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Wenig Niederschlag: Stress für Pflanzen und Gärtner

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Hitzerekord und wenig Niederschlag – viele Produzenten und Dienstleister in der Grünen Branche schauen in diesen Tagen mit Argusaugen auf die Wettervorhersagen. Während viele Obstbauern erfreut sind, haben viele Baumschulen bereits jetzt mit massiven Trockenschäden zu kämpfen. Und Friedhofsgärtner sprechen von einem teuren Pflegejahr.

Ob in Baumschulen, im Garten- und Landschaftsbau oder auf dem Friedhof: In vielen Teilen Deutschlands muss aufgrund der Hitze und anhaltenden Trockenheit bewässert werden. Foto: Tomasz Zajda/Fotolia

Obst: europaweit gute Ernte erwartet

Die Obstbauern in Norddeutschland sind derzeit sehr zufrieden. Die Sonne führt dazu, dass Früchte viel Zucker bilden können. Die Qualität des Obstes sei gut, erklärte Helwig Schwartau von der Agrar Informations-Gesellschaft (AMI) in Hamburg. Wegen der hochsommerlichen Temperaturen könne das Obst genauso früh wie in Süddeutschland geerntet werden. Prognosen sprechen von einer guten Erntemenge in ganz Europa.

„Für uns Friedhofsgärtner bedeutet die negative Niederschlagsbilanz einen absolut erhöhten Arbeitsaufwand“, erklärt dagegen Birgit Ehlers-Ascherfeld, Vorsitzende des Bunds deutscher Friedhofsgärtner (BdF).

Friedhofsgärtner „am Limit“

„Meine Kollegen mit ihren Mitarbeitern aus Leipzig, Kiel, Trier, Stuttgart, Hannover und vielen anderen Regionen sind am Limit“, berichtet Ehlers-Ascherfeld gegenüber der TASPO und schätzt schon jetzt ein: „Es wird ein teures Pflegejahr.“ Ohne zusätzliche Wasserversorgung würden viele Grabbepflanzungen diesen Sommer wohl nicht überstehen. Trotzdem kommt es dazu, dass durch die starke Sonnenstrahlung viele Pflanzen auf den Gräbern förmlich verbrennen.

Hitze und Trockenheit bereiten weiter unerwünschte Folgen: Bodendecker und Koniferen können oftmals nicht wie gewohnt geschnitten werden. Verbrennungen an den Schnittkanten wären hier ebenfalls die Folge. „Wir können bei den Kunden, die ungeduldig werden, nur um Verständnis bitten“, so Ehlers-Ascherfeld. „Der Grabzustand ist auch für uns nicht befriedigend, aber der Pflanzenerhalt hat oberste Priorität.“ Neuanlagen auf dem Friedhof seien derzeit tabu.

GaLaBau: Gießarbeiten statt Neupflanzungen

Das gelte auch für den GaLaBau, bestätigt Margareta Kulmann-Rohkemper. „Nicht nur die Pflanzen haben bei diesen Temperaturen Stress, sondern auch unsere Mitarbeiter.“ In ihrem Betrieb in Marl starten die Mitarbeiter derzeit morgens früher und arbeiten keine ganze Schicht. Ausgleich schafft die Jahresarbeitszeit. Statt Neupflanzungen stehen derzeit Gieß- und Erdarbeiten auf dem Plan.

Landauf landab ist der Laubfall, besonders bei Birken, enorm. Teilweise sieht es bereits aus wie im Herbst. Manche Städte wie Münster bringen Wassersäcke an städtischen Bäumen an, schicken die Feuerwehr mit Löschfahrzeugen, um Grünflächen zu bewässern, oder bitten Anwohner, zur Gießkanne zu greifen.

Weihnachtsbäume: Jungpflanzen leiden besonders

Die andauernde Hitzewelle in einigen Teilen Deutschlands macht auch vielen Weihnachtsbaum-Produzenten zu schaffen. Wie der Bundesverband der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünanbauer (bvwe) schreibt, ist die Situation – regional unterschiedlich – langsam als dramatisch zu bezeichnen. Wobei abzuwarten bleibe, wie es in den kommenden Wochen witterungsmäßig weitergeht.

Während die großen Bäume laut bvwe aktuell noch gut stehen, sei vor allem den Jungpflanzen anzumerken, dass sie mit der Hitze und der fehlenden Feuchtigkeit zu kämpfen haben. In einigen Teilen Deutschlands gehe man inzwischen von Verlusten in Höhe von 20 bis 25 Prozent der Neupflanzungen aus.

Baumschulen: steigende Gehölzpreise wegen Trockenschäden

Über massive Trockenschäden berichten derzeit auch viele Baumschulen, informiert der Bund deutscher Baumschulen (BdB). Betroffen seien vor allem die Anbaugebiete im Westen, Norden und Osten Deutschlands und eine Gesamtfläche von rund 20.000 Hektar.

Wie eine aktuelle Verbandsumfrage unter den BdB-Mitgliedsbetrieben ergeben hat, sind sowohl die bodengebundenen Gehölzkulturen auf den Feldern als auch die Produktion in Töpfen im Freiland teilweise stark von der Hitze und der andauernden Trockenheit betroffen. Eine temporäre Verknappung auf dem Markt ist aufgrund der Trockenschäden unausweichlich, so der BdB.

„Dies wird sich auf die Preise für unsere Gehölze auswirken, die auf breiter Ebene steigen werden“, erklärt BdB-Präsident Helmut Selders. Zu den direkten Schäden an den Pflanzen würden noch weitere Preistreiber wie der erhöhte Personalaufwand für die Bewässerung und die steigenden Energiekosten hinzukommen, so Selders weiter.