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Visite aus dem Reich der Mitte: Chinesische Fachdelegation besucht Düsseldorfer Nordfriedhof

Dienstag morgen um 9 Uhr am Haupteingang des Düsseldorfer Nordfriedhofs: Eine chinesische Delegation entsteigt noch etwas mitgenommen vom langen Flug und einer Nacht im Hotel dem Minibus. Die elf Fachleute aus Wuhan, Hauptstadt der Provinz Hubei in der Volksrepublik China, sind für einige Tage nach Deutschland gekommen, um sich umfassend über das Friedhofs- und Bestattungswesen hierzulande zu informieren.

Zunächst sehen sie sich die Mustergrabanlage an. Wulf Merkelbach, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft Friedhofsgärtner Düsseldorf, erklärt ihnen Aufbau, Funktion und Kosten der verschiedenen Grabstellen, und schon machen sich die Chinesen Notizen, fotografieren und fragen nach: wie oft wird gepflegt oder die Bepflanzung gewechselt? Interessant sind auch Belegungsfragen, wie viele passen in ein Urnengemeinschaftsgrab, wie lange ist die Nutzung, was passiert mit Gräbern, wenn Angehörige verstorben sind?

Die Delegation zeigt sich sehr interessiert an den Mustergräbern, die sie aus ihrer Stadt so nicht kennen. Es sind Chen Changyi, der Vizedirektor des Sozialamtes von Wuhan, Li Shengguo, Direktor der Friedhofsverwaltung Wuhan, Chen Dehua, Direktor des städtischen Beerdigungsinstitutes, und Han Cuiyun, Bezirksdirektorin im städtischen Beerdigungsinstitut, sowie weitere Fachleute aus den Friedhofs-, Bestattungs- und Grünflächenämtern der Stadt Wuhan.

Zustande gekommen ist das Treffen durch die Initiative des Chinesisch-Deutschen Vereins (CDV) für Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Der Verein wurde 1994 gegründet mit dem Ziel, internationalen Erfahrungsaustausch von hoch qualifiziertem Personal aus Wirtschaft, Technik und Wissenschaft in die Wege zu leiten sowie Handels- und Wirtschaftskooperationen zu fördern, erklärt Li Shu vom CDV, der auch alle Dolmetscher-Aufgaben an diesem Tag übernommen hat.

Er sieht die Aufgaben des Vereins unter anderem darin, Kontakte zwischen chinesischen und deutschen Behörden herzustellen, um einen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen. Zahlreiche chinesische Delegationen aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur haben so die gewünschten Gesprächspartner in Deutschland bekommen, beispielsweise das Bauaufsichtsamt des Bauministeriums der VR China, das Landwirtschaftsamt des autonomen Gebiets Guangxi oder das Amt für Pflanzenschutz der Provinz Zhejiang.

Und nun also die Verwaltungsfachleute für das Friedhofswesen, für die der CDV ein straffes Besuchsprogramm organisiert hat. Wir wechseln ins Bürohaus der Genossenschaft gegenüber des Nordfriedhofs. Geschäftsführer Bernhard Evertz begrüßt die Delegation, Merkelbach erläutert ihnen das Prinzip der Dauergrabpflege, woraus sich zahlreiche Fragen entwickeln. Insbesondere interessiert die Delegation die Kosten: Wie teuer ist der Boden für Friedhofsanlagen? Wie hoch sind die Gebühren? Wer legt sie fest? Wie lange müssen Friedhofsgärtner pflegen, und wie erhalten Friedhofsgärtner ihr Geld?

Grabkontrollen sind auch in Wuhan üblich, daher möchte die Delegation mehr wissen über die lange Fehlerliste mit über hundert Posten der Düsseldorfer Genossenschaft. Dolmetscher Li Shu verspricht, abends im Hotel alles detailliert zu übersetzen. Sie fragen auch nach der Zuständigkeit der Ämter und Dolmetscher Li Shu erläutert, dass in Wuhan die Zuständigkeiten von Grabnutzung und Pflege komplett in der Hand der Stadtverwaltung liegen. Daher interessiert sie hier die Kombination von städtischen oder kirchlichen Instituten und privaten Friedhofsgärtnern. Sie möchten etwas erfahren über Methoden der Verwaltung und Nutzung der Friedhöfe sowie Möglichkeiten der Pflege und fragen sehr detailliert. Denn sie wollen ihre Friedhöfe weiter modernisieren, mehr begrünen und interessanter, individueller gestalten.

Traditionell sind in Wuhan die Friedhöfe geprägt von viel Stein oder Beton, sie sind wenig grün. Doch langsam wandelt sich ihr Gesicht, manche sind bereits parkähnlich angelegt. Daher will sich die Delegation gern auf deutschen Friedhöfen umsehen. Der Grün-Gedanke, der Park zur Erholung in der Stadt, farbige Flecken und schattige Plätzchen, die Sauerstoff-Produktion, Feinstaub-Bindung der Gehölze, das alles sagt ihnen zu. Ein anderer Aspekt kommt hinzu, das sind die Kosten. In der Millionenstadt ist Boden knapp begrenzt, entsprechend teuer. Die einzelnen Grabstellen sind ohnehin in der Regel sehr klein, nicht mehr als ein Quadratmeter, und mit Steinen belegt. Trotzdem steigen auch in China die Kosten für Nutzung, Bestattung, Gebühren. Allerdings sind hier die Preise alle gleich und staatlich festgelegt. Fragen Verbraucher jedoch nach Zusatzleistungen, kann die Stadtverwaltung auch selber individuell Preise festlegen, eine leise Annäherung in Richtung Marktwirtschaft, sagt Chen Changyi vom Sozialamt in Wuhan.

Wir wechseln wieder auf den Nordfriedhof. Einmal rund um den Millionenhügel führt uns hier Wulf Metzmacher, studierter evangelischer Theologe und Philosoph, der für die VHS Düsseldorf diese kenntnisreich kommentierten Rundgänge organisiert. Für jede Kamera bietet sich hier natürlich ein imposantes Motiv der historischen und auch der modernen Grabanlagen und ihrer beeindruckenden Steinmetzarbeiten. Griechische Tempel, Mausoleen mit Gruften, ägyptische Obelisken, römische Säulen, Engel, Kreuze und Putten wechseln sich ab mit modernen schwarzen Steinquadern oder schlichten Skulpturen.

Von so viel Individualität und Einfallsreichtum zeigt sich die Delegation sichtlich beeindruckt. Schließlich zeugen die Friedhöfe in Wuhan eher von exakter Gleichartigkeit der Grabanlagen. In China sind Grabstellen zentral und gleichförmig geplant, Friedhöfe sehen entsprechend einheitlich aus. Hier dagegen kann jeder nach Geschmack und finanziellen Mitteln Grabstellen unterschiedlicher Größe individuell anlegen, was auf dem Nordfriedhof auch deutlich sichtbar ist. Das finden die Wuhan-Beamten gut. Sie möchten in Zukunft ihre Friedhöfe moderner und individueller gestalten.

Nebenan empfängt anschließend eine Friedhofsgärtnerei die Delegation. Wieder bietet sich viel Stoff für die Kamera an: Sargschmuck, frühlingshafte Schalen und Gestecke. Am nächsten Tag geht es weiter, dann stehen die Stadtverwaltung Düsseldorf, ein Krematorium, ein Steinmetz und ein Bestatter auf dem Besuchsprogramm. Zum Abschluss ist noch eine Stippvisite in Berlin geplant. (fri)