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Weihnachtsbäume: „Wir bieten Service, Aldi nicht“

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Immer wieder bringen Störfaktoren den sensiblen Markt des Weihnachtsbaum-Verkaufs durcheinander. Waren es vor einigen Jahren die Baumarktketten, die mit Lockangeboten zu Schleuderpreisen die Branche beunruhigten, mischen seit 2017 auch Aldi und Co. beim Nordmann-Tannen-Verkauf mit. Was bedeutet das für traditionelle Händler?

Beratung und Service gehören bei traditionellen Händlern, die ihre Weihnachtsbäume ab Hof oder an Ständen verkaufen, dazu. Foto: Smileus/Fotolia

Nordmann-Tannen für 12,99 Euro

Detlef Nötel aus Isernhagen, einer der größten Anbauer in Niedersachsen mit rund 80 Verkaufsplätzen im Großraum Hannover, sagt: „Aldi spielte für uns 2017 eine untergeordnete Rolle. Zumindest in unserer Region war eher der Online-Verkauf ein Störfaktor oder die OBI-Aktion mit dem Volksweihnachtsbaum in drei Größen und Preisklassen von 15 bis 25 Euro. Ein erheblicher Teil der Kunden ist aufgrund der massiven Werbung direkt in den Baumarkt gefahren.“

Helmut Stoll von der Firma Fritz Stoll Christbaumkulturen in Neresheim-Weilermerkingen erinnert sich an eine gewisse Verunsicherung 2017 bei den Platz-/Standhändlern, als bekannt wurde, dass Aldi-Filialen Nordmann-Tannen für 12,99 Euro verkaufen werden. Niemand wusste ja, in welcher Anzahl die Aldi-Filialen die in den Prospekten beworbenen Bäume anbieten werden. Mehr noch als die Mengen, so Stoll, wirkte der genannte Preis störend.

Nur wenige Weihnachtsbäume pro Aldi-Filiale

Als zu Beginn der Verkaufssaison bekannt wurde, dass jede Filiale nur geringe Mengen anbietet, legte sich die Aufregung wieder. Stoll: „Auch wir hatten eine baumverkaufende Aldi-Filiale in der Nähe eines unserer vielen Verkaufsstände. Viele Stammkunden informierten sich dort, kamen aber zu unserem Stand zurück. Wir bieten Service, Aldi nicht.“

Um welche Mengen an Aldi-Bäumen es genau geht, ist nicht bekannt. Die Vermutungen liegen zwischen 100.000 und 250.000 in 2017 und 200.000 bis 250.000 Stück für dieses Jahr. Mengen, die auf dem Markt, zumal in Ballungsgebieten, durchaus spürbar sein dürften.

Nach Bekanntwerden der 2018er-Aldi-Preise werden die Platz-/Standhändler und Wiederverkäufer auf jeden Fall wieder vor dem Problem stehen, gegenüber dem Kunden argumentieren zu müssen, warum sie so viel Geld verlangen – vorausgesetzt, die Kunden kommen überhaupt zu ihnen.

Woher kommen die Billigbäume?

Offizielle Informationen, woher die Billigbäume kommen, gibt es nicht. Unter der Hand wird die Vermutung geäußert, dass 2017 ein Teil der über Aldi abgesetzten Weihnachtsbäume von polnischen Kulturflächen stammen, die dort von einer großen Firma aus Jütland produziert werden. Logistik und Transport soll unter anderem in den Händen eines dort vor Ort agierenden Sauerländers erfolgt sein.

Die Aufbereitung der Discounterbäume ist aufwendiger als beim Absatz über den traditionellen Handel. Die genetzten Bäume kommen auf die CC-Karren und werden vor Ort bis zum Abtransport in Hallen gelagert. Die Bäume müssen nämlich trocken in den Versand gehen, damit sie später bei der Präsentation die Discounter-Verkaufsflächen nicht unnötig verschmutzen.

In 2018 soll nach Insider-Informationen auf jeden Fall ein Sauerländer Produzent und eine weitere Firma aus Fünen (Dänemark) ihre in Polen kultivierten Weihnachtsbäume über Aldi & Co. vermarkten, mutmaßlich für unter vier Euro je Baum.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie im aktuellen TASPO WeihnachtsBaum, unserem Fachjournal für Weihnachtsbaum und Schnittgrün, das am 19. Oktober in der TASPO 42/2018 erschienen ist.