Interaspa Praxis: Wohin mit Folie?

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Folienrecycling zur Aufgabe gemacht: SAV-Mitbegründer Oliver Kühling, hier mit Granulat. Foto: Katrin Klawitter

Entsorgung war eines der Themen auf der Spezialmesse Interaspa praxis Anfang September: Unternehmen zeigten dort beispielsweise die Verwertung von Agrarfolien.

Entsorgung von Agrarfolien ist teuer geworden

Gebrauchte Agrarfolien, beispielsweise aus dem Spargelanbau, zu entsorgen, ist in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem Problem geworden. Bisher wanderten sie nach ihrer mehrjährigen Nutzungsdauer meist in die Müllverbrennung, oft nach Asien. Sie wurden aber zunehmend weniger angenommen, weiß Oliver Kühling von der Südoldenburger Agrarfolien Verwertung SAV (Emstek), zum einen durch den oft hohen Sandanteil, der die Öfen verschlacken lässt, aber auch, weil der asiatische Markt keine Mengen zur Verwertung mehr aufnimmt. Fazit: Die Entsorgung ist teuer geworden, kostet rund 180 bis 200 Euro je Tonne – und das bei Mengen von rund 2.500 Tonnen neuer Folie, die pro Jahr allein im Spargelanbau hinzu kommen.

Folien maschinell säubern

Bisher wurden Agrarfolien auch von Entsorgern nicht ausreichend angenommen und recycelt, da die vor Ort anfallenden Mengen vergleichsweise doch zu klein, verschmutzt und schwer geballt zu sammeln waren. Das will die SAV nun ändern: Durch die Zusammenarbeit mit dem Recycling-kundigen Unternehmer Karl Moormann (AHV, Barkum) hat SAV Zugriff auf Maschinen, die Erd- oder Sandanhaftungen abtrennen können: Selbst Folie mit Sandtaschen lässt sich so bewältigen, die Folien werden maschinell in verschiedenen Schritten zerschnitten, Sand und Folie getrennt. Die Folie wird anschließend im Extruder eines Verwerters zu Kunststoffgranulat eingeschmolzen und geht dann ins Kunststoffrecycling an verschiedene Abnehmer.

Folien werden in Granulat verarbeitet

Das Verarbeiten sei dabei ein rein mechanischer Prozess, benötige kein Wasser. Um bessere Recyclingqualitäten zu erreichen und damit mehr Abnahmemöglichkeiten für das Granulat zu haben, komme man um den Einsatz von Wasser aber auf Dauer nicht herum. Der werde sich aber durch geschlossene Kreisläufe, beispielsweise durch das Verwenden von Absetzbecken und Filtration, in Grenzen halten. Wie hoch die Qualität des Granulates künftig sein wird und ob es irgendwann sogar zu einem geschlossenen Reycyclingkreislauf bei Agrarfolien kommen kann, ist laut Kühling noch nicht absehbar. „Aber es ist so schon viel mehr möglich als bisher, als einfach verbrannt wurde“, betont er.
Die Kosten für das Folienrecycling liegen für die anliefernden Betriebe bei etwa 130 bis 140 Euro je Tonne, das hängt von Zustand, Verschmutzungsgrad – und natürlich den Abnahmepreisen der Wiederverwerter ab. Kühling arbeitet daran, dass der Preis günstiger wird. Auch ein mobiles Recycling an Sammelplätzen vor Ort hält er auf Dauer für denkbar.

Mehr zum Thema interaspa praxis und den Abbau von Spritzmittelresten lesen Sie in TASPO 41/2019.

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