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Tipp: Bewerbungsfoto erst zum Schluss anschauen

Der Erfolg eines Unternehmens hängt maßgeblich von seinen Mitarbeitern ab. Gerade in Zeiten, in denen wenige geeignete Bewerber zur Verfügung stehen, ist die sorgfältige Auswahl von Auszubildenden und Mitarbeitern äußerst wichtig. Dr. Uwe P. Kanning, Privatdozent an der Universität Münster, gab Tipps und machte Vorschläge für erfolgreiche Auswahlverfahren: Für den ersten Kontakt ist wichtig, ob das Bild eines Betriebes nach außen hin eher abschreckend oder anziehend wirkt. Das gilt für alle Darstellungen in Zeitungsannoncen, im Internet oder in Stellenanzeigen. Immer wichtiger werde eine attraktive Internetseite, denn junge Leute suchen dort als erstes Information. Er empfiehlt, enge Kontakte zu Hauptschulen herzustellen, Vorträge zu halten, Praktikanten einzustellen und Rekrutierungsmessen zu besuchen. Was der Betrieb zu bieten hat, ist zu überlegen und auszuwählen, denn außer Gehalt können viele andere Faktoren Ausschlag gebend sein für die Wahl. Beispielsweise flexible Arbeitszeiten, Leistungszuschläge, angenehmes Betriebsklima, vielleicht eine Betriebswohnung oder Hilfen beim Umzug. Für das weitere Vorgehen empfiehlt Kanning, die Bewerbungsmappen von der rein sachlichen Seite aus zu betrachten. Nicht die Art der Mappe, nicht die Farbe sind entscheidend, nicht die Tippfehler, und vor allem nicht das Foto. Es empfiehlt sich, vorher andere Auswahlkriterien festzulegen, beispielsweise Fachwissen, Konfliktverhalten, Teamfähigkeit oder Leistungsniveau und entsprechend der Wichtigkeit Punkte zu vergeben. Daraus ergibt sich ein Anforderungsprofil an den Bewerber. Wer sich die Bewerbungsmappe anschaut, sollte sich an den Fakten orientieren. Wichtig ist, das Foto zunächst herausnehmen zu lassen und erst ganz zum Schluss anzuschauen. Gerade bei Bewerbern für einen Ausbildungsplatz sagt die Mappe meist sehr wenig. Auch die einzelnen Noten sollte man nicht überbewerten, sondern lieber von einem Mittelwert ausgehen. Wenn es dann zu einem Interview kommt und dieses unstrukturiert geführt wird, also ein reines Gespräch zum kennenlernen, so ist die Aussagekraft gleich Null, sagt Kanning. Es sollen auch keine Sympathiewerte vergeben werden. Wichtig ist, kühl und sachlich zu bleiben, die meisten Fragen vorher schriftlich festzulegen. Stellen Sie allen Bewerbern dieselben Fragen und halten Sie dabei immer die gleiche Reihenfolge der Fragen ein. Legen Sie ebenfalls fest, für welche Antworten wie viele Punkte vergeben werden. Das Interview ist möglichst zu zweit zu führen, damit die Beurteilung nicht zu subjektiv ausfällt. Nehmen Sie in Ihren Fragen Bezug auf besondere Aufgaben, beispielsweise den Umgang mit Kunden. So testen Sie die Konfliktfähigkeit eines Bewerbers, riet der Privatdozent. Kanning räumte mit der viel gerühmten Probezeit in einem Betrieb auf. Die Beurteilung für eine spätere erfolgreiche Zusammenarbeit sei durch eine Probezeit schwer möglich, da sich keine enge emotionale Beziehung aufbaut. Zu einem besseren Ergebnis führe eine kurze Arbeitsprobe im Betrieb, die sich strukturiert und rational, frei von Emotionen beurteilen lassen.