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Zukunftskommission Landwirtschaft legt Abschlussbericht vor

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Mit dem Bericht „Zukunft Landwirtschaft“ hat die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) ihren Abschlussbericht vorgelegt. Das Gremium, in dem auch ZVG-Präsident Jürgen Mertz vertreten ist, unterbreitet darin Empfehlungen und Vorschläge für eine nachhaltige, ökologisch und ökonomisch tragfähige sowie sozial verträgliche Landwirtschaft in Deutschland, die zudem gesellschaftlich akzeptiert ist.

Eine zukunftsfähige und nachhaltige Landwirtschaft zu schaffen zählt zu den Aufgaben der ZKL, die kürzlich ihren Abschlussbericht vorlegte. Symbolfoto: Tim Hill/ Pixabay

Ausweg aus Spannungslagen aufzeigen

Insgesamt zehn Monate des Austausches und intensiver Diskussionen hat es gedauert, bis die ZKL nun ihren Abschlussbericht vorlegen konnte. Zusammengesetz aus Vertretern von Branchenverbänden wie dem Deutschen Bauernverband (DBV) und dem Zentralverband Gartenbau (ZVG), sowie Wirtschaftsvertretern, Umweltverbänden, Verbraucherschutz und Wissenschaft sei es innerhalb der vergangenen zehn Monate gelungen, Leitlinien und Empfehlungen für eine sozial, ökologisch und ökonomisch tragfähige Politik zu beschreiben und sich auf mögliche Wege dahin zu einigen. Demnach sollen Spannungslagen durch enormen Preisdruck, zunehmende Regulierungen und steigende Qualitätsanforderungen unter einen Hut gebracht werden. „‚Immer billiger‘ ist jedoch angesichts der vielfältigen Wechselwirkungen der Landwirtschaft mit Klima, Umwelt, Biodiversität und Tierwohl längst ‚zu teuer‘. Nichts oder zu langsam zu handeln wird unbezahlbar. Die ZKL zeigt nun mögliche Wege aus diesen Spannungen auf“, erklärt Prof. Dr. Peter Strohschneider, Vorsitzender der ZKL.

Zentrale Inhalte des Abschlussberichts

Unter anderem stellt die ZKL die Empfehlung, staatliche Förderungen der Landwirtschaft an gesamtgesellschaftlichen Zielen auszurichten aus. Hier zählen Verbesserungen beim Schutz der Biodiversität, bei der Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen, oder beim Erhalt vielfältiger Landschaftsstrukturen dazu. Eine generelle Diversifizierung der Betriebe sollen dazu beitragen, das Landwirtschafts- und Ernährungssystem in seiner Gesamtheit resilienter auszurichten. Auch im Hinblick auf die GAP empfiehlt die ZKL einen schrittweisen und vollständigen Umbau der Direktzahlungen im Laufe der nächsten zwei Förderperioden im Sinne gesellschaftlicher Ziele. Dieser Prozess müsse möglichst stetig und in klar definierten Schritten verlaufen, um Planungssicherheit zu gewährleisten und Brüche zu vermeiden. Es müsse außerdem von einer bisher inputorientierten Förderung hin zu einer ergebnisorientierten Förderung umgebaut werden. Auch sollen gesunde Ernährungsstile und eine Reduzierung des Konsums tierischer Produkte öffentlichkeitswirksam beworben und gefördert werden. Für sämtliche Empfehlungen reichen demnach bestehende Förderungen nicht aus, finanzielle Lasten müssen gesamtgesellschaftlich und fair aufgeteilt werden.

Transformationsprozess als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

„Dieser Transformationsprozess muss als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden und angegangen werden. Nur dann kann Nachhaltigkeit zum erfolgreichen Geschäftsmodell im Landwirtschafts- und Ernährungssystem werden und sich auch volkswirtschaftlich rechnen. Wir alle müssen jetzt anfangen, in diese Zukunft zu investieren. Wer zuwartet, wird das teuer bezahlen müssen und gegenüber der jungen und kommenden Generationen nicht verantworten können. Die Zukunftskommission als Forum des fairen Interessenausgleichs zwischen Landwirtschaft, Umwelt- und Tierschutz, Wirtschaft und Verbrauchern und zusammen mit der Wissenschaft sendet mit ihren Empfehlungen der Politik ein klares Signal: Ökologisch verantwortliche Landwirtschaft kann betriebswirtschaftlich attraktiv und volkswirtschaftlich vorteilhaft sein“, so Prof. Dr. Peter Strohschneider, Vorsitzender der Zukunftskommission Landwirtschaft.  Am 6. Juli 2021 soll der Bericht an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel übergeben werden.

„Starkes Signal für heimische und regionale Produktion"

„Die Zukunftskommission Landwirtschaft ist mit einem starken Signal für die heimische und regionale Produktion zu Ende gegangen. Wirtschaft und Umwelt sind sich in einem intensiven Diskussionsprozess näher gekommen. Viele Themen, die in den vergangenen Monaten im Plenum und den AGs diskutiert wurden, betreffen auch den gärtnerischen Sonderkulturbereich. Hier konnten wir die Belange des Gartenbaus verankern. Dabei war es uns wichtig, dass den Betrieben eine Perspektive aufgezeigt wird, die ökologischen Veränderungen auch ökonomisch zu bewerkstelligen. Die ZKL ist sich einig, dass der vor uns liegende Weg ein gesamtgesellschaftlicher ist“, kommentiert ZVG-Präsident Jürgen Mertz die Ergebnisse der Kommission.

„Landwirtschaft, Industrie und Umweltverbände haben in der Zukunftskommission viel miteinander und voneinander gelernt. Auch wenn wir manchmal um jedes einzelne Wort rangen, haben wir am Ende verstanden, dass wir in vielem weniger weit auseinander lagen, als es im Alltag manchmal scheinen mag. Auch ganz persönlich war dies für mich eine einmalige Erfahrung“, zieht Dr. Manfred Hudetz, Präsident des Industrieverbands Agrar (IVA) ein positives Fazit und ergänzt: „Unser Abschlussbericht zeigt gute Lösungen auf auch für die Zielkonflikte, die aus der Vielzahl der heute an Landwirtinnen und Landwirte gestellten Ansprüche resultieren. Und er unterstreicht, dass sie für ihre Leistungen angemessen entlohnt werden müssen. Wir glauben an das Leitbild einer Landwirtschaft, die einerseits produktiv und wirtschaftlich stark ist, aber zugleich die Biodiversität fördert und das Klima schont. Dazu will unsere Industrie ihren Beitrag leisten mit immer neuen Lösungen und Technologien. Gerade in der Digitalisierung der Landwirtschaft, das habe ich in vielen Sitzungen der Zukunftskommission betont, liegt erhebliches Potenzial für mehr Nachhaltigkeit: Wir können etwa Dünger und Pflanzenschutzmittel präziser ausbringen und so ihren Einsatz reduzieren.“

 

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