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Illegale Pestizide im Einsatz?

Regelmäßig stellt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die "Nationale Berichterstattung zu Pflanzenschutzmittelrückständen" vor, basierend auf den Untersuchungsergebnissen der amtlichen Lebensmittelüberwachung der Bundesländer. Am 1. Februar wurden die Ergebnisse des Jahres 2006 vorgestellt. Kritik an diesem Bericht kommt von der Umweltorganisation Greenpeace. Sie wirft dem BVL vor, Daten zurückzuhalten. Auf der Basis der "Nationalen Berichterstattung zu Pflanzenschutzmittelrückständen 2006" hat Greenpeace eine Kurzstudie erstellt (Illegale Pestizide in Obst und Gemüse aus Deutschland, 21. August 2008 ). Darin prangert die Umweltorganisation an, dass in 9,1 Prozent der belasteten Proben (199 Fälle) von heimischem Obst und Gemüse das nachgewiesene Pestizid in Deutschland nicht zugelassen ist. Frische Kräuter und Himbeeren seien am stärks-ten mit verbotenen Pestiziden belastet - nämlich 18 Prozent aller Proben. Gefolgt von Feldsalat, Birnen, Ruccola und Johannisbeeren mit sechs bis acht Prozent. Insgesamt 59 hierzulande und 21 in der EU verbotene Wirkstoffe hat Greenpeace in den behördlichen Untersuchungsdaten aus dem Jahr 2006 gefunden. Drei Viertel der Substanzen gelten als besonders gesundheits- und umweltschädlich.

"In Deutschland verspritzen Landwirte in einem unglaublichen Ausmaß illegale und hochgefährliche Pestizide", erklärt Manfred Krautter, Chemieexperte von Greenpeace, in einer Pressemitteilung.

"Diese Gifte finden sich im Essen der Verbraucher wieder. Es ist ein Skandal, dass die oberste deutsche Verbraucherschutzbehörde ihre eigenen Labordaten nicht einmal auf illegale Pestizide hin auswertet - geschweige denn sie veröffentlicht. Damit verdunkelt sie diese schweren Rechtsbrüche, statt gegen sie vorzugehen."

In einer Stellungnahme des BVL zur Greenpeace-Studie weist das Bundesinstitut darauf hin, dass die Untersuchung und Bewertung von Rückstandsbefunden in Lebensmitteln ausschließlich durch die zuständigen Behörden der Länder erfolgt. Die Bundesländer führten die Kontrollen durch und ahndeten Verstöße gegen gesetzliche Vorschriften. Anschließend werden die Ergebnisse der Kontrollen an das BVL weitergegeben, das die Daten zusammenfasst und jährliche Berichte herausgibt, so das BVL.

Im Jahr 2006 haben nach Angaben des BVL die zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden der Länder im Durchschnitt jede Probe auf 197 Stoffe untersucht; insgesamt auf 717 Wirkstoffe. Nur in wenigen Fällen wurden die Höchstmengen überschritten. Für diese Proben sind die Konzentrationen in den BVL-Berichten ausgewiesen und auch im Greenpeace-Bericht wiedergegeben. Für den Verbraucherschutz sei die Frage wichtig, ob die gefundenen Rückstände gesundheitlich bedenklich sind.

Hier kommt der Jahresbericht 2006 des BVL zu folgendem Ergebnis: Betrachtet man alle Rückstandsproben deutscher und ausländischer Herkunft (also nicht nur die Rückstände unzulässiger Wirkstoffe), dann konnte bei lediglich 14 von insgesamt 17.535 untersuchten Proben ein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher nicht ausgeschlossen werden. In diesen Fällen hat das BVL die für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Überwachungsbehörden der anderen Bundesländer sowie die EU-Kommission über das Europäische Schnellwarn-system informiert.

Schon 2005 waren die Funde unzulässiger Wirkstoffe in der Rückstandsüberwachung Anlass, im Rahmen des Pflanzenschutz-Kontrollprogramms des Bundes und der Länder die Anwendungskontrollen zu verschärfen. Die Bundesländer haben deshalb in den Jahren 2005 und 2006 einen Kontrollschwerpunkt auf die Zulässigkeit der verwendeten Mittel im Beerenobst gelegt. Für die Jahre 2007 bis 2009 wurde ein ähnlicher Kontrollschwerpunkt für Gemüsekulturen vereinbart. Es bestätigte sich in diesen Kontrollen, dass die Anwendung unzulässiger Mittel vorkommt.

Als Reaktion auf die Greenpeace-Studie stellt die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO) fest, dass sie die Anzahl der rein staatlichen Untersuchungen als angemessen einschätzt. Neben den staatlichen Untersuchungen würden bei den Erzeugerorganisationen zusätzlich einige tausend Erzeugnisproben im Rahmen des QS-Rückstandsmonitoring durchgeführt. Die verschwindend geringe Zahl an Proben, die als bedenklich eingestuft werden, belegen den hohen qualitativen Standard der hier angebotenen Erzeugnisse aus deutscher Herkunft, so die BVEO.

Bezüglich der Greenpeace-Veröffentlichung stellen die deutschen Erzeugerorganisationen fest: Eine Berücksichtigung aller gültigen Indikationszulassungen nach § 18b des Pflanzenschutzgesetzes hätte im Berichtsjahr 2006 zu einer Absenkung der Beanstandungsquote, statt zu einer Erhöhung geführt. Die deutschen Erzeugerorganisationen haben die Intransparenz bei den Zulassungen nach § 18b in der Vergangenheit kritisiert, mit dem Erfolg, dass seit Anfang Dezember 2007 die Bundesländer die § 18b-Genehmigungen an das BVL melden. Die deutschen Erzeugerorganisationen fordern als nächsten Schritt eine konsequente Vereinheitlichung der Zulassungs- und Anwendungsbestimmungen in der EU. Mehr unter www.greenpeace.de und www.bvl.bund.de