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"Faire Saisonarbeit": Pilotprojekt der IG BAU gestartet

Qualitätssiegel "Faire Saisonarbeit" heißt ein mit Mitteln der EU gefördertes neues Pilotprojekt, mit dem die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betrieben das Einhalten sozialer Mindeststandards in diesem Bereich bescheinigen will. Es soll aber auch für entsprechende Betriebe eine Werbung sein, sagt Holger Bartels von der Gewerkschaft. Mitte April wurde nun das Konzept der Arbeitgeberseite, also den Arbeitgeberverbänden der Bauernschaft und des Gartenbaues vorgestellt, berichtet Bartels. Er hofft, innerhalb des nächsten Vierteljahres mit ihnen eine Regelung für eine gemeinsame Zertifizierung finden zu können. Bis dahin will die Gewerkschaft aber schon Betriebe aufsuchen und vorab ein Rating durchführen. Bleibt eine gemeinsame Lösung aus, will die Gewerkschaft dann selbst ein Zertifizierungsunternehmen beauftragen und die Ergebnisse veröffentlichen. Mit dem Siegel soll sowohl im Entsendeland als auch hier im Empfängerland geworben werden. So sollen interessierte Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland die Ergebnisse auf dem Internetportal (www. saisonarbeit.org) finden und sich dann auch gleich direkt für eine Saisonbeschäftigung bewerben können. Stehen soll das geplante Zertifikat für die Einhaltung von sechs Kriterien, die sich auf die Einhaltung rechtlicher Grundlagen und allgemeinen Standards beziehen: angemessenes Einkommen, Gestaltung des Arbeitsschutzes, Interessenvertretung, Arbeitsvertrag, Arbeitszeit und Unterbringung. Jedes Kriterium wird den Angaben zufolge nach vier verschiedenen Indikatoren abgefragt und erhält, wenn es erfüllt ist, einen Stern. Die Indikatoren für den Faktor angemessenes Einkommen lauten beispielsweise Durchschnittslohn (über 6,09 Euro im Osten/6,99 Euro im Westen), sind Akkordsätze (20 Prozent über normalem Zeitlohn) möglich, gibt es eine Abrechnung (schriftlich, mindestens monatlich mit ausgewiesenen Abzügen), wird ein Stundenbuch geführt. Gefördert wird das Pilotprojekt von der EU im Rahmen des 2006 stattgefundenen Europäischen Jahres der Mobilität der Arbeitnehmer. Es ist eines von acht geförderten Pilotprojekten, mit denen laut EU neue Instrumente und Aktivitäten zur Vereinfachung der Freizügigkeit von Arbeitnehmern und ihren Familien entwickelt und getestet werden sollen.