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Werbegeld von der EU: Branche fordert stärkeren internationalen Austausch und Verbesserungen

Der europäische Bauern- und Genossenschaftsverband COPA-COGECA veranstaltete am 14. März in Brüssel ein erstes Seminar zur Zukunft der europäischen Absatzförderungspolitik für Agrarerzeugnisse. Der Workshop mit Teilnehmern aus ganz Europa fand in Zusammenarbeit mit dem europäischen Verband der Nahrungsmittelindustrie (FOODDRINK EUROPE) und dem europäischen Agrar-Handelsverband (CELCAA) statt, wie der Zentralverband Gartenbau (ZVG) meldet. Dabei wurde vor allem der Ruf nach einer verstärkten Kooperation zwischen den Mitgliedstaaten laut. 

Ziel der Absatzförderungspolitik sei es, den Verkauf europäischer Produkte auf den Märkten der Welt zu unterstützen. Das sagte Professor Dr. Klaus-Dieter Borchardt, verantwortlich für die Absatzförderungspolitik in der EU-Kommission, in seinem Eingangsstatement. Dabei müsse bei jeder geförderten Kampagne in Zukunft noch klarer als bisher ein europäischer Mehrwert erkennbar sein, ja sogar im Vordergrund stehen. Für nationale Alleingänge oder gar einzelunternehmerische Interessen werde die EU kein Geld geben. Borchardt plädierte daher für eine Verstärkung der Kooperation zwischen den Mitgliedstaaten, sah aber auch, dass hierfür vor allem bürokratische Hürden abzubauen seien.

Für den EU-Markt sehe er den Fokus auf den Themen „Hohe Qualität durch hohe Produktions- und Hygienestandards“ sowie Tiergesundheit. Den Verbrauchern gegenüber müssten diese Vorzüge europäischer Produkte zu einem wichtigen Thema gemacht werden, um durch lebendige Geschichten hinter den lokalen und regionalen Produkten die Identifikation zu stärken. Als weiterer Schwerpunkt dürfe die Bereitstellung von Mitteln für die Krisenintervention, wie etwa im EHEC-Fall 2011, nicht vergessen werden. Den Zugang auch kleiner und mittlerer Unternehmen zu den externen Märkten werde die EU etwa durch gemeinsam organisierte Auslandsmessen, technische Unterstützung und Beratung fördern. Hier schwebe Borchardt zudem vor, mit gemeinsamen „Warenkörben“ aus den unterschiedlichsten europäischen Produkten im außereuropäischen Ausland aufzutreten.

Als notwendige Maßnahmen wurden die Vereinfachung der Verwaltungsverfahren bei Beantragung, Genehmigung und Abwicklung der Förderprogramme gesehen, insbesondere, wenn diese länderübergreifend angelegt seien. Zudem müssten nicht zwingend Drei-Jahres-Programme ausgeschrieben werden. Hier sollte über eine Flexibilisierung nachgedacht werden, auch über kürzere Förderperioden, um flexibler neue Märkte erforschen, Erfolgsmöglichkeiten ausloten und dann die Förderung schneller den Gegebenheiten anpassen zu können. Über das zu erwartende Budget der Absatzförderung äußerte sich Professor Dr. Borchardt nicht. Ende 2012 könnten erste Entwürfe für das anstehende Gesetzgebungsverfahren vorliegen. Die Verbände rief er auf, sich weiter konstruktiv an diesem Prozess zu beteiligen.

Die Verbandsvertreter unterstützen die Ansicht der Kommission und hoben insbesondere die Fokussierung auf einen europäischen Mehrwert und die Vereinfachung der Verfahren hervor. Dazu solle der Sachverstand und die Erfahrung der Projektbeteiligten aus Verwaltung und Verbänden unbedingt herangezogen werden.

In den anschließenden Workshops wurden in Kleingruppen einzelne Projekte aus verschiedenen Sparten vorgestellt. Für die europäische Weihnachtsstern-Kampagne „Stars for Europe“, die als einziges deutsches Projekt aus dem Bereich Zierpflanzen für 2011 bis 2014 für ihre Mehrländerkampagne europäische Fördermittel erhält, nahm die Projektmanagerin Dr. Susanne Lux, mec marketing and ethics consulting, teil.

In Deutschland werden ferner aus dem Bereich Obst und Gemüse das Projekt „5 am Tag“ sowie die „QS-Initiative Qualitätssicherung“ mit EU-Mitteln gefördert. Übereinstimmend wurde aus dem Zierpflanzen- sowie aus dem Obst- und Gemüsesektor das schwierige Verwaltungsverfahren vor allem bei multinationalen Projekten, die von mehreren Ländern beantragt werden, bemängelt.

Bei diesen Projekten stünden die Verantwortlichen vielen unterschiedlichen nationalen Verwaltungseinheiten gegenüber, die zudem nicht koordiniert seien. Ein wesentlicher Faktor, der neben hohem Mehraufwand oft zu zeitlichen Verzögerungen bis hin zu Teilausfall geplanter Maßnahmen führen kann. Dazu trägt unter anderem ein mehrsprachiger Kommunikations- beziehungsweise Abstimmungsprozess bei, mit der Notwendigkeit der Übersetzung in alle involvierten Sprachen.

In der Gestaltung der Absatzföderprogramme wurde mehr Spielraum gefordert. Es müsse möglich sein, Projekte flexibler zu führen, und Teile des Budgets wenn nötig auch anders einzusetzen. Vielfach sei eine so genaue Planung wie derzeit gefordert in einem Drei-Jahres-Rahmen gar nicht möglich. Der Ansatz der Kommission, gesteigerten Wert auf Mehr-Länder-Projekte zu legen, erfordere weitere Vereinfachungen, zum Beispiel einen einheitlichen Ansprechpartner in der Verwaltung, wie es unter der aktuellen EU-Verordnung 3/2008 mit dem Zielländer-Ansatz bereits möglich ist und im Rahmen der EU-geförderten Weihnachtssternkampagne auch schon umgesetzt wird.

Stars for Europe involviert mehrere Länder, aber nur eine nationale Verwaltungseinheit, die deutsche Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Um gleichzeitig den nationalen Bezug und den Austausch zwischen den EU-Ländern zu fördern, bezieht Stars for Europe die nationalen Marketingorganisationen, wo vorhanden, ein. Zum Beispiel in den Niederlanden das Blumenbüro Holland (BBH), in Frankreich das Bureau Horitcole Regional (BHR) oder in England die British Protected Ornamentals Association (BPOA). Somit kombiniert der Zielländer-Ansatz, der der Weihnachtssternkampagne zugrunde liegt, den von der EU bevorzugten Mehrländer-Ansatz mit einer – vergleichsweise – schlanken Administration und kurzen Reaktionszeiten.

Die Beteiligten verabredeten als notwendige weitere Schritte, die bessere Vernetzung voranzutreiben, um einerseits bereits jetzt über multi-nationale Projekte ins Gespräch zu kommen, um andererseits aber auch das Kommissionsvorhaben intensiv weiter zu begleiten und mit der Fachkompetenz der Projektbeteiligten zu unterstützen. (zvg)