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Weihnachtsbäume: Bio aus dem Sauerland

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Im Sauerland werden die meisten deutschen Weihnachtsbäume erzeugt: Etwa ein Drittel der jährlich um die 25 Millionen verkauften Bäume kommt dort her, in der Regel aus konventionell arbeitenden Betrieben. Im Sauerland gibt es aber auch Bio-Weihnachtsbaum-Anbauer. Einer davon ist Dr. Gregor Kaiser.

Gregor Kaiser produziert im Sauerland auf insgesamt zehn Hektar Bio-Weihnachtsbäume. Foto: Jennerich/Kaiser

Bio-Anbau auf zehn Hektar Fläche

Der Hof mit dem alten Bauernhaus liegt in Lennestadt-Oberelspe, im südlichen Sauerland. Dass er einmal in die Weihnachtsbaum-Produktion einsteigen würde, war ursprünglich nicht so vorgesehen, aber als keines seiner drei Geschwister den elterlichen Hof übernehmen wollte, fiel die entsprechende Entscheidung, und Kaiser zog mit seiner Frau und den inzwischen vier Kindern 2007 von Bonn aufs Land.

Mit der Entscheidung für die Hofübernahme fiel auch jene, den Bio-Anbau von zwei auf jetzt zehn Hektar auszuweiten. Eine Flächengröße, die man außerhalb der Erntesaison fast komplett allein bewältigen kann. Insgesamt verfügt der Hof neben den Weihnachtsbaum-Flächen noch über 80 Hektar Forst und drei Hektar Grünland, unter anderem zur Gewinnung des Winterfutters für die Shropshire-Schafherde.

Seit 2015 Verkauf von Bio-Weihnachtsbäumen

Anfangs folgte er dem EU-Bio-Siegel, seit 2015 ist er zusätzlich über das Label Naturland zertifiziert. Noch im gleichen Jahr begann der Verkauf von Bio-Weihnachtsbäumen, weil die eigenen und auch zugekauften Flächen zuvor schon ökologisch bewirtschaftet worden waren. So entfiel die wirtschaftlich schwierige Umstellungsphase.

Für das Bio-Label Naturland entschied sich Kaiser einerseits, weil eine Bio-Verbandsunterstützung hilfreich ist, andererseits, weil damit irgendwann auch der Wald zertifiziert werden kann. Noch seien aber die Prämien für die Waldzertifizierung zu teuer. Kaiser hofft, dass sich das Kostengefüge bald zugunsten der kleinen Waldbesitzer ändert.

Weihnachtsbäume auf elf verschiedenen Flächen

Gepflanzt wird im Frühjahr: Nobilis, Blaufichten, Nordmanntannen und demnächst wohl auch Abies fraseri. Zuvor wird die Fläche gefräst und nach dem Pflanzen Klee zwischen die Reihen eingesät. Der Maschinenbesatz ist überschaubar: Traktor, Freischneider und ein handgeführter Mulcher, für die Ernte eine Netzmaschine. Sehr, sehr selten wird mal jemand mit einer Gebläsespritze engagiert, der Bio-Spritzmittel (NeemAzal oder Spruzid) verteilt.

Eine Frostschutzbewässerung? Illusorisch, denn die Weihnachtsbäume sind auf elf verschiedenen Flächen verteilt. „Wenn‘s kommt, dann kommt‘s“, sagt Kaiser ergeben und denkt an den starken Spätfrost 2012, dem etliche Bäume zum Opfer fielen.

Vermarktung überwiegend an den Großhandel

Die Bäume erhalten keinen Formschnitt, bei Bedarf kommt nur die Top-Stopp-Zange zur Terminaltriebregulierung zum Einsatz. Einige Zeit beansprucht die Betreuung der Shropshire-Schafe, etwa das regelmäßige Umsetzen in andere Flächen.

Gregor Kaiser vermarktet seine Bio-Weihnachtsbäume zu 70 Prozent an den Großhandel, beispielsweise an GaLaBauer, einen Rosenproduzenten und weitere Direktvermarkter. Außerdem bietet er das Selberschlagen auf einer Fläche sowie den Ab-Hof-Verkauf an, inklusive Stockbrot-Backen, Kinderchor-Auftritt und mehr.

Nicht nur Öko-Kunden kaufen Bio-Weihnachtsbäume

Weiterhin betreibt Kaiser einen eigenen Stand in Bonn vor einem Bio-Supermarkt. Dort kaufen nicht nur Öko-Kunden, aber doch viele Familien und Allergiker, die mit dem Baum gesundheitlich auf Nummer Sicher gehen wollen. Für die Kunden dort sei es eine Gaudi, ihren Weihnachtsbaum mit dem Fahrrad nach Hause zu transportieren. Für alle Absatzwege sind die Baumgrößen und -qualitäten gemixt.

Einen bestimmten Absatzweg bevorzugt Kaiser nicht. Bei der Direktvermarktung gefällt ihm der unmittelbare Kontakt zum Käufer, lukrativer sei aber der Großhandel. Dort bekomme er heutzutage 20 bis 30 Prozent mehr für die Bio-Bäume. Das müsse auch so sein, schließlich sind auch der Arbeitsaufwand und die Investitionskosten höher (die Bio-Jungpflanze kostet etwa 80 Cent, gegenüber 45 Cent konventionell).

Wie viel ist dem Kunden bio wert?

Bis vor zwei, drei Jahren bekam man für Bio-Weihnachtsbäume im Großhandel nicht mehr als für konventionell erzeugte, mit entsprechend geringerer Rendite. Wenn dort aber die Preise für normale Bäume wieder fallen – und damit ist ja irgendwann zu rechnen – bleiben die Bio-Anbauer auf ihrem gehobenen Preisniveau. Dann könne der Kunde zeigen, dass ihm die Mehrarbeit auch etwas wert ist.

Der komplette Beitrag über Gregor Kaiser und seine Bio-Weihnachtsbaum-Produktion im Sauerland ist in der TASPO 39/2018 erschienen.