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Zierpflanzen – wirklich ein Produkt ohne Nutzen?

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Gemüse, Kräuter, Bäume – sie alle haben einen erkennbaren Nutzen. Aber wie ist es mit Zierpflanzen? Brauchen wir die überhaupt noch? Ist ihr Ressourcenverbrauch in Zeiten von „Fridays for Future“ überhaupt noch zu rechtfertigen? Die Corona-Pandemie gibt hier eine klare Antwort.

Nicht essbar, kein Ertrag, keine gesundheilende Wirkung – Zierpflanzen haben trotzdem einen hohen Nutzen für die Menschen, wie das Bild eindeutig beweist. Foto: cottonbro/Pexels

Zierpflanzenbau gerät immer wieder in Erklärungsnöte

„Für die Zierpflanzen-Forschung war es immer schon schwieriger, Gelder zu bekommen“, weiß Prof. Dr. Bernhad Beßler, Leiter des Geschäftsbereichs Gartenbau der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Ahlem. Dann sei die „Fridays für Future“-Bewegung gekommen – und der Zierpflanzenbau sei auch hier wieder in Erklärungsnöte geraten – „vom Torf bis zum Topf“, so der Wissenschaftler. Trotzdem ist seine Antwort auf die Problematik eindeutig: „Wir brauchen nicht in die Defensive gehen, sondern wir müssen unseren Wert erklären können“, spricht Beßler für die Zierpflanzen-Branche. Dürfe man auch für etwas, das als Nutzen „nur“ Freude vermittelt, Ressourcen verbrauchen? „Ja, man darf!“, sagt er ganz klar.

Schon im alten Ägypten galt Blumenstrauß als etwas Besonderes

„Zierpflanzen sind ein Teil unserer Kultur. Kultur ist eine lebenswichtige Säule unserer Gesellschaft. Mit diesem Bewusstsein können wir uns jeder Diskussion um die Notwendigkeit der Zierpflanzen-Produktion stellen“, gab er der Branche beim diesjährigen Ahlemer Forum an die Hand. Für seine Argumente ging Beßler in die Historie zurück: Auch, wenn erst ungefähr im 16. Jahrhundert erstmals vom kommerziellen Zierpflanzenbau berichtet wird, so galt doch schon vor über 2.000 Jahren im alten Ägypten der Blumenstrauß als etwas Besonderes und Wertvolles. Seit dem 18. Jahrhundert mehrte sich auch bei uns die Darstellung von Blumen und Pflanzen in Bildern, eine Fülle an neuen Pflanzen kam über Entdecker wie Columbus nach Europa, Blumen und Pflanzen wurden Objekte der Neugier, des Wissens, Träger der Schönheit. Mit der kulturellen Umstellung sei eine zunehmende Trennung von Nutzen und Schönheit eingetreten.

Neue Fakten tun der Bedeutung der Zierpflanze gut

Die Grüne Branche habe für das Produkt Pflanze moderne Kulturverfahren entwickelt, an der Rationalisierung von Kulturverfahren gearbeitet, Lohnkosten reduziert, Energiekosten zurückgefahren. Durch die Massenproduktion habe die Pflanze auch an Wert und als Sinnbild für Schönheit verloren. Ein verlorenes Image, an dessen Wiederherstellung Kampagnen und generische Werbung intensiv und immer wieder arbeiten. Dazu fänden sich immer wieder neue Fakten, die der Bedeutung der Zierpflanze guttun: „Luftreinigend, bienenfreundlich, bio“, zählt Beßler einige Attribute auf. Alles Eigenschaften, die zu neuer Wertschätzung beitragen. „Nun ist uns der Wert von Kultur in der Corona-Zeit noch einmal mehr deutlich geworden“, betont Beßler: „Ob Theater, Musik, schöne Schuhe, edles Parfum – in diese Kategorie gehören Zierpflanzen auch“, so seine Analyse.

Dinge können ihren Wert haben – auch ohne erkennbaren Zweck. Und so bekommt der Satz, „Wir leben nicht vom Brot allein“ in Beßlers Ausführungen noch einmal eine andere, auf den Gartenbau bezogene Bedeutung: Gerade jetzt in der Pandemie zeige sich, welchen Wert schöne Dinge wie Pflanzen für die Menschen haben: Sie erfreuen, trösten, bringen Spaß und Beschäftigung. „Stay at home – aber nur mit Pflanzen“, resümierte Beßler die Einstellungen vieler Menschen dann auch. „Die Entscheidung, ob solche Dinge es uns wert sind, gilt für Pflanzen genauso wie für Urlaube – hier wird die Eigenverantwortung eines jedes einzelnen künftig eine immer größere Rolle spielen.“

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