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Zu hohe Urangehalte im Grundwasser durch Volldünger vermutet

Eine Änderung der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) betrifft das Schwermetall Uran, für das seit dem 1. November 2011 ein Grenzwert in Höhe von zehn Mikrogramm pro Liter Wasser gilt. Innerhalb der europäischen Union ist dieser Grenzwert bislang einzigartig. 

Durch die Festlegung eines Uran-Grenzwertes wird die Wasseraufbereitung in Zukunft kostspieliger. Foto: Stefan Rajewski – Fotolia.com

Die Mengenbegrenzung im Trinkwasser führte in der Folge auch zu Diskussionen über mögliche Eintragspfade des Schwermetalls ins Grundwasser.

Verschiedene Medienberichte, so beim Fernsehsender N24 und auch in der ZDF-Sendung „Wiso“ vom 19. März 2012, griffen das Thema auf und machten vor allem die mineralische Phosphatdüngung für gesundheitsbelastende Uranwerte im Grundwasser verantwortlich. Auch das Umweltbundesamt (UBA) verweist darauf, dass in Deutschland jährlich rund 167 Tonnen Uran über die Düngung auf landwirtschaftliche Flächen gelangen. Dies stelle eine Mehrbelastung zu den natürlichen Uranvorkommen in Gestein und Boden dar, die im Verlauf der Zeit ebenfalls einer Auswaschung unterliegen.

Um den Eintrag ins Grundwasser künftig minimieren zu können, empfiehlt das UBA nun die Festlegung eines gesetzlichen Grenzwertes für den Urangehalt in Düngern (50 Milligramm Uran je Kilogramm P2O5). Ebenso fordert es kurzfristig eine Kennzeichnungspflicht für Dünger ab einem Gehalt von 20 Milligramm Uran je Kilogramm P2O5. Vor diesem Hintergrund hatte „Wiso“ eine Untersuchung von zwölf in Landwirtschaft und Gartenbau gebräuchlichen Volldüngern in Auftrag gegeben, in deren Ergebnis die meisten der geprüften Produkte deutlich zu hohe Uranwerte aufwiesen. Dieser Darstellung widerspricht der Industrieverband Garten (IVG) und verweist in einer Stellungnahme auf fachliche Fehler bei der Uran-Grenzwert-Zuordnung.

In Bezug auf die bislang fehlende Grenzwertregelung für Urangehalte in Düngern beruft sich der IVG auf Angaben des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR), des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) sowie des wissenschaftlichen Beirates für Düngungsfragen beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Demnach ergaben wissenschaftliche Untersuchungen des BfR als für die toxikologische Bewertung von Düngemitteln zuständige Behörde kein nennenswertes gesundheitliches Risiko für Verbraucher.

Dass Uran aus Sicht der Medizin indes nierentoxisches Potenzial besitzt, welches sich unter anderem auf Kleinkinder auswirken könnte, steht ebenfalls außer Frage. Der Gesetzgeber ist deshalb mit der Festlegung eines Uran-Grenzwertes im Trinkwasser seiner Vorsorgepflicht nachgekommen. Zur Folge hat dies, dass die Wasseraufbereitung in Zukunft kostspieliger wird, und nicht ganz zu Unrecht steht die Frage im Raum, ob die Verbraucher allein dafür aufzukommen haben oder ob die Industrie ebenfalls einen Beitrag leisten muss. (ks)