Alle News

Vorteile für Gärtner: steuerliche Abgrenzung vom Gewerbe wird neu geregelt

Die steuerliche Abgrenzung der Landwirtschaft vom Gewerbe soll mit im Herbst 2012 anstehenden Einkommensteuer-Änderungsrichtlinien neu geregelt werden. Vorbehaltlich der Zustimmung des Bundesrates können dann alle Arten zugekaufter Ware und auch zur „zweiten Stufe“ weiterverarbeitete eigene Produkte bis zu einem Verkaufswert von 51.500 Euro noch der Landwirtschaft oder dem Gartenbau zugerechnet werden. 

Die anstehenden Einkommensteuer-Änderungsrichtlinien bringen Vorteile für Gärtner. Foto: wiw – Fotolia.com

Bislang war dies nur für betriebstypische Waren möglich, und weiterverarbeitete eigene Produkte zählten nur bis zu einem Verkaufswert von 10.300 Euro zur Landwirtschaft, teilt der Deutsche Bauernverband (DBV) zum sogenannten „Hofladenurteil“ III mit. Dieses bezieht sich auf die Einkommensteuer und nicht wie die früheren „Hofladenurteile“ I und II auf die Umsatzsteuer (siehe dazu auch TASPO 20/12).

Nach jetzigem Stand können mit dem Wirtschaftsjahr 2012/2013 auch alle mit Mitteln des Betriebes erbrachten Dienstleistungen bis 51.500 Euro noch zur Produktion gezählt werden. Die bisherige 10.300-Euro-Grenze für Dienstleistungen gegenüber Nichtlandwirten, ab deren Überschreiten gewerbliche Einkünfte vorlagen, soll entfallen.

Erreicht wurde auch, so der DBV, dass Betriebsteile nicht bei einmaligem, sondern erst bei nachhaltigem Überschreiten der Grenzen zu gewerblichen Einkünften führen. Zudem werde nicht der gesamte Betrieb gewerblich, sondern der Erzeugerbetrieb erzielt weiter gartenbauliche Einkünfte, und nur der gewerbliche Teil führt zu gewerblichen Einkünften. Ausnahmen gelten für die Rechtsform einer Gesellschaft, zum Beispiel einer Ehegatten-GbR. Bei nachhaltigem Überschreiten der Grenzen könne hier der gesamte Betrieb ins Gewerbe „kippen“.

Die neuen Kriterien ermöglichen es gartenbaulichen Betrieben, in gewissem Umfang Handelswaren und Dienstleistungen anzubieten, ohne zusätzliche Steuererklärungen angeben zu müssen. Daraus resultierende Einnahmen können bei Einhaltung der Grenzen regulär über die landwirtschaftliche Einkommensteuererklärung angegeben werden. DBV und Zentralverband Gartenbau (ZVG) werten dies als Verbesserung.

Allerdings hält der ZVG nach wie vor die feste Zukaufsgrenze von 51.500 Euro als Maß für die Abgrenzung zwischen Landwirtschaft und Gewerbe für ungeeignet. Der ZVG setzt sich aktuell für eine flexible Umsatzgrenze für den Zukauf ein, die sich nach dem Gesamtumsatz richtet und so über der von 51.500 Euro liegen kann. Der DBV plädiert ebenfalls dafür, die Grenzen über 51.500 Euro noch zu erhöhen, aber nicht nur die für Zukauf, sondern auch die für Dienstleistungen.

Das Steuerbüro Burkart und Völlinger teilt die ansonsten positive Einschätzung der Verbände zu den erreichten Veränderungen. Überschreitet ein Einzelunternehmen die Grenzen zur Gewerblichkeit, führe nur die Veräußerung der zugekauften Waren zu gewerblichen Einkünften. Die selbst produzierte Ware bleibe weiterhin dem Bereich der Land- und Forstwirtschaft zugeordnet.

„Hierdurch bleibt auch der Problemkreis Gewerbesteuer überschaubar, da hierbei der anteilige Gewinn aus den zugekauften Produkten in vielen Fällen nicht den Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro übersteigen wird“, so Uwe Roth (Burkart und Völlinger). Sofern dies dennoch geschehe, werde aufgrund der Anrechnung dieser Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer auch hier die zusätzliche steuerliche Belastung meist wirksam abgemildert. (rve)