Pflanzenschutz

Anwendungssicherheit hat Priorität: Dokumentationspflicht in der Lieferkette

In die Zulassungspflicht der neuen europäischen Chemiekalienverordnung "REACH" fallen alle neu entwickelten Stoffe sowie Altstoffe, die vor 1981 auf den Markt kamen. Als Mindestherstellungs- oder Einfuhrmenge gilt hier eine Tonne pro Jahr.

Notwendige Daten zur Bewertung der Stoffe müssen nach Regelung der neuen Verordnung durch die Hersteller erbracht werden, nicht mehr durch die Behörden. Im Falle des Importes aus außereuropäischen Ländern betrifft dies den Importeur. Zulassungspflichtig sind alle potenziell gefährlichen, so zum Beispiel krebserregenden, hormonartig wirkenden, das Erbgut verändernden und schwer abbaubaren Stoffe. Für die Gartenbaupraxis hat das europäische Regelwerk nur bedingt Auswirkungen, da Pflanzenschutzmittel aufgrund kleinerer Flächen nicht in so großen Mengen, wie beispielsweise in der Landwirtschaft, ausgebracht werden. Die Anwendung der Wirkstoffe bleibt unter einer Tonne pro Jahr, somit entfällt für den produzierenden Gartenbau die Pflicht zum so genannten Sicherheitsbericht, in dem ansonsten explizit Nachweis über Chemikalien-Anwendungen geführt werden muss. Schwieriger wird nach Information des Industrieverbandes Agrar die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Einerseits werde sich der bürokratische Aufwand erhöhen, andererseits gäbe es Fragen zur Offenlegung einzelner Inhaltsstoffe der Pflanzenschutzmittel, da die Rezepturen für gewöhnlich in den Unternehmen verbleiben. Mit dem Inkrafttreten von "REACH" wird das Gesetz jedoch noch nicht unmittelbar und vollständig wirksam, vielmehr gelten zunächst einzelne Bausteine als praxiswirksam, so beispielsweise die Informationspflicht zu sicherheitsrelevanten Eigenschaften der Stoffe innerhalb der Lieferkette bis hin zum Verbraucher. In diesem Zusammenhang entsteht die lückenlose Dokumentationspflicht. Im kommenden Jahr greifen dann weitreichendere Änderungen, die unter anderem auch die Einstufung und Kennzeichnung von Gefahrenstoffen betreffen werden. Die europäische Chemikalien-Agentur in Helsinki soll am 1. Juni 2008 ihre Arbeit aufnehmen. Bis dahin haben beispielsweise Hersteller von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln Zeit, das "Stoffpotenzial" in ihrem Unternehmen zu prüfen und auch die Anwendungssicherheit innerhalb der eigenen Lieferkette zu dokumentieren, sofern noch nicht geschehen. Informationen zu "REACH" gibt es unter folgenden Internetadressen: www.reach-info.de, www. reach.rlp.de.