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Vertikales Gärtnern: Jeder zweite würde Produkte kaufen

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Kaum ein Thema wird in der Grünen Branche so kontrovers diskutiert, wie das vertical Farming. Wie eine Studie der Universität Göttingen aktuell belegt, würde allerdings jeder zweite Kunde Produkte aus vertikaler Landwirtschaft kaufen.

Eine vertikale Farm, die in frühere Industriegebäude gebaut werden kann. Foto: Growing Underground

Der wissenschaftliche Fortschritt macht auch vor der Grünen Branche keinen Halt und sucht vor allem bei der Versorgung der steigenden Bevölkerung nach Lösungen. Hier steht aktuell der vertikale Anbau von Obst und Gemüse im medialen Interesse. Befürworter des vertical Farming argumentieren damit, dass eine Produktion von ausreichend gesunden Lebensmitteln immer schwieriger werde. Steigende Bevölkerungszahlen und veränderte Witterungsbedingungen infolge des Klimawandels erschweren eine nachhaltige Produktion in herkömmlicher Art und Weise. Demnach könnte es in Zukunft zu Engpässen bei der Versorgung der Bevölkerung mit frischen Nahrungsmitteln kommen. Hier setzt die Wissenschaft mit dem vertikalen Gärtnern an.   

Ursprung hat vertical Farming im Etagenanbau Amazoniens

Die vertikale Landwirtschaft als Versorger der Bevölkerung hat seinen Anzatz 1999 in den USA an der Columbia University in New York City. Dort experimentierten Wissenschaftler damit, Bewohner mit Nutzpflanzen von Dachgärten zu ernähren und testeten aufgrund begrenzter Fläche den vertikalen Anbau. Die geschichtlichen Wurzeln liegen allerdings noch viel weiter zurück, nämlich im Etagenanbau Amazoniens vor der europäischen Kolonisierung. Ab den 1960er Jahren wurde der Gedanke in Europa immer weiter verfolgt, bis hin zu den Turmgewächshäusern der Wiener Internationalen Gartenschau 1964. Richtig Fahrt nahm die Forschung dann im neuen Jahrtausend auf.

Produktion von Obst und Gemüse ohne Ackerboden

Die Produktion von ausreichend frischem Gemüse und Obst erfolgt beim System vertikaler Landwirtschaft also in Etagen übereinander. Vorteile des Systems nach aktueller Forschung sind, dass es weder direktes Sonnenlicht noch Ackerboden benötigt. Die Pflanzen wachsen in Nährlösungen bei künstlichem oder bei Tageslicht. Damit sei das vertical Farmin unabhängig vom Klima. Eine zentrale Frage ist jedoch, welche Akzeptanz dieses Anbausystem bei den Verbrauchern erfährt. Damit beschäftigte sich ein Team von Wissenschaftlern der Universität Göttingen.

Hohe Akzeptanz von vertikalen Anbausystemen

Die Ergebnisse dieser Forschung sind in der Fachzeitschrift Sustainability erschienen. Es wurden rund 500 Verbraucherinnen und Verbraucher aus Deutschland zu verschiedenen vertikalen Anbausystemen befragt. Bewertet wurden ein kühlschrankgroßes Gerät für den Privatgebrauch, ein mittelgroßes Gewächshaus für Supermärkte, sowie eine vertikale Farm, die in frühere Industriegebäude gebaut werden kann. Obwohl lediglich sieben Prozent der Befragten bereits von vertikaler Landwirtschaft gehört haben, würde dennoch die Hälfte der Teilnehmer frische Produkte aus vertikalen Anbausystemen kaufen. Für 81 Prozent der Konsumenten sei laut Mitteilung Umweltfreundlichkeit ein wichtiges Thema. Die höchste Akzeptanz hatte die vertikale Farm, wohingegen der Kühlschrank für den privaten Gebrauch am schlechtesten abschnitt.

Nachhaltigkeit ist wichtiger Aspekt für die weitere Forschung

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass bei der Entwicklung der vertikalen Anbausysteme der Fokus insbesondere auf die Nachhaltigkeit gelegt werden sollte. Nur Systeme, die wirklich umweltfreundlich sind, werden die Verbraucher überzeugen“, erklärt Kristin Jürkenbeck, Doktorandin und Hauptautorin der Studie. „Das Thema Nachhaltigkeit wird in allen Lebensbereichen immer wichtiger für Konsumenten, dies verdeutlichen die öffentlichen Diskussionen und darf von Unternehmen nicht ignoriert werden“, ergänzt Prof. Dr. Achim Spiller, Leiter der Arbeitsgruppe Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte. Es bleibt also weiterhin spannend, wie sich die vertikalen Anbausysteme entwickeln.