EuroCIS 2022: Self Scanning und „intelligente“ Regale

Veröffentlichungsdatum: , Irene Seidel

Gute Kundenresonanz am EuroCIS-Messestand von Globalplayer Itab. Foto: Irene Seidel

Die Umsetzung von neuen Onlineshops wurde im Lockdown in Rekordzeit realisiert. Nun wird in die stärkere Digitalisierung der Verkaufsfläche investiert. Die Messe EuroCIS zeigte, welche IT-Lösungen für den Handel interessant sind.

Chronischer Personalmangel treibt Digitalisierung voran

Die EuroCIS 2022 konzentrierte sich auf IT-Technologien mit praxisnahen Lösungen: intelligente Regale, mobile Kassen, Self Scanning der Ware oder Self Checkout bis zu vernetzten IT-Plattformen und Robotereinsatz. Der chronische Fachkräftemangel wird den Digitalisierungsschub weiter vorantreiben. IT-Tools werden einerseits fehlendes Personal in den Geschäften ersetzen, andererseits werden sie auch von vielen Kunden als neue, innovative Elemente eines „Erlebniseinkaufs“ wahrgenommen.

Die digitale IT-Strategie der Gartenfachmärkte ist sehr unterschiedlich. Doch eines ist klar: In Anbetracht der immer komplexeren Aufgaben bedarf es stetiger Investitionen in die technologische Infrastruktur. Dabei ist der modulare Ausbau der IT-Architektur, konsequent umgesetzt, ein erfolgversprechender Weg in die Zukunft. Nur wer rechtzeitig investiert, profitiert auf lange Sicht.

Mobile Kassen und e-Bons

Wie sehen praxisnahe Lösungen auf der Verkaufsfläche aus? Die Investition in welche „Module“ bringt das Unternehmen besonders voran? Blickte man in die Messehallen der EuroCIS, bilden mobile Kassen und e-Kassenbons ein wichtiges Thema. Sie ermöglichen dem Verkaufspersonal, den Bezahlvorgang per Tablet überall dort vorzunehmen, wo der größte Kundenandrang herrscht, ob bei schönem Wetter im Außenbereich bei den Freilandpflanzen oder bei Regenwetter an den Aktionsflächen. Die mobile Kasse ist da, wo sich die Kundin ihre Einkaufswünsche erfüllt und erwartet, dass das Personal beratend zur Seite steht. Einstiegsmodelle und Systeme zeigten unzählige EuroCIS-Aussteller. Der deutsche Globalplayer GK Software SE beispielsweise besitzt langjährige Erfahrungen auf dem Gebiet flexibler Kassenlösungen (Douglas-Filialen).

Seit Einführung der Bonpflicht stellen die unzähligen Kassenausdrucke ein Ärgernis dar, da sie wenig ressourcenschonend und in der Summe teuer ausfallen. Wie bei den Entwicklern zu erfahren war, kostet ein gedruckter Kassenbeleg zwischen 0,4 bis 0,7 Cent, der digitale Bon nur 0,1 Cent. Zusätzliche Vorteile der digitalen Lösung: Der e-Bon kann gleichzeitig mit Links zu Werbeaktionen, Kaufempfehlungen oder zum Onlineshop versehen werden. Mit dem digitalen Bon lässt sich somit ein zusätzlicher Kontaktpunkt zum Kunden schaffen, gerade auch zur anonymen Laufkundschaft.
Ein Spezialist für digitale Kassenbons ist die Firma Anybill, die eine breite Palette an Software-Varianten und die dazugehörige technische Infrastruktur bereithält. Anybill bietet drei Wege, wie Kunden den e-Kassenbeleg erhalten können:

  • Der Kassenbon wird als QR-Code am Display der Kasse angezeigt. Nun kann der Kunde den Bon via QR-Code scannen, entweder mit seiner Smartphone-Kamera oder über die Kamerafunktion in einer App (Händler-App, Banking-App). Der Bon wird dann als PDF-Datei oder direkt in der ausgewählten App gespeichert.
  • Oder: An der Kasse wird der persönliche QR-/Strich-Code, der in der Händler-App hinterlegt ist, gescannt und kann dort von der Kundin abgerufen werden. Eine Verknüpfung mit der Kundenkarte ist möglich.
  • Oder der dritte Weg: Wurde vorher eine einmalige Registrierung und Verknüpfung mit dem Wunsch-Zahlungsmittel durchgeführt, kann der digitale Beleg direkt nach der Kartenzahlung von der Kundin abgerufen werden.

Die Varianten der digitalen Belegausgabe sind vielfältig, je nach bestehender Kasseninfrastruktur und Kundenwunsch. Beim modularen Ausbau der IT-Architektur sollten e-Etiketten und e-Regale ganz oben auf der To-Do-Liste der digitalen Unternehmensstrategie stehen. Mittels elektronischer Regale lassen sich die Preise mit einem Tastendruck am PC oder Smartphone ändern. Das spart enorm viel Zeit, Personalkosten und erlaubt ein sehr aktives Preismanagement (Dynamic Pricing): Fällt ein Hitzetag extremer aus als erwartet, können saisonale Frischpflanzen über rasch heruntergesetzte Aktionspreise schneller abgestoßen werden.

Solarenergie für e-Regale

Instore Solutions stellte auf der EuroCIS dazu eine Neuheit vor, das „Sustainable Electronic Shelf“ (SES). Seine Besonderheit ist, dass es ohne Batterien auskommt. Wie Philip Ernst erläuterte, sind die digitalen Regalpreisleisten mit Mini-Solarmodulen ausgestattet, die das elektronische Labeling mit Energie versorgen.

Was erstaunt: Für die Energieausbeute reicht den hocheffizienten Solarzellen die normale Ladenbeleuchtung aus. Ein Akkuspeicher auf der Regalschiene nimmt die gewonnene Solarenergie auf und speichert sie, bis sie für Preis-Updates oder zur Kundenkommunikation am e-Regal benötigt werden. E-Etiketten werden dadurch wirtschaftlicher, da der Kauf und Austausch von Batterien komplett entfällt. So lassen sich unzählige Knopfzellen einsparen, wie sie von herkömmlichen e-Etiketten benötigt werden.

Smart-Shelf-Lösungen, beispielsweise von Bizerba, übernehmen zusätzlich Steuerungs- und Überwachungsaufgaben. Sie sind mit dem Bestandsmanagement vernetzt, IoT-Bestandsdetektoren erkennen jede Warenbewegung. Smart-Shelves können in Echtzeit den Istbestand am Regal feststellen oder dem Kunden über Monitore zusätzliche Informationen bereitstellen.
Intelligente Regale gestalten sich zukünftig auch behindertenfreundlicher, da Sprachassistenten über Scanning des QR-Codes Menschen mit Sehbehinderung die angezeigten Inhalte vorlesen und – sofern erwünscht – weitere Infos zum Produkt liefern können, gesehen am Messestand von Bison.

Megatrend Self Scanning

Auch beim kontaktlosen Einkauf, dem Self Scanning und Self Checkout, hat die Pandemie die Einstellung der Menschen verändert und für IT-Lösungen zugänglicher gemacht. Ein Beispiel für Self Scanning, das sich relativ einfach umsetzen lässt, zeigte der Newcomer Nomitri. Der neu entwickelte Einkaufsassistent lässt sich an jedem Einkaufswagen befestigen und ist damit eine gute Lösung des Self Scannings, die sich ohne hohen Aufwand umsetzen lässt. Über fest installierte Tablets kann jede Kundin ihre Ware selbst einscannen und bekommt den gesamten Einkauf am Display angezeigt. Nomitri-Gründer Moritz August führte am Messestand vor, dass der Einkaufsassistent selbst ein schwieriges Objekt wie eine Ananas zuverlässig erkennt und richtig scannt – keineswegs selbstverständlich.

Laut Moritz August ließe sich das Self Scanning auch über das Kunden-Smartphone und eine App realisieren. Doch oft habe die Kundschaft noch Vorbehalte aus Angst, das Smartphone könne aus der Halterung des Einkaufswagens gestohlen werden oder es könne ein unberechtigter Zugriff auf persönliche Daten erfolgen. Den Globalplayer und Ladenbauer „Itab“ hat diese Lösung des Startups Nomitri überzeugt, er wird den Einkaufsassistenten zukünftig interessierten Kunden anbieten.

Bei Self Scanning der Einkaufsware durch die Kundschaft ist Kontrolle natürlich wichtig: Anhand eines Fotos vom Einkaufswagen kann beispielsweise die Software der Self-Scanning-App von Snabble (siehe Bild rechts, Foto: Irene Seidel) an der Kassenstation überprüfen, ob Kassenbon und der Inhalt des Einkaufswagens tatsächlich zusammenpassen.

Design Award für Nano-Terminal

Self-Checkout-Lösungen, bei denen das System die Einkaufsware automatisch erkennen soll, müssen in der Grünen Branche besondere Herausforderungen bewältigen. Denn die Artikel sind so unterschiedlich wie kaum in anderen Bereichen des Einzelhandels. In den Einkaufswagen liegen Deko-Accessoires neben Gartengrill und Pflanzen aller Art. Viele Checkout-Systeme nutzen deswegen generell die intelligente Bilderkennung. Lernfähige Programme können im Einkaufswagen über die sichtbare Ware auf verdeckte Artikel schließen, da diese erfahrungsgemäß oft zusammen gekauft werden.

Zur EuroCIS konnte man sich einen guten Überblick über die Checkout-Terminals und Self-Scanning-Systeme verschaffen. Die Anordnung der Module ist mittlerweile immer besser durchdacht und leitet die Kunden selbsterklärend und zuverlässig durch den Prozess. Auch hier wird die Barrierefreiheit immer stärker berücksichtigt, denn die Selbstbedienungselemente oder Info-Displays werden zunehmend in Rollstuhlhöhe angeboten.

Es gibt viele Modelle und Checkout-Lösungen in unterschiedlicher Optik. Die Nano-Terminals von Pyramid wurden für gelungenes Industrie- und Produktdesign mit dem „Good Design Award“ (Chicago 2021) ausgezeichnet.

Wie die EuroCIS auch zeigte, beschäftigen sich mittlerweile viele Anbieter mit kassenlosen Storekonzepten. Beispielsweise steckt die IT-Technik des israelischen Ausstellers Trigo in den Vorzeigeshops von Aldi Nord, Netto und Rewe. Die deutsche GK Software lud in den Konzeptshop „GK GO“ mit selbstentwickelter Software und Sensorentechnik zum Probeeinkauf ein. „GK GO“ demonstrierte, wie kontaktlose Services und bedienerlose Filialen mit automatischer Artikelregistrierung umsetzbar sind. Dazu baute GK in einem Pop-up-Container ein vollständig autonomes Store-Format auf. Eine der Besonderheiten war, dass alle Transaktionen in Echtzeit auf den Smartphones der Kunden sichtbar wurden. Damit soll zukünftig ein direkter Kanal eröffnet werden, um mit den Kunden unmittelbar während des Einkaufs zu kommunizieren.

KI optimiert Strategien

„Intelligente“ Regale, Self-Checkout-Elemente, Sensorentechnik oder Bilderkennung, all diese Module liefern immer größere Datenmengen über Kundenstruktur und Kaufverhalten. IT-Plattformen führen die Daten zusammen und können einen schnellen Überblick über aktuelle Ereignisse und zukünftige Nachfrageentwicklungen liefern. Wie man an den Euro-CIS-Messeständen immer wieder hörte, ist der Großteil aller Daten, die Unternehmen zur Verfügung stehen, eher „unstrukturiert“, und gerade Gartenfachmärkte bilden dabei keine Ausnahme.

Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) und Machine Learning ist für viele Unternehmen eine der wichtigsten technologischen Herausforderungen der kommenden Jahre. Vor allem im Bereich Datenanalyse spielt Machine Learning eine große Rolle und unterstützt das Führungspersonal bei Verkaufsprognosen, Sortimentsmanagement und Preisgestaltung. Anwendungen, die auf Künstlicher Intelligenz basieren, liefern mittels Datenanalyse nicht nur Aussagen für die Optimierung der täglichen Prozesse, sondern leiten auch kommende Entwicklungen ab (Predictive Analytics). Beispiel: Beschäftigt sich KI mit den Faktoren, die den Abverkauf beeinflussen, werden die Abverkäufe früherer Jahre, Ferien- und Feiertage, Promotion-Aktionen und auch die Wetterdaten in die Analyse einbezogen. KI-basierte Datenanalyse hilft, faktenbasierte Entscheidungen zu treffen.

Die Architektur der Plattformen ist auf die jeweils unterschiedlichen Ansprüche zugeschnitten. ServiceChannel stellte beispielsweise zur Messe eine automatisierte, Machine-Learning-basierte Plattform vor, die zur Filialsteuerung eingesetzt wird. Mithilfe dieser Plattform lassen sich sämtliche technische Einrichtungen auf den Filialflächen, umfassende Dienstleister-Beziehungen sowie das Task Management für Filialmitarbeiter abbilden. Über eine mobile App können die jeweiligen Filialprozesse im Blick behalten und gesteuert werden: Kundenanalyse, Sortimentsmanagement, Verkaufsförderung, Controlling, Loss Prevention (Vorbeuge von Diebstahl, Kreditkartenbetrug, Manipulationen).

Roboter rollen durch Geschäfte

In den Geschäften gehören Roboter noch nicht zum alltäglichen Anblick, aber das wird sich in naher Zukunft ändern. Gut durchdachte technische Ausstattungen und Programmierungen ebnen ihnen den Weg. Im Geschäft begrüßen Roboter stets gut gelaunt Kunden, leiten zum gewünschten Produkt und säubern – ganz nebenbei – auch noch den Boden.

Interessant sind auch Reinigungsroboter, die mit der technischen Ausstattung zur Warenbestandsanalyse ausgerüstet sind. Per Bilderkennung registrieren sie auf ihren Wegen durch die Verkaufsgänge die vorhandenen Produkte und übertragen die Daten an das zentrale Managementsystem. Ist die Ware in ausreichender Menge vorhanden, steht sie im richtigen Regal? Diese Generation von Service-Robotern spart auch Zeit und Personal bei der alljährlichen Inventur. Die Vielseitigkeit der Funktionen werten Roboter enorm auf, was ihre Anschaffung noch wirtschaftlicher macht.

Mit „Robot ShelfiePro“ zeigte DeDuCo International NV ein solches Multitalent der neuesten Generation (siehe Bild links, Foto: Messe Düsseldorf/ctillmann). Dank einer auf KI-basierten Bilderkennungssoftware erkennt er zuverlässig Fehlbestände, übernimmt die Fernüberwachung der e-Regale und bietet den Kunden durch Interaktion ein besonderes Einkaufserlebnis. Was „Robot ShelfiePro“ von anderen Robotern unterscheidet, ist sein säulenartiger 360-Grad-LED-Bildschirm, der Werbeaktionen und Videos zeigen kann. Zur EuroCIS fungierte er als Werbeträger für das Kirschbier einer belgischen Brauerei – und bekam die erwünschte Aufmerksamkeit der Fachbesucher.

Weitere Höhepunkte der EuroCIS finden Sie in der TASPO 30/2022.