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Glyphosat: Monsanto verwässert Risikostudie

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Glyphosat ist für den Menschen nicht krebserregend. Diese Ansicht hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in seinen aktualisierten „Fragen und Antworten zur gesundheitlichen Bewertung von Glyphosat“ jetzt noch einmal bekräftigt. Allerdings soll das BfR für seinen Bewertungsbericht auch Leserbriefe als Studien genutzt haben – geschrieben von Mitarbeitern von Monsanto, einem der führenden Hersteller von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln.

Glyphosat bleibt weiter in der Diskussion. Foto: countrypixel/Fotolia

Leserbriefe als Studie zu werten „nicht seriös“

Die Liste der vom BfR zur Glyphosat-Bewertung herangezogenen Studien war durch eine kleine Anfrage im Bundestag öffentlich geworden, berichtet das Umweltinstitut München. Unter den insgesamt 92 Studien waren demnach 14 Leserbriefe an Fachzeitschriften zu finden. Solche Briefe als Studie zu werten – wie es das BfR offenbar getan hat – schätzt das Umweltinstitut als „nicht seriös“ ein.

Besondere Brisanz bekommen die Briefe, da viele von ihnen von Wissenschaftlern geschrieben wurden, die direkt oder indirekt für den amerikanischen Agrarkonzern Monsanto arbeiten. Das berichtet unter anderem die Süddeutsche Zeitung. Wie das Blatt weiter schreibt, beharre Monsanto seit Jahren darauf, dass Glyphosat ungefährlich sei und scheue auch nicht davor zurück, kritische Wissenschaftler – die zu einem anderen Ergebnis kommen – unter Druck zu setzen.

Hat das BfR bestimmte Studien bewusst nicht berücksichtigt?

Das Umweltinstitut München hatte dem BfR nach eigener Aussage zudem dutzende Studien und wissenschaftliche Veröffentlichungen zugeschickt, die eindeutig auf die Gefahren von Glyphosat für Mensch und Umwelt hinweisen – über ein Jahr bevor das BfR seine Risikobewertung bei der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) abgeben musste. Wie sich durch die veröffentlichte Liste gezeigt habe, wurden jedoch lediglich vier davon vom BfR verwendet.

„Wir vermuten: Das BfR wusste von Anfang an, dass bei seiner Beurteilung herauskommen wird, dass Glyphosat unbedenklich ist. Eine andere Einschätzung würde dazu führen, dass das meistverkaufte Herbizid vom europäischen Markt genommen wird. Und das wollen die Freundinnen und Freunde der chemischen Industrie in BfR und EFSA offensichtlich mit aller Macht verhindern“, mutmaßt das Umweltinstitut München dazu auf seiner Webseite.

BfR weist Vorwürfe zurück

Das BfR rechtfertigt sich in seinen Ende vergangener Woche veröffentlichten „aktualisierten FAQ“ entschieden gegen diesen Vorwurf. So seien die strittigen Leserbriefe lediglich „aufgeführt, um die Vielfalt der Meinungen angemessen zu berücksichtigen und zu dokumentieren, sie spielten bei der eigentlichen Risikobewertung des BfR jedoch keine Rolle“, heißt es dort. Nur durch die vollständige Abbildung wissenschaftlich kontroverser Diskussionen „können fachliche Sachverhalte eingeordnet und bewertet werden“, so das BfR.

Anders als das BfR war die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) in der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im März zu dem Ergebnis gekommen, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend ist.