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Zulassung von Pflanzenschutzmitteln: IVA kritisiert: „Holpriger hätte der Übergang kaum sein können“

Seit dem 14. Juni 2011 gilt die EU-Verordnung 1107/2009, die die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln europaweit neu regelt, unmittelbar in allen Mitgliedsstaaten. Das neue Regelwerk legt die Hürden für die Zulassung eines neuen Pflanzenschutzmittels höher, wie das TASPO Magazin 1/2011 bereits ausführlich berichtete. Problem: Die beabsichtigte europäische Harmonisierung und eine Entbürokratisierung des Zulassungsverfahrens dagegen stehen noch aus. Das kritisiert der Industrieverband Agrar (IVA, Frankfurt am Main).

Forschung im Gewächshaus bei Syngenta.Werkfoto

Nach der neuen EU-Verordnung dürfen bestimmte Pflanzenschutz-Wirkstoffe schon dann nicht mehr zugelassen werden, wenn sie in konzentrierter Form schädliche Eigenschaften aufweisen. Für das Pflanzenschutzrecht bedeutet die Einführung dieser Ausschlusskriterien („cut offs“) eine Abkehr von der bislang praktizierten wissenschaftlichen Risikobewertung, die die landwirtschaftliche Praxis zum Maßstab nahm, so die Kritik des IVA: „Pflanzenschutzmittel unterliegen strenger Regulierung und sind neben Arzneimitteln die am intensivsten überwachten Chemikalien“. Ob von den betroffenen Pflanzenschutzmitteln bei korrekter Anwendung durch sachkundige Landwirte überhaupt Risiken für Mensch und Umwelt ausgingen, dass die Dosis entscheide, das spiele mit der jüngsten Verschärfung der Regulierung keine Rolle mehr. 

Engpässe bei Fungiziden zu erwarten

Noch sei schwer zu sagen, wie viele Präparate beispielsweise den Landwirten verloren gehen werden, so der IVA. Aber schon jetzt zeichne sich ab, dass immer weniger Lösungen für die Pilzbekämpfung in wichtigen Bereichen wie dem Getreideanbau zur Verfügung stehen. Auch werde es für die Landwirte schwieriger, Resistenzbildungen vorzubeugen, wenn sie aus einer geringeren Bandbreite an Wirkstoffen wählen können.

Weiter stehe zu befürchten, dass für nur in geringem Umfang angebaute Kulturpflanzen gar keine Mittel mehr zu Verfügung stehen werden, weil die Zulassungskosten solche Produkte unwirtschaftlich machen. „Der Übergang zum neuen europäischen Pflanzenschutzrecht hätte holpriger kaum sein können, so die IVA-Kritik. Ein neues deutsches Pflanzenschutzgesetz, das die notwendigen Anpassungen abbildet, lasse weiter auf sich warten, Prüf- und Bewertungsrichtlinien seien international noch nicht aufeinander abgestimmt.

Sicher sei allenfalls, dass die Gebühren für die Zulassungsverfahren steigen werden, so der IVA. „Das Gesetzespaket, zu dem auch eine umfangreiche europäische Richtlinie gehört, muss jetzt in der Praxis beweisen, ob es sein gesetztes Ziel – ein höheres Schutzniveau für Mensch und Umwelt – wirklich erreichen kann“, sagt Volker Koch-Achelpöhler, Hauptgeschäftsführer des IVA.

Hoffnung auf Harmonisierung innerhalb von Europa

Hoffnungen knüpft der IVA an die erklärten Ziele der EU-Verordnung, die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in Europa zu harmonisieren und die landwirtschaftliche Produktion zu verbessern. So begrüßt die Pflanzenschutz-Industrie die Einführung der sogenannten „zonalen Zulassung“.

In Europa werden drei Zonen gebildet, innerhalb derer die nationalen Behörden arbeitsteilig kooperieren. In der Praxis soll dann ein Mitgliedsstaat federführend entscheiden, ob ein neues Pflanzenschutzmittel zugelassen werden kann. Im Idealfall erkennen die anderen Mitglieder derselben Zone die Zulassung in einem vereinfachten Verfahren an und lassen das Pflanzenschutzmittel in ihrem Land ebenfalls zu. „Die zonale Zulassung ist ein wichtiger Harmonisierungsschritt. Wir haben jetzt die einmalige Chance, Bürokratie abzubauen und die kostenintensiven Zulassungsverfahren schneller und effizienter zu gestalten. So wäre den Landwirten und in letzter Konsequenz den Verbrauchern in Europa gedient“, so Koch-Achelpöhler.

(kla)