Pflanzenschutz

Apfelschorf: bald biologisch bekämpfbar?

Der durch den Pilz Venturia inaequalis verursachte Apfelschorf kann ohne chemische Kontrolle während der Frühjahrs- und Sommermonate zu Ertragsverlusten von 70 Prozent und höher führen – vor allem in Regionen mit feuchtem, kühlem Wetter. Die Kontrolle von Apfelschorf in Obstplantagen funktioniert derzeit durch mehrere kombinierte Anwendungen von Fungiziden mit vorbeugender und heilender Wirkung.

Typische Symptome des Apfelschorfs. Foto: Wageningen UR

In den vergangenen Jahren wuchs allerdings die Resistenz von Venturia gegenüber einer zunehmenden Anzahl von chemischen Fungiziden in großen Apfelanbaugebieten. Zudem beschränken staatliche Vorschriften in der Europäischen Union immer mehr den Einsatz von Fungiziden. Die steigende Nachfrage nach Obst ohne oder mit geringen Rückständen von Schädlingsbekämpfungsmitteln ist ein weiterer Grund, warum Alternativen zu chemischen Fungiziden gesucht werden.

Antagonist zum Apfelschorf-Erreger
Als Antagonist zum Apfelschorf-Erreger gilt Cladosporium cladosporioides H39, der in der Lage ist, die Sporenbildung von Venturia inaequalis deutlich zu reduzieren.
Das Potenzial des antagonistischen Isolates wurde nun zwei Jahre lang von mehreren Instituten in Obstplantagen mit verschiedenen Apfelsorten in Ungarn, Polen, Deutschland und den Niederlanden getestet, wie die Versuchsanstalt im niederländischen Wageningen, Wageningen UR, meldet.

Behandlungen mit H39 wurden als reguläre Kalenderspritzungen oder ausgerichtet an der Infektionszeit durchgeführt. In den Niederlanden (Randwijk) konzentrierten sich die Studien auf die Auswirkungen des Zeitpunktes der Anwendung des Antagonisten H39, vor oder nach der Infektionsperiode.

Reduzierter Apfelschorf an Blättern und Früchten
Die Gesamtergebnisse der Feldversuche zeigten erstmals, dass die Stand-alone-Anwendungen von H39 kontinuierlich zu reduziertem Apfelschorf an Blättern und Früchten führte. Dies konnten Versuche sowohl im biologischen Anbausystem als auch in konventionellen Plantagen – angewendet mithilfe von Sprühplänen im Frühjahr oder Sommer – nachweisen. In beiden Systemen konnten die gleichen Befallsniveaus wie mit herkömmlichen Fungiziden erreicht werden: Die Wirkungsgrade lagen zwischen 42 und 98 Prozent auf den Blättern und 41 bis 94 Prozent auf den Früchten.

Der nächste Schritt der Untersuchungen besteht nun darin, ein kommerzielles biologisches Kontrollprodukt mit H39 zu entwickeln. Ein Unternehmen prüft derzeit die mögliche kommerziellen Nutzung. (ts)