicht aber deren Immobilien. Flora Frey ist unter diesem Markennamen sowie weiteren (zum Beispiel Freya, Gartenperle) vornehmlich im Segment DIY, auf der Fläche und im LEH beheimatet und habe mit der Marke Sperling dem Vernehmen nach einen strategischen Zukauf getätigt. Rolf Pohlen, Marketingleiter Flora Frey: „Die Marke Sperli ist für uns eine optimale Ergänzung. Mit ihr gibt es in den unterschiedlichsten Marktsegmenten praktisch keine Überschneidungen mit unserem Stammhaus. Sperli ist für uns jetzt als Premium-Fachhandelsmarke hinzugekommen und soll eine solche auch in Zukunft bleiben.“

Seit März diesen Jahres wurde die Samentüten-Produktion von Lüneburg verlegt. Dazu ist das Produktionsequipment abgebaut und nach Solingen gebracht worden. Ziel des Teilumzuges von Sperling sei das Ziel gewesen, „in einem preisumkämpften Markt die erforderlichen Kostensenkungseffekte zu realisieren“. „Es macht keinen Sinn, in Lüneburg Miete für einen zusätzlichen Produktionsstandort zu zahlen, wenn wir gleichzeitig in Solingen über eine Kapazität von 110 Millionen Tüten verfügen.“ „Auftragsbearbeitung, Verkauf und Marketing für die Marke Sperli werden weiterhin in Lüneburg stattfinden“, versichert Dagmar Stehr für die Zukunft, „wir haben lediglich Produktion und Logistik gebündelt“. Demzufolge verbleiben Vertrieb und Außendienst mit insgesamt etwa 20 Mitarbeitern vor Ort. Das Marketing betreut die Gartenbauingenieurin Insa Niemann. Neuer Standortchef ist Wolfgang Guth. „Unseren Außendienst sehen wir nicht in erster Linie als Verkäufer oder Merchandiser, sondern als verkaufende Berater“, erläutert Guth die angestrebte Perspektive für seine Handelskunden.

Zur neuen Handelsstrategie der Marke Sperli äußerte sich Dagmar Stehr so: „Künftig wird es zwischen Geschäftsführung und Verkauf keine weitere Stufe mehr geben.“ Topkunden sollen von Key Account und Geschäftsführung gemeinsam besucht werden, um „deutlich zu machen, wer wir sind und was wir wollen“. Und um den Kunden die künftig flacheren Hierarchien und damit kürzeren Entscheidungswege zu signalisieren.