Pflanzenschutz

67-jähriger angeklagt: Er soll in Deutschland illegal Pflanzenschutzmittel verkauft haben

Die Staatsanwaltschaft hat Anfang Juli Anklage gegen einen 67-Jährigen erhoben, weil er über Jahre verbotene und hochgiftige Pflanzenschutzmittel an Gartenbaubetriebe in Deutschland und Europa verkauft haben soll. Auf eine entsprechende dpa-Meldung und eigene Informationen von der Staatsanwaltschaft Hamburg weisen das Hamburger Abendblatt und mehrere Schleswig-Holsteiner Tageszeitungen hin. 

Vorausgegangen waren vor mehr als zwei Jahren Durchsuchungen in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, bei denen die Ermittler fässerweise teils hochgiftige Substanzen beschlagnahmt hatten (siehe TASPO 15/09).

Firmen aus dem Gartenbau, die etwa Zierpflanzen und Weihnachtsbäume herstellen, hatten die illegalen Mittel von dem Mann aus Hamburg gekauft, verlautete von der Staatsanwaltschaft zur Anklageerhebung. Der Mann soll 80 Tonnen Nikotinsulfat in China gekauft und die Fässer in Hamburg mit falschen Etiketten in das weniger gefährliche Mittel „Alzogur“ umdeklariert haben.

Nikotinsulfat ist schon in kleinen Mengen für Menschen sehr giftig. Zudem soll er Lindan, ein seit Jahren verbotenes, krebserregendes Insektizid, verkauft haben: Genannt sind 680 Liter an einen Betrieb in Ungarn, 1.600 Liter nach Dänemark. Laut Staatsanwaltschaft hat der Beschuldigte, so berichtet der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (shz.de), von 2006 bis 2010 knapp 38 Tonnen Pflanzenschutzmittel verkauft, die in Deutschland verboten sind – obwohl die Wirtschaftsbehörde ihm den Handel bereits im März 2009 untersagt habe.

Die Abnehmer kamen, so heißt es weiter, vor allem aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Dem 67-Jährigen drohen bis zu zehn Jahre Haft.