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Baumkontrolle: Sicherheitsschraube leicht überdreht

Die Baumkontrolle lässt sich nicht bis ins letzte Detail schriftlich fixieren. Und die Sicherheit kann man nicht bis ins letzte Prozent garantieren. Denn das Baumleben steht immer einem übertriebenen Sicherheitsbedürfnis gegenüber, betonte Horst Schmidt, Vizepräsident der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) in Köln bei der Fachtagung "Sicherheit für Mensch und Baum" der FLL.

Anfang der 90er Jahre habe es eine Empfehlung des Deutschen Städtetages gegeben, die Bäume einmal pro Jahr zu kontrollieren. Die Gerichte forderten dagegen in den letzten Jahren vermehrt die zweimalige Kontrolle pro Jahr. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Gerichte jeweils Einzelfallurteile zu einzelnen Bäumen gefällt haben, die aufgrund von Defekten zu Schäden geführt haben, sagte Schmidt.

Auch die kommunalen Versicherer haben vermehrt eine Baumkontrolle zweimal pro Jahr gefordert. So wurde wie in vielen anderen Bereichen die Sicherheitsschraube überdreht, sagte er.

Wer entscheidet, ob ein Baum gefällt wird, sollte einmal dabei gewesen sein, wenn 50 Menschen mit Tränen in den Augen überzeugt werden müssen, dass „ihr Baum“ gefällt werden muss, sagte Schmidt. Bei solchen Gelegenheiten könne man erfahren, welchen Wert die Menschen den Bäumen beimessen. Baumkontrollen müssen daher mit großer Verantwortung und mit Fachkenntnis durchgeführt werden. „Wir sollten den Bäumen aber auch etwas zutrauen, sie halten sehr viel aus und sind optimal konstruiert“, appellierte Schmidt. Überängstliches Sicherheitsstreben aus mangelnder Kenntnis sei unverzeihlich und koste oft charaktervollen, schönen, alten Baumgestalten das Leben. Wenn Bäume gefällt werden müssten, sind die Schwachstellen nach der Fällung genau anzuschauen. Nur so lasse sich auch die Notwendigkeit einer Fällung überprüfen und sich ein richtiger Maßstab für die Maßnahmen am Baum entwickeln. Auch die Gerichte hätten bis hin zum Bundesgerichtshof immer wieder bestätigt, dass es sich beim Baum um ein natürliches Element handelt und eine hundertprozentige Sicherheit nicht möglich ist. Die Baumkontrolle könne nur vorhersehbare Schäden feststellen und entsprechende Maßnahmen einleiten. Das müsse man sich selbst und auch den Gutachtern immer wieder klarmachen. Aber der Versicherungsschutz besteht, betonte Schmidt, wenn die neue Baumkontroll-Richtlinie angewendet wird.