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Xylella: ein lange übersehener und zwei neue Ausbrüche

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In Südfrankreich sowie in der süditalienischen Region Apulien kam es in den vergangenen Wochen zu neuen Ausbrüchen von Xylella fastidiosa, melden die jeweils zuständigen Landesbehörden. Gleichzeitig ist es Wissenschaftlern im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts XF-Actors gelungen, einen bis dato übersehenen Ausbruch des Feuerbakteriums in den 1990er Jahren auf Mallorca zu rekonstruieren.

Xylella fastidiosa befällt unter anderem Mandelbäume und kann diese zur Absterben bringen. Foto: Cristina MM/Pixabay

Andere Ursachen für Absterben von Mandelbäumen vermutet

Wie die Forschergruppe berichtet, wurde in den vergangenen 15 Jahren auf Mallorca ein starker Rückgang von Mandelbäumen beobachtet. In einer vorläufigen, zwischen 2008 und 2010 durchgeführten Analyse wurde das Absterben der Bäume demnach zunächst mit einem Komplex von Pilzstammpathogenen und deren Wechselwirkung mit krankheitsbegünstigenden Faktoren wie anhaltender Trockenheit und Baumalterung in Verbindung gebracht. Durch den im Oktober 2016 erfolgten Nachweis des Feuerbakteriums Xylella fastidiosa auf der Balearen-Insel wurde diese Diagnose jedoch in Frage gestellt.

Tatsächlich wurden die Erkrankungen an den Mandelbäumen auf Mallorca durch Xylella fastidiosa ausgelöst. Der Schaderreger war um 1993 auf die Balearen-Insel eingeschleppt worden und hatte sich in der Folge auf die dortigen Weinreben ausgebreitet. An ihnen hatte es die sogenannte „Pierce‘sche Krankheit“ verursacht, die innerhalb von ein bis zwei Jahren zum Absterben von befallenen Rebstöcken führen kann. Den Forschern von XF-Actors zufolge blieb das Feuerbakterium so jahrzehntelang im Mittelmeerraum an Mandelbäumen und anderen Wirtspflanzen unentdeckt, weil Schadsymptome irrtümlich auf andere Erreger oder Trockenstress zurückgeführt wurden.-

Forschungsergebnisse stellen Bekämpfungsstrategien in Frage

Anhand der in der Studie verwendeten Modelle kamen die Forscher nach eigenen Angaben zu dem Schluss, dass die auf Mallorca vorkommenden Xylella-Unterarten fastidiosa ST1 und multiplex ST81 sowie in Kalifornien an Mandelbäumen und Weinreben auftretende Populationen des Feuerbakteriums auf gemeinsame Vorfahren zurückgehen. Auf Basis dieser Erkenntnis wurden in Baumringen Infektionen mit Xylella-fastidiosa-DNA aus dem Jahr 1998 identifiziert. Den Forschern zufolge stellen diese Ergebnisse auch die Angemessenheit von Bekämpfungs- und Notfallstrategien in Frage, sofern nicht vorab die epidemiologische Geschichte der einzudämmenden Krankheitsausbrüche untersucht wurde.

Neue Xylella-Ausbrüche in Apulien und Okzitanien

Unterdessen melden die italienischen Behörden einen neuen Xylella-Ausbruch in der Region Apulien. Berichten zufolge wurde der Erreger jüngst an rund 50 Olivenbäumen nahe der Stadt Monopoli gefunden, am äußersten Rand der dort eingerichteten Pufferzone. Einer der befallenen Bäume befinde sich demnach sogar außerhalb davon in der sogenannten Sicherheitszone. Experten bringen diesen Ausbruch mit der durch das Gebiet verlaufenden Staatsstraße 16 in Verbindung – vermutlich wurde die häufig auf Autos anzutreffende Schaumzikade, einer der Hauptüberträger von Xylella, so von der Befalls- in die Pufferzone transportiert, heißt es.

Erstmals zu einem Xylella-Ausbruch kam es darüber hinaus in Okzitanien. Berichten zufolge wurde das Feuerbakterium in einem Zierpflanzen-Betrieb in der südfranzösischen Region festgestellt, diese war laut französischem Landwirtschaftsministerium bisher frei von der Krankheit. Der Schaderreger wurde demnach im August bei einer Routineuntersuchung in Lavandula x intermedia ‘Grosso’ entdeckt. Entsprechende Maßnahmen gemäß der neuen Durchführungsverordnung (EU) 2020/1201 wurden sowohl in Okzitanien als auch in Apulien ergriffen.

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