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Weihnachtsbaumsämlinge: weitere Betrugsversuche

Die Betrugsversuche mit Weihnachtsbaumsämlingen ziehen weitere Kreise: Wie jetzt bekannt wurde, nahmen die beiden Niederländer (vgl. TASPO Ausgabe 22/2012) auch zu Baumschulen im Kreis Pinneberg Kontakt auf. Die Polizei geht deshalb von organisierter Kriminalität aus. 

Erst ab einer gewissen Größe, wie diese 2/1-Jungpflanzen, eignen sich Nordmanntannen zur Neubegründung einer Weihnachtsbaumkultur. Foto: Liebgard Jennerich

Im Extra Weihnachtsbaum in der TASPO 22/12 berichteten wir über zwei Niederländer, die bei einer nordrhein-westfälischen und einer dänischen Forstbaumschule Abies nordmanniana- und A. nobilis-Jungpflanzen geordert und auch abgeholt beziehungsweise geliefert bekommen hatten, anschließend aber nicht bezahlten.

Nun erreichten uns Informationen, dass Anfang März die beiden Niederländer, die sich als Herr Fritsel und Herr van Hasselt vorstellten, und ebenso der polnische Lohnunternehmer namens Andrej Stanislaw Juroszek (angebliche Firmenanschrift in Leerdam identisch mit dem ersten Fall), auch zu zwei Forstbaumschulen aus dem Kreis Pinneberg Kontakt aufgenommen hatten.

Beide Baumschuler waren aber misstrauisch und blockten mit der Begründung, dass sie ausverkauft seien, einen Handel ab. Ein weiterer Baumschuler aus dem Kreis Pinneberg hatte wohl „Glück“, die Niederländer trafen ihn im Betrieb nicht an. Zu einem vierten Baumschulunternehmen im Kreis wurde per Mail Kontakt gesucht, der Angeschriebene beantwortete die aber gar nicht erst.

Bei einem Forstbaumschuler und Weihnachtsbaum-Produzenten in der Eifel fragte das Duo nach 100.000 bis 200.000 Weihnachtsbaum-Sämlingen 2/0. Eine ungeeignete Größe für die Neuanlage einer Weihnachtsbaum-Plantage, so der Eifeler Baumschuler, der vermutet, dass die Pflanzen eher zur Weiterkultur in einer Baumschule gedacht waren.

Weil er Reklamationen befürchtete, bot er statt dessen 20.000 vierjährige Sämlinge an. Die wollten die beiden Interessenten aber nicht. Nach dem Besuch und der Pflanzenbesichtigung sei die Kontaktaufnahme sehr einseitig gewesen. Es gab keine Firmen- oder Mail-Anschrift und keinen Telefonkontakt in die Niederlande, nur die Aussage: „Wir melden uns“.

Seiner Empfehlung, die gewünschten Pflanzen bei einer weiteren Forstbaumschule aus dem Kreis Pinneberg zu kaufen, folgten die beiden Niederländer. Als es aber um Bezahlung und Auslieferung ging, brach auch dort der Kontakt ab.

Gut möglich, dass es weitere Versuche gab, die bisher nicht bekannt wurden. Da es sich offenbar um organisierte Kriminalität handelt und auch ein Betrugsversuch strafbar ist, sollten sich alle Betroffenen, auch wenn sie keinen finanziellen Schaden erlitten haben, bei ihrer örtlichen Polizeidienststelle melden, rät die involvierte Polizeidienststelle in Nordrhein-Westfalen. Die Anzeigen würden dann polizeiintern bundesweit abgeglichen.

Der Fall aus Nordrhein-Westfalen ist mittlerweile über ein internationales Rechtshilfeabkommen und Interpol in die Niederlande weitergeleitet worden. Zwischenergebnisse liegen aber noch nicht vor. (jen)