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„Wir müssen uns für unseren Torf nicht schämen“

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Über das Thema Torfabbau zu sprechen, ist für Gramoflor-Geschäftsführer Josef Gramann gleichzeitig Lust und Frust. Lust, weil es ihm Spaß macht, Überzeugungsarbeit in Sachen Moor-Renaturierung zu leisten. Und weil er und seine Mitarbeiter für das Thema lichterloh brennen. Frust, weil das Thema Torfabbau so erklärungsbedürftig und gleichzeitig so emotional aufgeladen ist.

Oft sei es schwer, ökologische Laien zum Zuhören zu bewegen. „Sie können sich nicht vorstellen, wie viel Zeit ich damit verbringe, gegen Windmühlen zu kämpfen“, seufzt Josef Gramann. Torf ist eben ein Reizthema, bei dem viele lieber mitreden, statt zu lernen.

Problematisch: das Engagement unwissender Umweltschützer

Ein großes Problem sind nach Gramanns Erfahrungen die – wie er sie nennt – „nichtwissenden Moorschützer“, die sich in ein Engagement stürzen, das auf Hörensagen beruht statt auf Sachinformationen. Eine solche Sachinformationen etwa ist, dass tatsächlich durch den Torfabbau schon lange keine intakten Moore mehr zerstört werden. Dass viel mehr schädliches CO2 in die Atmosphäre gelangt, indem die Torfflächen landwirtschaftlich genutzt statt abgebaut werden.

„Ich bin 15 Jahre mit einem schlechten Gewissen durchs Leben gelaufen. Aber inzwischen bin ich ein richtiger Fan von Torfabbau“, sagt Gramann. Wenn sich der Gramoflor-Geschäftsführer als „Fan von Torfabbau“ bezeichnet, meint er die Kombination aus Abbau und gleichzeitiger Rekultuivierung im Ober- und Unterfeld-Verfahren.

Unterfeld wird während des Torfabbaus mit „Moosi“ geimpft

Torfgewinnung und Renaturierung laufen dabei parallel: Während des Abbaus an der Oberfläche werden unten im schon abgebauten Teil des Torfes Pionierarten von Torfmoosen ausgebracht. „Moosi“ nennt Gramann sie liebevoll und meint unter anderem die Bulttorfmoose, mit denen Torfflächen schon während des Torfabbaus „geimpft“ werden.

Gramoflors Forschungs- und Entwicklungsabteilung hat selbst ein System zur Vermehrung dieser torfbildenden Moose entwickelt. In Gewächshäusern am Standort Vechta werden die Bulttorfmoose kultiviert und später auf den Torfflächen aufgebracht. Durch die Renaturierung entstehen ökologisch und klimatisch wertvolle Moore, vor allem aber Flächen, die für die nächsten Jahrzehnte geschützt sind.

Rohstoffsicherung und Naturschutz gehen Hand in Hand

Gramann hat sich in den letzten Jahren sehr für eine Versachlichung der Diskussion um Torfabbau stark gemacht und ist oft in die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover gefahren, um mit Politik und Umweltverbänden zu sprechen und Aufklärung zu betreiben. Inzwischen trägt sein Engagement Früchte: Gramoflor gehört zu den wenigen Unternehmen, die Chancen auf weitere Abbaugenehmigungen haben.

Mehr noch: Der Naturschutzbund (NABU) Niedersachsen macht sich inzwischen gemeinsam mit dem Substrathersteller für „Moorpatenschaften“ stark. Denn Rohstoffsicherung und Naturschutz gehen am besten Hand in Hand. Gramann erklärt: „Die Torfflächen werden durch die landwirtschaftliche Nutzung sowieso abgebaut. Da ist es aus Naturschutzsicht von großem Vorteil, wenn ‚richtig‘ abgebaut wird. Dazu kann der Besitzer der Torffläche ja nicht gezwungen werden.“

Dieser Artikel ist Bestandteil des TASPO extra Dünger & Substrate, das in der TASPO 27/2018 erschienen ist.