Pflanzenschutz

Asiatischer Laubholzbockkäfer: Sind Baumfällungen „alternativlos“?

In Neubiberg fallen seit Dienstag die Bäume: Nachdem im September 2014 in einem Wohngebiet in der bayerischen Gemeinde (Landkreis München) ein Befall mit dem Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) festgestellt wurde, haben am 24. Februar die Fällmaßnahmen begonnen. 

Der Asiatische Laubholzbockkäfer befällt vitale Laubbäume und kann diese zum Absterben bringen. Foto: LfL

Insgesamt 400 Bäume und Sträucher, die im Umkreis von 100 Metern um jeden befallenen Baum als Wirtspflanzen für den Käfer in Frage kommen, sollen gefällt und beseitigt werden.

Bürgerinitiative wehrt sich gegen Baumfällungen in Neubiberg

Gegen diese vorsorglichen Fällungen hatte sich eine Bürgerinitiative in Neubiberg bis zuletzt gewehrt, unter anderem mit einer Online-Petition. Knapp 2.300 Unterschriften hatte die Bürgerinitiative gesammelt und am 23. Februar an Jakob Opperer, Präsident der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), übergeben.

Die Bürgerinitiative wehrt sich damit gegen die Fällung von gesunden Bäumen und wünscht sich insgesamt mehr Klarheit von den Behörden zum Beispiel bezüglich der befallenen Bäume. Die TASPO hat diese Fragen aufgegriffen und an die LfL gestellt. Die Antworten gab Kristina Amannsberger von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).

Warum sind Baumfällungen „alternativlos“?
Eine sichere Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln ist nicht möglich. In Deutschland ist kein Pflanzenschutzmittel zur Anwendung gegen den ALB zugelassen. Die Larve lebt den überwiegenden Teil ihres Lebens im Holz und kann dort von Insektiziden nicht erreicht werden. Die einzig sichere Methode ist das Fällen befallener und befallsverdächtiger Bäume mit anschließender Verbrennung des Holzes.

Wann liegt eigentlich ein ALB-Befall vor?
Ein Baum gilt dann als befallen, wenn an ihm mindestens ein eindeutig dem ALB zuzuordnendes Befallsmerkmal (zum Beispiel Eiablagestellen, Larvengänge, Larven, Ausbohrlöcher) gefunden wird.

Warum wurden selbst bei EINEM gefunden (alten) ALB-Einbohrloch ohne Ausbohrloch dutzende Bäume in der Umgebung (die, wie sich dann erwies, alle gesund waren) gefällt?
Durch das Monitoring mit Baumkletterern und Bodenpersonal kann eine Erfolgsquote von 100 Prozent nicht erreicht werden. Da eine 100 prozentige Sicherheit durch das Monitoring nicht abgedeckt werden kann, werden nach einem Fund in einem gewissen Radius die Gehölze als befallsverdächtig eingestuft und entnommen.
Erfahrungen aus Österreich zeigen, dass nur die Entnahme von als befallen erkannten Bäumen nicht zielführend und im Hinblick auf eine rasche und erfolgreiche Ausrottung nicht ausreichend ist, da immer die Möglichkeit besteht, dass ein tatsächlicher Befall nicht erkannt wird. Bei der Beschränkung der Maßnahmen auf nur offensichtlich befallene Gehölze wäre der Käfer immer einen „Schritt voraus“ und somit nicht mehr ausrottbar.

Die Bürgerinitiative in Neubiberg hatte darüber hinaus natürlich noch weitere Fragen an die LfL, etwa

  • warum die Ursachen (Einfuhr von befallenem Verpackungsmaterial) weiterhin nicht effektiv bekämpft werden,
  • inwieweit die von Baumfällungen auf Privatgrundstücken betroffenen Bürger eine Entschädigung erhalten und wie es mit geplanten Neupflanzungen aussieht,
  • warum der Fund einer einzigen ALB-Larve für die LfL Anlass genug ist, die Quarantänezone zu erweitern und weitere Fällungen anzuordnen.

Die Antworten auf diese und weitere Fragen lesen Sie in unserem großen Interview mit der LfL in der TASPO 9/2015. (bo/ts)