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Weihnachtsbäume: Produktion „ohne“ Mitarbeiter

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Georg Valder betreibt den Tannenhof Schneiders – 120 Hektar Tannenbaum-Plantagen – ohne eigene Mitarbeiter. Der Unternehmer überlässt Anpflanzung und Ernte seit Jahren einer rumänischen Firma. Ein Schicksalsschlag führte zu dieser Entscheidung. Verena Groß war für die TASPO vor Ort.

Ein Subunternehmer übernimmt die Produktion auf dem Tannenhof Schneiders. Die Weihnachtsbäume werden auch ins Ausland verkauft. Foto: Verena Groß

Tannenhof Schneiders vom Schwiegervater übernommen

Drei festangestellte Vollzeit-Mitarbeiter arbeiteten auf dem Hof, den Georg Valder und seine Frau Claudia im Jahr 2002 vom verstorbenen Schwiegervater übernahmen (siehe TASPO 26/15, Seite 13, dort wird das neue Direktvermarktungskonzept des Tannenhofs Schneiders beschrieben). Als Zahlenmensch fielen dem Diplom-Ingenieur gleich einige Schwachstellen in der Betriebswirtschaft auf. So hielten damals zwar Schafe das Unkraut zwischen den Tannenbäumen niedrig, „doch die Mitarbeiter waren zu einem beträchtlichen Teil ihrer Zeit damit beschäftigt, sich um die Tiere zu kümmern“.

Der komplette Viehbestand wurde abgeschafft, nicht zuletzt auch wegen überbordender Bürokratie. Auf Schönheitskosmetik kann verzichtetet werden, entschied Valder. Sogar die Jungpflanzen gedeihen gut zwischen Unkraut, sie bekommen zudem weder Wasser noch Dünger. Naturauslese nennt Valder das. „Ich verpflanze nur die Bäume, die unter diesen Bedingungen gut zurechtkommen.“

Mit einem Schlag ohne Personal in der Produktion

Der großen Umstrukturierung im Betrieb ging ein tragisches Unglück voraus: Zwei Firmenfahrzeuge stießen auf einem matschigen Wirtschaftsweg frontal zusammen. Niemand war angeschnallt. Drei Rettungshubschrauber und zehn Krankenwagen kamen zum Einsatz, um die zum Teil Schwerverletzten abzutransportieren. Mit einem Schlag stand Valder mitten in der Saison fast ohne Personal da. „Die Leute aus dem Ort sind zum Glück direkt eingesprungen und haben uns aus der Situation geholfen.“

Valder strukturierte um. Neue Maschinen wurden konstruiert, damit Handarbeit noch weiter ersetzt werden konnte. Die Arbeit außerhalb der Pflanz- und Erntesaison übernahm er ab sofort selbst, „weil ich Rationalisierungspotenzial so am leichtesten erkennen konnte“. Auf eigenes Personal wurde fortan verzichtet. Der Wechsel habe sich im Nachhinein als sehr positiv erwiesen, denn alle Marotten, die sich im Laufe von 25 Jahren eingeschlichen hatten, gab es nicht mehr.

2.000 bis 3.000 Weihnachtsbäume pro Tag kein Problem

Ein rumänischer Subunternehmer kümmert sich seitdem selbstständig um die Ernte. „Die Schlüssel sind sorgfältiges Auszeichnen der Bäume und eine penible Vorbereitung der Logistik“, sagt Valder. Vier Monate im Jahr bindet er farbige Markierungen an die Bäume, die den Arbeitern bei der Ernte zur Orientierung dienen. Gelb steht für kleine Bäume, Blau für die mittleren und Rot für die größeren. Hinzu kommt eine zweite Markierung für die Qualität: zweimal die gleiche Farbe bedeutet Premium, ein zweites Band in Weiß Standard-Qualität. Zudem erfasst Valder bei der Markierung die verfügbaren Mengen genau, damit er nicht mehr verkauft als verfügbar ist.

2.000 bis 3.000 Bäume am Tag sind kein Problem, bezahlt wird pro Stück. „Das ist die gleiche Menge wie vor zehn Jahren, allerdings mit der Hälfte an Personal.“ Die Erntehelfer wohnen auf dem Tannenhof in komfortablen Zimmern zu je zwei bis drei Mann. Valder hat die Unterkunft mit WLAN, Satellitenfernsehen und Telefon ausgestattet. Der Monatsverdienst eines Arbeiters entspreche in etwa einem rumänischen Jahresgehalt. „Geschunden wird hier niemand, und alle sind glücklich mit dem Arrangement“, sagt Valder.

Weihnachtsbäume: Erste Wahl eher selten verlangt

Das Geschäft mit den Bäumen läuft gut, die meisten werden auf dem Tannenhof in der Standard-Qualität für 15 bis 30 Euro das Stück verkauft. Nur wenige Endkunden seien bereit, mehr als 40 Euro für einen Baum auszugeben, auch nicht für Premium-Qualität. Deshalb stecke er keine unnötige Arbeit in die Bäume und mache zum Beispiel keinen Korrekturschnitt. „Das bekommt man am Ende nicht bezahlt, und die zehn Prozent erste Wahl, die benötigt wird, wächst von allein.“

Aus Bäumen, denen beispielsweise die Spitze fehlt, könnte Valder Tannengrün machen lassen. Stattdessen verkauft er sie aber für einen kleinen Preis ins Ausland. In anderen Ländern interessiert es die Menschen nicht, wenn ein Baum mehrere Spitzen hat oder nicht perfekt gerade gewachsen ist.

Mehr zum Tannenhof Schneiders, anderen Betrieben und Themen rund um die Produktion lesen Sie im aktuellen TASPOextra Weihnachtsbäume, das in Ausgabe 35 erschienen ist.