Messen

„Alle Anreise bleibt schwer …“ Fazit

Aller Anfang ist schwer“, weiß der Volksmund – aber eigentlich hätten die Besucher der Demopark erwarten dürfen, dass die Kinderkrankheiten inzwischen ausgemerzt sind. Fand sie doch dieses Jahr bereits zum vierten Mal in Eisenach statt.

Im Vorfeld der Messe hatte der Veranstalter angekündigt, dass alles besser werden würde – insbesondere die Verkehrsführung. Wir erinnern uns, vor zwei Jahren dauerte eine durchschnittliche Anfahrt zum Messegelände 1,5 Stunden.

Auf der Infobörse im Mai verwies Dr. Bernd Scherer, Geschäftsführer des VDMA Landtechnik, noch einmal explizit auf diesen Knackpunkt: „Wir haben ein völlig neues Verkehrskonzept entwickelt und auch personell einiges in Bewegung gesetzt, um für die Demopark eine deutliche Entspannung der Verkehrslage zu erreichen. Konkrete Zielsetzung ist es, dass die Besucher von dort aus (Abfahrt, Eisenach-Ost an der B 84) möglichst innerhalb einer halben Stunde auf dem Gelände sind.“

Das Ergebnis konnte sich, außer der deutlich erhöhten Präsenz von Ordnungskräften, leider nicht sehen lassen. Sonntagmorgen, 8.50 Uhr an der Autobahnabfahrt Eisenach-Ost, bedeutete einfädeln in den schon bestehenden Stau und gut eine Stunde Anfahrt bis zum Messegelände. Dieser Zustand besserte sich in den verbleibenden zwei Tagen nur unwesentlich. Durfte der Fachjournalist dann über einen separaten Zugang das Gelände betreten, so sah sich der normale Besucher der Tortur des „Einkasseneingangs“ ausgesetzt. Egal ob Barzahler oder Gutscheininhaber, alle mussten die gleiche Schlange ertragen. Und wehe, der Gutschein war nicht ausgefüllt …

Dies hatte zur Folge, dass die Aussteller speziell im Gang D völlig entnervte und erschöpfte Besucher empfangen durften. Wer es aber unter Überwindung der Startschwierigkeiten auf das Gelände geschafft hatte, dem eröffnete sich die bunte Messewelt mit einem „Füllhorn“ an Produkten quer durch die grüne Branche. Auch wenn „erst“ letztes Jahr die GaLaBau in Nürnberg schon mit etlichen Neuheiten und Trends aufwartete, so zeigte ein Gang über das Messegelände wiederum interessante Neuerungen, und er bot gleichermaßen allen Interessierten die Möglichkeit zum ausführlichen Ausprobieren der ausgestellten Maschinen.

Branchennews

Seitens der Hersteller zeigte insbesondere die aus der Insolvenz hervorgegangene Max Holder GmbH einen starken Marken-auftritt mit ihrem Highlight, dem C 370, einem erstmalig zweisitzigem Geräteträger. Kaum wiederzuerkennen war die Firma Cramer aus Leer. Wer nach ihr suchte und dabei die Hausfarben Hellgelb und Türkis im Kopf hatte, wurde mit einem neuen Markenauftritt in Grau und Dunkelgrün empfangen. Gewöhnungsbedürftig, aber durchaus augenfreundlicher.

Alternative Antriebe

Auf der Suche nach der Reduzierung von Emissionen werden weiterhin verschiedene Wege beschritten. Einen wahren Neuheitenkorb bot in diesem Sinne Etesia an. Das französische Unternehmen setzt neben den Elektroantrieben auf Verbrenner mit Gasantrieb. Die Modelle Hydro 80 und 100 wurden erstmals dem Publikum als einsatzbereite Prototypen präsentiert. Sie weisen die gleichen Leistungsdaten wie ihre Schwesternmodelle mit Benzinantrieb auf.

Neustes Mitglied in der Bahia-Familie ist der Bahia Electric. Dieser Aufsitzmäher fährt und mäht voll elektrisch. Vier Säu-re-Blei-Batterien (12V/115 Ah) sorgen für den notwendigen Strom. Eine Aufladung dauert gut sechs Stunden und soll laut Hersteller für zwei Stunden durchgängiges Mähen reichen. Optional lässt sich mit einem Batterieanhänger die Autonomie um 1,5 Stunden verlängern. Ein weiteres interessantes Ausstattungsmerkmal ist eine 230-V-Steckdose, die zum Beispiel für den Betrieb von Elektroscheren oder Sägen verwendet werden kann. Ganz im Sinne der Emissionsverminderung auch beim Stromerzeugen ist die sich in Planung befindliche Aufladung des Mähers mittels Solarzellen.

Der Gestrüppmäher Attila 98X sattelt auf den Trend dieser Demopark auf: das Bearbeiten von schwer zugänglichen Geländeformationen. Im Gegensatz zum Attila 88 werden auch die Vorderräder angetrieben. Im Zusammenspiel mit dem 23 PS starken B&S Vanguard-Motor ist das Vorankommen in dichtem Gestrüpp verbessert worden. Das langsame Befahren von Hängen wird durch den Einsatz von Vorderradbremsen erleichtert. Optional steht eine automatische Hanganzeige zur Verfügung.

Geländegängigkeit

Eigentlich eher ein Nischenprodukt, aber mittlerweile mit zunehmender Wichtigkeit und Aufmerksamkeit bedacht, sind Geräteträger oder Traktoren mit Kettenantrieb in den Fokus gleich mehrerer Hersteller und vor allen Dingen auch der Anwender gerückt. So rüstet die Pfau Kommunalgeräte GmbH ihren Unijet mit vier Raupenlaufwerken aus.

Der Unijet ist ein Geräteträgerfahrzeug in den Gewichtsklassen von 1,7 bis 2,5 Tonnen Gesamtgewicht mit Nutzlasten von bis zu rund 1,4 Tonnen. Es kann je nach Einsatzanforderungen individuell zum Beispiel als Kippervariante oder mit einer Hydrau-likanlage ausgestattet werden. Das auf der Demopark ausgestellte Fahrzeug, das ein bisschen wie ein futuristischer Kleinbus wirkt, war eine Allradversion, die innerhalb einer guten Stunde wieder auf Räder umgerüstet werden kann.


Italienischer Renner

Antonio Carraro bot mit dem Mach 4 eine etwas stylische Version ihrer knickgelenkten SRX Ergit 100-Serie mit Kettenantrieb an. Der SRX ist ein spezialisierter Traktor für den Einsatz auf engstem Raum oder in Reihenkulturen, Obstplantagen und Weinbergen, auf ebenem Gelände oder an Hängen. In der Standardausführung hat er gleichgroße Räder hinten und vorne und, was insbesondere die Einsatzvariabilität erhöht, einen umkehrbaren Fahrerstand. Motorseitig kann zwischen den drei Versionen mit 70 PS Turbo Intercooler (Direkteinspritzung mit Hochdruckrotationspumpe; EGR- System und schallgedämpfte Ventilsteuerung mit seitlicher Zapfwelle für Tandem-Hydropumpe), 87 PS – vier Zylinder (Turbolader Einspritzsystem und elektronisch gesteuerter EGR-Funktio) sowie 96 PS mit Ladeluftkühler gewählt werden.


„Schneemobil“

Die Max Holder GmbH sieht ihren S 990 mit einem Raupenfahrwerk insbesondere in Gebieten oder bei Kommunen, die vom Wintersport leben. Kombiniert man beispielsweise den mit einem Raupenfahrwerk ausgestatteten S 990 mit einer Fräse mit angehängtem Loipenspurgerät, können damit nicht nur Langlaufloipen für Profis und Freizeitsportler präpariert werden, sondern auch Winterwanderwege, Lifteinstiege und Winterrodelbahnen.

Holders stärkster Geräteträger ist mit einem 92 PS starken Deutz-4-Takt-Turbo-Diesel ausgestattet, der die Abgaswerte nach Tier III erfüllt. Laut Hersteller wird mit dem Dual-Drive-System eine beträchtliche Treibstoffersparnis und Geräuschminderung erreicht. Bei einer Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern wird vom hydrostatischen Antrieb in einen mechanischen Gang umgeschaltet. Dann kann das Fahrzeug durch Erhöhen der Motor-Drehzahl bis auf eine Geschwindigkeit von 40 Stundenkilometern beschleunigt werden. Fällt die Geschwindigkeit wieder unter 20 Stundenkilometern ab, wird in den Hydrobetrieb zurückgeschaltet. Im Raupenbetrieb erreicht das Fahrzeug eine Geschwindigkeit von rund 25 Stundenkilometern.


„Leichtfuß“

Die RM 70 Mähraupe von Mulag zeigte sich auf der Demopark im aufgefrischten Gewand. Entwickelt wurde dieses Fahrzeugkonzept vor rund 30 Jahren. Besonders der Einsatz in der Deich- und Wasserwirtschaft sowie in der Landschaftspflege und dem Naturschutz liegt dieser Maschine. In diesem Segment arbeitet sie wirtschaftlich und effizient, denn trotz rund 2,4 Tonnen Eigengewicht belastet sie den Untergrund aufgrund des Raupenlaufwerks nur mit einem Bodenauflagedruck von 156 Gramm pro Kubikzentimeter.

Der Antrieb erfolgt über ein einteiliges Sternrad, wobei sich alle am Radumfang anliegenden Raupenglieder im Eingriff befinden. So kann die Kraft des 4-Zylinder-Turbo-Diesels gut auf die Raupenkette aus verstärkter geschmiedeter Aluminiumlegierung übertragen werden. Wer viel Vertrauen in Technik hat, kann mit ihr im Gelände bei Neigungen bis zu 45 Grad/100 Prozent entlang aller Fahrzeugachsen arbeiten. Möglich wird dies durch den relativ niedrigen Schwerpunkt der Maschine.

Ferngesteuert

Neben den schon bekannten ferngesteuerten Böschungsmähern wie der Spider von Vort oder der Deltrak von Irius schickt die Menke Kommunal- und Umwelttechnik GmbH ihren Robogreen ins Rennen. Angetrieben von einem Isuzu 3-Zylinder-Direkteinspritzer mit 30 kW/41 PS ermöglicht dieser Geräteträger ein Arbeiten mit Reichweiten von bis zu 300 Metern. Ohne Arbeitsgerät bringt er rund 880 Kilogramm auf die Waage, und mit einer Spurbreite von 1.280 Millimetern lässt er sich problemlos auf einem Pkw-Anhänger transportieren. Neben der Standardausführung mit einem 1.300 Millimeter breiten Schlegelmäher ist auch die Nutzung anderer Anbaugeräte wie einem Forstmulcher oder einer Schneefräse denkbar.

Die etwas leichtere Variante eines autonomen Schlegelmähers bietet agria. Der Tornado RC eignet sich für die Landschaftspflege an Steilhängen mit einer Hangneigung von bis zu 50 Grad sowie für schwer zugängliche Grünflächen. Die Haupteinsatzgebiete der ferngesteuerten Mähraupe finden sich dort, wo das Arbeiten nur unter größter körperlicher Anstrengung möglich ist oder sich Gefahrenpotenziale für den Anwender beim Nutzen herkömmlicher Technik ergeben.

Aufgrund der kompakten Bauweise eignet sich der Tornado RC natürlich für den Einsatz bei beengten Platzverhältnissen. Da beim Arbeiten kein direkter Kontakt zwischen Mensch und Maschine besteht, lassen sich Emissions-Belastungen durch Abgase, Lärm sowie Motor-Strahlungswärme deutlich verringern und Vibrationsbelastungen gänzlich vermeiden. Vorerst ist die Maschine mit einem 120-Zentimeter-Schlegelmulcher ausgerüstet. Konstruktiv bedingt ist der Wechsel der Anbaugeräte problemlos möglich. Da die Arbeitsgeschwindigkeit (maximal zehn Stundenkilometer) nicht von der Schrittgeschwindigkeit des Nutzers abhängig ist, lässt sich die kompakte Maschine selbst im Einsatz auf normalen Flächen sehr wirtschaftlich einsetzen. Gegenüber Wettbewerbsmodellen weist dieser Mäher eine maximale Reichweite von bis zu 500 Metern auf, und die Fernbedienung ist eine klassische Zweihebelbedienung, wie man sie aus dem Modellbau kennt.Als zusätzlicher Sicherheitsaspekt lässt sich die Mähraupe nur an der Maschine selber einschalten. Das Ausschalten ist jedoch über die Fernbedienung möglich.

Trotz der Anreiseschwierigkeiten ist die Demopark mit ihrem konzeptionellen Schwerpunkt auf der praktischen Erprobung der ausgestellten Maschinen ein wichtiger Treff für die grüne Branche. Mit ihrer Vielfältigkeit des Produktangebots, der großen Anzahl an präsentierten Neuheiten und der entspannten Atmosphäre eines Sonntagnachmittagsspazierganges hebt sie sich deutlich von anderen Messen ab. Die diesjährig erreichten Besucherzahlen von 36.000 Besuchern verdeutlichen dies auch sehr anschaulich.

Den Veranstaltern sei ans Herz gelegt, die Kritiken der Aussteller, Besucher und Fachpresse ernst zu nehmen und im nächsten Anlauf endlich das Meisterstück hinzulegen. Vorschläge seitens des Autors: zweispurige Anfahrt zum Messegelände ab dem Kreisel westlich der Anschlussstelle Eisenach-Ost in der Zeit von acht bis zehn Uhr morgens, Einbeziehung der Ausfahrt Sattelstädt in das Verkehrskonzept, bessere Lenkung der Besucherströme auf dem Gelände durch Überdenken des Eingangskonzeptes.

(Mark Schmiechen)